Kandidaten für die Bürgermeisterwahl präsentierten sich

Vor Bürgermeisterwahl: Plausch statt Zank beim HNA-Lesertreff in Baunatal

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Vor dem Startschuss zum Lesertreff (von links): HNA-Redaktionsleiterin Alia Shuhaiber, SPD-Kandidatin Silke Engler, Grünen-Kandidat Juri Stölzner, FDP-Kandidat Dr. Rainer Oswald, CDU-Kandidat Sebastian Stüssel und HNA-Redakteurin Amira El Ahl. 

Am Sonntag, 28. Oktober, haben die Baunataler die Wahl: Wer tritt das Erbe des am Pfingstsonntag unerwartet verstorbenen Manfred Schaub als neuer Bürgermeister der größten Stadt im Landkreis an?

Wird es die Erste Stadträtin Silke Engler (SPD), die seit dem Tod Schaubs die Amtsgeschäfte in Baunatal leitet? Oder einer ihrer Gegenkandidaten: Sebastian Stüssel von der CDU, Juri Stölzner von den Grünen, oder Dr. Rainer Oswald von der FDP?

Rund 150 Gäste machten sich am Mittwochabend beim HNA-Lesertreff in der Baunataler Stadthalle einen Eindruck, wer von den vier Kandidaten der Bessere ist. Redaktionsleiterin Alia Shuhaiber und Redakteurin Amira El Ahl moderierten die Veranstaltung.

Vorneweg: Der Abend hatte weniger Feuer, als man es hätte erwarten können. Nach hitzigen Debatten in der Stadtverordnetenversammlung sowie vereinzelten Nadelstichen, die gerade Sebastian Stüssel, der vermeintlich ärgste Konkurrent Silke Englers um das Bürgermeisteramt, in den vergangenen Wochen immer wieder gesetzt hatte, wirkte der Auftritt der vier Kandidaten in der Stadthalle zuweilen eher zahm. Keine flammenden Appelle, kaum Widerspruch. Höchstens ein höflicher Einwand hier oder eine konstruktive Ergänzung dort.

Das bedeutete aber nicht, dass die Kandidaten nichts zu sagen hatten. Ein deutliches Bekenntnis gab es von allen etwa zum Aquapark – wenn auch auf verschiedene Art und Weise. Rainer Oswald würde einen Abriss und Neubau zumindest nicht kategorisch ausschließen, Silke Engler will den Sportbetrieb weiter gewährleisten, und Sebastian Stüssel sieht die Sanierung auf der Zielgeraden und die Aufgabe der Stadt darin, die Attraktivität und Auslastung durch weitere Angebote zu steigern. Grünen-Kandidat Juri Stölzner hatte die Lacher auf seiner Seite, als er angesichts des Klimawandels auf Schwimmbäder als gute Orte verwies, um sich abzukühlen.

Engler setzte auf Sachlichkeit und Expertise, lehnte sich aber auch nie weit genug aus dem Fenster, um sich angreifbar zu machen. Es könne kein einheitliches Wohnkonzept für ganz Baunatal geben: „Wir wollen einen Mix – abgestimmt auf jeden Stadtteil.“ Straßenbeiträge? Soll es auch zukünftig nicht geben. Applaus. Flächendeckend gutes Internet? „Dafür braucht es einen bundesweiten, zentralen Kümmerer.“ Bildung? „Jedes Kind hat die gleichen Chancen verdient, egal wie viel die Eltern verdienen.“ Applaus.

Je länger der Abend dauerte, desto gesprächiger wurde Stüssel. Er will in die Qualität von Kitas investieren, mehr Stellen für Erzieher und kleinere Gruppen schaffen. Der Ausbau Baunatals als Sportstadt werde einige Millionen verschlingen – „so ehrlich muss man sein“ – und solle sich am Bedarf der Nutzer orientieren. Für bezahlbaren Wohnraum sieht er in der Stadt eine gute Perspektive, aber man müsse auch entsprechendes Geld im Haushalt haben.

Oswald, der von allen Kandidaten am meisten ins Detail ging, will es ermöglichen, im Alter Immobilien kaufen zu können, um der Gefahr der steigenden Mieten zu entgehen. Stölzner, der gut vorbereitet wirkte, will Altbauten aufstocken und den ÖPNV auf Elektro- oder Wasserstoffantrieb umstellen. „Ich möchte die Verkehrswende als Initiator für die Klimawende.“

Der Abend gab einen kleinen Einblick in die Kandidaten – als Menschen und Politiker. Mehr jedoch nicht.

Das wollten die Leser wissen

Beim Lesertreff am Mittwochabend in der Baunataler Stadthalle fühlten nicht nur die beiden HNA-Redakteurinnen Alia Shuhaiber und Amira El Ahl den Bürgermeisterkandidaten Silke Engler (SPD), Sebastian Stüssel (CDU), Juri Stölzner (Grüne) und Dr. Rainer Oswald (FDP) auf den Zahn. Auch unsere Leser konnten ihre Fragen an die Kandidaten stellen. 

Wollte ein Verkehrskonzept: Achim Gerland.

Achim Gerland wollte von allen vier Teilnehmern wissen, wie sie sich ein umfassendes Verkehrskonzept für alle Verkehrsteilnehmer – eingeschlossen Fußgänger und Radfahrer – vorstellen. Stölzner setzt in diesem Punkt auf „innovative Dinge“ wie einen Kombibus. Es müsse viel in Baunatal nachgebessert werden, sagte er, wie zum Beispiel Tempo-30-Zonen in Ortskernen. Stölzner möchte über neue Konzepte Entlastung für alle Verkehrsteilnehmer schaffen. Engler will auch in Zukunft den Verkehrsentwicklungsplan weiter aktualisieren und eine „ausgewogene Mischung für alle Verkehrsteilnehmer“ schaffen. Außerdem müssten viele Radwege nachgebessert werden. Oswald und Stüssel möchten vor allem über eine intelligente Taktung im öffentlichen Nahverkehr mehr für alle Verkehrsteilnehmer erreichen. Allerdings machte Oswald auch seine Zweifel deutlich, dass es je ein zufriedenstellendes Verkehrskonzept für alle in Baunatal geben wird. 

Kritisierte Silke Engler: Monika Woizeschk.

Monika Woizeschkes Kritik ging an Kandidatin Engler: Die Zuschauerin beanstandete, dass Engler sich als neues Dienstfahrzeug einen Benziner bestellt hätte – und kein Elektroauto, um ein Zeichen zu setzen. Engler erklärte, dass man die Wirtschaftlichkeit, mit der Reichweite und den Betriebskosten verglichen hätte. Am Ende hätte man der Wirtschaftlichkeit den Vorrang gegenüber der Umwelt gegeben und sich für einen Benziner entschieden. 

Fragte Kandidat Stüssel: Volker Lappöhn.

Volker Lappöhn übte Kritik an Stüssels Wahlkampf mit dem Namen Manfred Schaub. „Sie haben die Gesamtheit der Politik Schaubs stets abgelehnt“, sagte er. Im Wahlkampf lobe er nun die Menschlichkeit und Politik des verstorbenen Bürgermeisters, kritisierte Lappöhn. „Wir waren nicht immer einer Meinung, aber ich war nie gegen Manfred Schaub“, stellte Stüssel klar. Er machte deutlich, große Stücke auf Schaub gehalten zu haben, auch wenn es oft politische Differenzen gegeben hätte. 

Dass er große Stücke auf den verstorbenen Sozialdemokraten hielt, machte Stüssel auch in seinem 60-sekündigen Abschlussplädoyer deutlich, in dem er dreimal den Namen Schaub unterbrachte. 

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