100 Zeitarbeiterstellen abgebaut

Chinese übernimmt Chefposten bei Finoba in Baunatal 

GuidoBarde Ehemaliger Geschäftsführer von Finoba

Er hat aus der Baunataler Firma Finoba Automotive einen international agierenden Vorzeige-Mittelständler gemacht. Nach über zwanzig Jahren verlässt Gründer Guido Barde den Hertingshäuser Autozulieferer auf eigenen Wunsch.

Mit ihm geht seine langjährige Weggefährtin bei Finoba, Prokuristin Nicole Boguslawski. Das bestätigte Finoba-Sprecher Thorsten Briele auf Anfrage unserer Zeitung.

Barde (50) und Boguslawski (48) wollen demnach ihre volle Arbeitskraft in die Weiterentwicklung der neu ausgerichteten und erweiterten Antrok-Unternehmensgruppe stecken, als deren Tochter Finoba einst gegründet wurde. Barde und Boguslawski waren bereits parallel für Antrok in Baunatal tätig.

Guido Barde,  Ehemaliger Geschäftsführer von Finoba

„Es ist sehr viel Arbeit, zwei Unternehmen zu führen“, sagt Briele. „Deshalb haben sich Guido Barde und Nicole Boguslawski entschlossen, sich voll und ganz auf Antrok zu konzentrieren.“ Beide sollen Finoba aber in beratender Funktion erhalten bleiben. Barde, der aktuell auf einer Gießereimesse in Düsseldorf weilt, war für ein persönliches Statement nicht zu erreichen. Voraussichtlich ab Herbst wird Antrok in seinem sich gerade im Bau befindenden neuen Hauptsitz Am Fieseler Werk in Lohfelden Produktion und Verwaltung von fünf verschiedenen GmbHs mit derzeit rund 220 Mitarbeitern örtlich zusammenlegen.

Als kaufmännischer Geschäftsführer bei Finoba übernimmt zum 1. Juli der Chinese Nannan Liu (36). Er unterstützt in dieser Funktion den technischen Geschäftsführer Martin Köchy (55). Liu war bisher für Finobas Muttergesellschaft AE Industry mit Hauptsitz in Mannheim tätig – ihrerseits Tochtergesellschaft des chinesischen Staatskonzerns Sinomach, an den Finoba 2017 verkauft wurde.

Nicole Boguslawski,  Ehemalige Kaufmännische Leiterin von Finoba

Liu übernimmt Finoba in einer für das Unternehmen ungewohnten Situation. Seit Barde Finoba 1996 gründete, wuchs der Autozulieferer vor allem nach der Jahrtausendwende beständig und beschäftigte zwischenzeitlich über 650 Mitarbeiter. Nun musste in den vergangenen zwölf Monaten jedoch drastisch Personal abgebaut werden. 100 Zeitarbeiter in Baunatal und Kassel – ein dritter Standort ist im bayerischen Rottenburg – habe Finoba in diesem Zeitraum abmelden müssen, sagt Unternehmenssprecher Briele. Der Grund dafür sei eine gesunkene Nachfrage seitens der Kunden. Hierzu zählen unter anderem Audi, Mercedes-Benz und VW. Die Ursachen für die gesunkene Nachfrage seien vielfältig, sagt Briele. Hinein spielten Entwicklungen mit globaler Auswirkung wie die neuen Verbrauchswerte nach dem WLTP-Standard, der drohende Brexit sowie der Handelskonflikt zwischen den USA und China, sagt Briele. Die Abmeldung der Zeitarbeiter sei die logische Konsequenz aus dieser Entwicklung gewesen. Aktuell sei die Nachfrage jedoch stabil. Für das dritte Quartal sei man sogar vorsichtig optimistisch, wieder bessere Zahlen zu schreiben. Sollte sich diese Hoffnung bestätigen, könnte es auch wieder Kapazitäten für mehr Zeitarbeitskräfte geben, so der Unternehmenssprecher. Derzeit beschäftigt Finoba noch 575 Mitarbeiter, 65 davon in Zeitarbeit.

Keine Sorgen müssen sich aktuell die 510 Festangestellten bei Finoba machen. „Es gab keine betriebsbedingten Kündigungen“, sagt Briele. Ihre Arbeitsplätze seien auf Grundlage der aktuellen Zahlen nicht gefährdet. 

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