Weiter Kurzarbeit in Baunatal

Produktionsbänder stehen still: Chip-Mangel bremst VW-Werk Kassel aus

Steht wegen Kurzarbeit immer mal wieder still: Die Produktion im VW-Werk Kassel in Baunatal. Das
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Steht wegen Kurzarbeit immer mal wieder still: Die Produktion im VW-Werk Kassel in Baunatal.

Der Halbleiter-Mangel sorgt weiterhin für Engpässe in der Autoindustrie. Davon betroffen ist auch das VW-Werk Kassel in Baunatal.

Baunatal – Zwei Wochen arbeiten, zwei Wochen Freizeit. So sieht für viele der 17.000 Beschäftigten im Baunataler VW-Werk die seit Wochen anhaltende Kurzarbeit aus. Der weltweite Halbleitermangel in der Autoindustrie macht nicht nur dem VW-Stammwerk in Wolfsburg zu schaffen. Da standen die Produktionsbänder für Golf und Co. nach Medienberichten Ende September fast komplett still. Auch der zweitgrößte deutsche Konzern-Standort ist weiterhin massiv betroffen.

Nach Informationen der HNA sind viele Mitarbeiter im Werk Kassel in Kurzarbeit. Die Nachfrage der fahrzeugbauenden Werke nach Bauteilen aus Baunatal stockt. Das Kurzarbeitsmodell sieht demnach einen zweiwöchigen Wechsel von Arbeit und Freizeit vor. Betriebsratschef Carsten Bätzold dementiert die geschilderte Situation auf Anfrage nicht, er bestätigt sie allerdings auch nicht.

VW-Werk Kassel: Keine Einzelheiten zu Kurzarbeit

Bätzold sagt zumindest, dass Kurzarbeit mit längeren zusammenhängenden Schließtagen sinnvoll sei, weil die Maschinen bei kürzeren Unterbrechungen immer wieder runter- und dann neu hochgefahren werden müssten. Bätzold betont ausdrücklich, dass der Konzernbereich After Sales im Original-Teile-Center (OTC) in Baunatal mit rund 2500 Mitarbeitern nicht von Kurzarbeit betroffen sei. Das von Baunatal aus gesteuerte weltweite Ersatzteilgeschäft laufe ganz normal weiter.

Einzelheiten zu den von Kurzarbeit betroffenen Bereichen nennt auch das Werkmanagement auf Anfrage nicht. „Eine deutliche Verknappung von Halbleiterkapazitäten sorgt weltweit in vielen Branchen für Engpässe in der Produktion“, sagt Werksprecher Heiko Hillwig lediglich.

„Auch wir bei der Volkswagen Group Components in Kassel sind davon betroffen.“ Am Standort sei es trotz der angespannten Lage „nur phasenweise zu Produktionsanpassungen“ gekommen, so Hillwig.

VW-Werk in Baunatal könnte seine eigenen Teile produzieren

Für das Werk Kassel ist der Chip-Mangel eine zweischneidige Sache. Zum einen ordern die fahrzeugbauenden Werke deshalb keine Komponenten – wie etwa Getriebe, Elektromotoren, Abgasanlagen und auch Karosserieteile, weil sie ihre Autos ohne bestimmte elektronischen Bausteine eben nicht fertig bauen können. Das Werk in Baunatal könnte demgegenüber die eigenen Teile in Hülle und Fülle produzieren. Chips für die hiesige Fertigung gebe es genug, sagt Carsten Bätzold. Die Auftragsbücher hier seien voll, betont er. Die Kunden warteten dann aber auf die Autos.

Zwischenzeitlich habe es im Werk mal einen Engpass in der Getriebeproduktion gegeben, erläutert der Betriebsrat ein Beispiel für Chip-Mangel am eigenen Standort. Da wurde das Direktschaltgetriebe DQ 381 erstmal nur halb fertig gebaut. Das sei aber mittlerweile geregelt. „Für unsere Produkte haben wir keine Probleme.“ Dem Vernehmen nach könnten genauso ausreichend Elektromotoren für die neuen Modelle ID.3 und ID.4 ausgeliefert werden, aber auch da stockt die Produktion in den Fahrzeugfabriken.

VW-Werk Kassel: Fragen um Weiterbeschäftigung von Leiharbeitern

In dieser Zwickmühle zwischen vollen Auftragsbüchern in Baunatal und schwächelnder Nachfrage aus den Autowerken entstehen auch Fragen rund um die Weiterbeschäftigung von rund 650 Leiharbeitern. Das ist aus dem Werk zu hören.

500 Verträge von Zeitarbeitern liefen Ende November aus, 150 Ende Februar, bestätigt Bätzold und sagt dann nur: „Wir werden als Betriebsrat alles dafür tun, dass die Verträge verlängert werden.“ Der Betriebsrat gehe zum derzeitigen Zeitpunkt aufgrund der vollen Auftragsbücher davon aus, „dass die Mitarbeiter weiter gebraucht werden.“

Und wie geht es bei den Halbleitern weiter? „Bis Jahresende erwarten wir für die Halbleiterversorgung insgesamt eine Verbesserung“, sagt Werksprecher Hillwig. „Jedoch werden die Engpässe voraussichtlich bis ins Jahr 2022 hinein anhalten.“ (Sven Kühling)

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