Das sagt Volkswagen

Sie hoffen auf Arbeit: Leiharbeiter wollen bei VW wieder eingestellt werden

Hoffen auf eine Wiedereinstellung bei VW in Baunatal: Die ehemaligen Leiharbeiter Vitali Keer (von links), Resul Yildiz und Nafiz Böyükata.
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Hoffen auf eine Wiedereinstellung bei VW in Baunatal: Die ehemaligen Leiharbeiter Vitali Keer (von links), Resul Yildiz und Nafiz Böyükata.

Nach knapp 20 Monaten Anstellung bei der VW-Zeitarbeitsfirma Autovision war für 85 Leiharbeiter Schluss. Doch sie hoffen auf Wiedereinstellung.

Kassel/Baunatal - Werkleitung und Betriebsrat sahen damals keine Chance auf einen Anschlussvertrag. Doch mit steigender Auftragslage bei Volkswagen nach dem Lockdown im Frühjahr hoffen die ehemaligen Leiharbeiter jetzt auf eine Wiedereinstellung. Das betonen zumindest Vitali Keer, Resul Yildiz und Nafiz Böyükata im Gespräch mit der HNA. Sie äußerten sich stellvertretend für alle damals Entlassenen, sagen sie. Um ihrem Wunsch nach einer Zukunft bei VW Nachdruck zu verleihen, wollen sie in der kommenden Woche zudem eine Petition mit Unterschriften an den Betriebsrat in Baunatal übergeben. Es gehe ihnen mit ihrem Vorstoß nicht darum, ihren früheren Arbeitgeber schlecht darzustellen, unterstreichen die Betroffenen. „Wir können nur an das Gewissen appellieren“, sagt Yildiz. „Wir möchten wieder reinkommen und arbeiten.“ Mit allen Familienmitgliedern seien 200 bis 300 Menschen von den Jobs abhängig, rechnen die Betroffenen vor.

Positive Signale aus der Belegschaft

„Es war das erste Mal seit zehn Jahren, dass sie 100 Leute auf einmal entsorgt haben“, sagen Yildiz und Böyükata. Das Ende der Beschäftigung zum 31. Januar sei ihnen bei der Betriebsversammlung Anfang Dezember 2019 mitgeteilt worden. In den folgenden Monaten hätten sie aus der Belegschaft immer mal wieder positive Signale vernommen, dass sie möglicherweise wieder beschäftigt werden. „Mitte März hat das jeder von uns mitbekommen, dass wir wieder eingestellt werden“, betont der 36-jährige Yildiz.

Doch wegen der Corona-Pandemie seien die Gespräche mit dem Betriebsrat im Sand verlaufen. Jetzt hätten sie erfahren, dass in der Produktion 150 Mitarbeiter neu eingestellt worden seien. „Und noch weitere sollen kommen“, so Yildiz. Ihnen habe man aber gesagt, dass es „keinen Drehtüreffekt“ geben werde, also dass für sie gleich neue Leute kämen. „Warum lässt VW uns außen vor?“, fragen die Betroffenen.

Komplizierte rechtliche Situation

Betriebsratschef Carsten Bätzold spricht von einer komplizierten rechtlichen Situation aufgrund des Befristungsgesetzes. Die 85 Leiharbeiter seien ja bei der Autovision beschäftigt gewesen, und nicht direkt bei VW. Sie jetzt bei der Autovision wieder befristet einzustellen, sei rechtlich nicht möglich. Es könnte dort nur eine unbefristete Einstellung erfolgen. „Es finden weiter Gespräche statt“, sagt er und stellt klar: „Es gibt aber keinen Rechtsanspruch. “

Einen weiteren Punkt nennen die Betroffenen, der für sie das Ausscheiden bei VW in Baunatal Ende Januar unlogisch erscheinen lässt. Die aus dem VW-Werk Emden 2019 auf feste Stellen übernommenen 100 Beschäftigten und 46 Mitarbeiter aus dem Werk Braunschweig seien wegen steigender Nachfrage größtenteils in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Das bestätigt auch Carsten Bätzold. Passend dazu fragt Resul Yildiz: „Warum hat man uns nicht auch Emden oder Braunschweig angeboten?“ Carsten Bätzold sagt abschließend: „Wir als Betriebsrat sind bemüht, für die Menschen die beste Lösung zu erreichen.“ (Sven Kühling)

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