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Ehemaliger Regierungspräsident Ernst Wilke ist seit 50 Jahren in der FDP

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Von: Peter Dilling

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Jahrzehntelang Zugpferd der FDP: Ernst Wilke ist seit 50 Jahren Mitglied der Liberalen.
Jahrzehntelang Zugpferd der FDP: Ernst Wilke ist seit 50 Jahren Mitglied der Liberalen. © Peter Dilling

Ernst Wilke ist seit 50 Jahren Mitglied der Liberalen. Öfter suchten Parteifreunde noch heute seinen Rat, wenn es um Fragen der Landwirtschaft geht, sagt Ernst Wilke.

Baunatal – Vor sechs Jahren hat Wilke – mit 86 Jahren – noch einmal kurzzeitig die kommunalpolitische Bühne in der Baunataler Stadtverordnetenversammlung betreten, als die Baunataler Partei ihn rief – und ein Spitzenergebnis erzielte. Kein Wunder. Denn der gebürtige Korbacher, promovierter Agrarwissenschaftler, Verwaltungsexperte mit stetigem Aufstieg auf der Karriereleiter und frühere Kasseler Regierungspräsident, war da schon lange ein Aushängeschild und Zugpferd der FDP – weit über die Grenzen der Region hinaus. In Kürze zeichnet ihn seine Partei für 50-jährige Mitgliedschaft bei den Liberalen aus.

Das Alter hat dem jetzt 92-Jährigen, der mit seiner Frau seit 28 Jahren in einem schmucken Fachwerkhaus in Guntershausen lebt, nur körperlich zugesetzt. Geistig ist er hellwach, geradlinig, lateinische Sprüche aus dem Stegreif zitierend. Immer für eine unterhaltsame Anekdote über seine Erlebnisse in der großen Politik gut – und zuweilen scharfzüngig und pointierend wie eh und je. „Ich bilde mir noch meine eigene Meinung, sage sie aber nicht mehr“, erklärt der Pensionär, wenn er auf die Tagespolitik angesprochen wird. Früher war das anders. „Ich war nicht immer beliebt, wohl wegen meines losen Mundwerks“, sagt Wilke mit einem Schmunzeln. Und bestätigt das – mit sarkastischem Blick auf seine Zeit in der Baunataler Stadtverordnetenversammlung: „Die Knappheit des Ausdrucks setzt eine verschwenderische Fülle von Gedanken voraus.“ Will sagen: Wer viel redet, hat nicht unbedingt viel zu sagen.

Bei den Liberalen war Wilke wegen seines großen Fachwissens in Agrarfragen und seines Organisationstalents schnell ein gefragter Mann. Er habe alle FDP-Größen, vom früheren Landwirtschaftsminister Josef Ertl über den damaligen Kasseler Bundestagsabgeordneten Richard Wurbs bis hin zu dem früheren FDP-Bundestagsfraktionschef und Vertriebenen-Minister Wolfgang Mischnick und Außenminister Hans-Dietrich Genscher kennengelernt, berichtet Wilke. „Mischnick wollte mich unbedingt in den Bundestag haben, weil er dort einen Landwirt brauchte“, erinnert sich der Wahl-Baunataler. Er sagte damals ab, weil er keine Fremdsprachen konnte und das für die Bundestagsarbeit für wichtig hielt. Im Landesvorstand sei er mal mit dem Parteivorsitzenden Genscher aneinandergeraten. Dieser sei selbst gegenüber seinen Parteifreunden oft misstrauisch gewesen. „Politik ist ein hartes Geschäft“, meint Wilke. Das erfuhr er nicht nur als Leiter von FDP-Parteitagen, sondern auch als stellvertretender Bundesvorsitzender der Agrarkommission. Dort sei vieles an der CDU gescheitert.

Sein Verständnis von liberal formuliert Wilke in einem Satz: „Wer nach dem Staat ruft, kann nicht verhindern, dass er eines Tages in der Stube steht.“ Dennoch hat der Baunataler als Regierungspräsident einiges auf den Weg gebracht. Er habe sich beispielsweise für die Inklusion eingesetzt und den Kultursommer Nordhessen initiiert, ohne dirigistisch aufzutreten. „Der Staat sollte keine Kultur machen, aber die Kultur macht Staat“, sagt er dazu.

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