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„In der Gießereiwelt einmalig“: VW-Mitarbeiter entwickeln neues Elektro-Auto-Teil

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Von: Sven Kühling

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Das neue Großgussteil für E-Autos ist nur 26 Kilogramm schwer: Die verantwortlichen VW-Mitarbeiter zeigen es in der Strukturteilegießerei in Baunatal.
Das neue Großgussteil für E-Autos ist nur 26 Kilogramm schwer: Die verantwortlichen VW-Mitarbeiter zeigen es in der Strukturteilegießerei in Baunatal. © Sven Kühling

Mitarbeiter des VW-Werks in Baunatal (Kreis Kassel) entwickeln ein neues Heckteil für Elektro-Autos. Das Besondere: Es kann auf einen Schlag 30 Einzelteile ersetzen.

Kreis Kassel – Die Elektrofahrzeuge der neuen Generation von Volkswagen sollen vermutlich das erste Großgussteil in der VW-Geschichte ins Heck bekommen. Entwickelt wurde es maßgeblich in der Gießerei des VW-Werk Kassel in Baunatal.

In Sonderschichten zwischen den Jahren – als alle Maschinen in der Fabrik still standen – wurde das Verfahren getestet. Jüngst haben es die Baunataler beim Standortsymposium dem Vorstand präsentiert.

Vorstandschef Herbert Diess war von dem leichten Aluminium-Hinterwagen aus einem Stück offenbar so begeistert, dass er dieses am Donnerstag zur VW-Jahreshauptversammlung gesondert vorstellte. „In einem erfolgreichen Pilotprojekt in Kassel ersetzt ein Großgussteil rund 30 Einzelteile“, heißt es in der Pressemitteilung dazu. Auf der künftigen elektrischen Einheitsplattform SSP (Scalable Systems Platform) sollen ab 2026 über 40 Millionen Autos gebaut werden, so Diess. Für alle VW-Modelle soll es dann nur noch diese eine Plattform geben.

Baunatal (Kreis Kassel): VW-Mitarbeiter schieben Sonderschichten für neues Elektro-Auto-Teil

Für das erste Modell, den Trinity, baut der Konzern neben dem Stammwerk in Wolfsburg sogar eine komplett neue Fabrik. Hauptgrund: Auf Augenhöhe bleiben mit dem amerikanischen Konkurrenten Tesla, der ein vergleichbares Werk im brandenburgischen Grünheide kürzlich eröffnet hat.

Noch wird die Neuerung aus der Kasseler Gießerei laut VW-Chef Diess erst geprüft. Das bestätigt auch Baunatals Gießereileiter Mirco Wöllenstein. Die endgültige Entscheidung für den Großauftrag werde vermutlich bis zum Sommer 2023 fallen, sagt er.

Wöllenstein und Projektleiter Marc Adam loben insbesondere den Einsatz der Mitarbeiter zur Entwicklung des Verfahrens. „Wir haben das zwischen den Jahren abgegossen“, so Wöllenstein. „Das war eine super Mannschaftsleistung.“

Baunatal (Kreis Kassel): Mit neuem Elektro-Auto-Teil will VW an Tesla vorbeiziehen

Immer wieder fällt auch bei Wöllenstein der Name Tesla. Da wollen die Wolfsburger und Kasseler mit ihren Entwicklungen besser sein – etwa bei der Gewichtsreduktion und der Geschwindigkeit, ein Auto zusammenzubauen. „Wir sind auf dem Weg zum Zehn-Stunden-Auto“, sagen Diess und Wöllenstein. Auch Tesla gehe auf die Großgussteile, berichtet Wöllenstein.

Der amerikanische Konzern habe dafür Druckguss-Maschinen mit einer Kraft von 6200 Tonnen zur Verfügung. Sein eigenes Team habe aber ein Verfahren entwickelt, um das neue Teil auf kleineren Maschinen mit einer Druckkraft von nur 4400 Tonnen gießen zu können. Ziel sei es gewesen, gegenüber einer Stahlkonstruktion für den Hinterwagen zehn Kilogramm leichter zu werden, so der Gießereileiter.

Baunatal (Kreis Kassel): Neues Elektro-Auto-Teil von VW „in der Gießereiwelt einmalig“

Viele Aspekte werden bis zu einer Serienproduktion geprüft. Laut Wöllenstein geht es etwa um die „Reparaturfähigkeit“ der neuen Konstruktion. Bei einem Standardverfahren mit einer Aufprallgeschwindigkeit bei einem Unfall von 20 km/h werde das Bauteil nicht getroffen. Das Fazit des Gießereichefs zu dem neuen Produkt ist eindeutig: „Das ist in der Gießereiwelt einmalig.“ (Sven Kühling)

Erst kürzlich wurde bekannt, dass das VW-Werk in Baunatal (Kreis Kassel) zum Schlüssellieferant für E-Autos erweitert werden soll.

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