Jörg Fenstermann ist seit 100 Tagen Chef im Baunataler Werk

Er führt VW in die Zukunft

Seit gut 100 Tagen an der Spitze des Baunataler VW-Werkes: Jörg Fenstermann hat die geplante Erweiterung der E-Motoren-Fertigung in der Halle 1 im Blick.
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Seit gut 100 Tagen an der Spitze des Baunataler VW-Werkes: Jörg Fenstermann hat die geplante Erweiterung der E-Motoren-Fertigung in der Halle 1 im Blick.

Wer mit Jörg Fenstermann durch die E-Motoren-Fertigung läuft, der bekommt einen zügigen, aber dennoch eindrucksvollen Einblick in die neue Welt des VW-Konzerns. Zügig deshalb, weil Jörg Fenstermann an diesem Tag nicht viel Zeit hat. Eindrucksvoll, weil der Wandel vom Verbrenner hin zum Elektroauto hier besonders greifbar, ja spürbar ist.

Baunatal - Der Werkleiter ist überall gefragt und gefordert. Deshalb geht es von Termin zu Termin. Seit gut 100 Tagen ist der 54-jährige Edermünder an der Spitze des VW-Werk Kassel in Baunatal. Mit 17 000 Beschäftigten der zweitgrößte Konzernstandort in Deutschland.

Jörg Fenstermann legt an einer Station der Produktion kurz die Hand auf eine E-Maschine – den sogenannten „Base Plus“. „Wir machen hier 1500 am Tag für den ID.3 und den ID.4“, sagt er und hält einen Moment inne. Die Produktion brummt. Auch gleich daneben läuft alles auf Hochtouren. Da wird das Hybridgetriebe für Audi gebaut. Fenstermann macht auf die Entwicklung bei Mensch und Maschine aufmerksam. Hier wurde bis vor Kurzem das älteste VW-Handschaltgetriebe, das legendäre MQ 250, tausendfach am Tag gebaut, jetzt läuft der E-Motor „Base Plus“ vom Band. VW nennt diesen Wandel Transformation. „Wir befinden uns hier in der ältesten Halle überhaupt – in der Halle 1“, sagt er zur Historie am Standort.

Das Werk Kassel hat vom Konzern für die nächsten fünf Jahre ein Investitionsvolumen von 1,3 Milliarden Euro bekommen. Fenstermanns Vorgänger, Olaf Korzinovski, hatte kürzlich auf die Frage, wo man denn den Wandel in der Fabrik sehe, gesagt: „Sie sehen es überall.“ Jörg Fenstermann zeigt jetzt das Überall. Ab 2022 wird in der Halle 1 zusätzlich der „Base Minus“ gefertigt. Der verleiht dem ID.4 GTX einen Vierradantrieb. Die Fläche für die Motoren-Produktion ist schon gut mit Maschinen bestückt. Der GTX habe mit „Base Plus“ und „Base Minus“ zusammen 299 PS.

Auch darüber hinaus wird in der Halle schon geplant. Eine große Fläche ist bereits freigeräumt. Da soll ab 2023 die Weiterentwicklung des Hauptantriebes, der so genannte „Performance“, produziert werden. Und dann lobt Fenstermann seine Mannschaft in Baunatal. „Dank der starken Teamleistung sind wir mit unseren Produkten im Markt gut aufgestellt“ Und: „Bei den kommenden Antrieben werden wir die Variantenvielfalt reduzieren, die Stückzahlen erhöhen und durch Standardisierung die Kosten weiter senken.“

Fenstermann spricht auch vom organisatorischen Wandel nach seiner Rückkehr aus dem chinesischen Tianjin nach Nordhessen. Alte Geschäftsfelder seien aufgelöst worden, mittlerweile gebe es Bereiche wie „Laden und Infrastruktur“ sowie „E-Antrieb und Plattformen“. Das Werk Kassel werde mittlerweile als Kompetenzzentrum E-Antriebe bezeichnet. Der alte Begriff „Leitwerk E-Mobilität“ laufe langsam aus, sagt er und hebt ausdrücklich hervor: „Wir haben eine eigene Entwicklungsabteilung hier.“

Genau daraus könnten sich für die Baunataler weitere Produkte und weitere Aufträge ergeben. Jörg Fenstermann bringt es auf den Punkt: „Damit haben wir ein großes Pfund, was die künftige Beschäftigung angeht.“ Nach diesem wichtigen Satz wird der sonst so ruhige Werkleiter einen Moment hektisch. „Ich habe jetzt noch eine Minute“, sagt er. Dreht sich um und geht. (Sven Kühling)

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