Ersatzteile einfach selbst drucken

Zukunftstechnologie im Baunataler VW-Werk auf dem Vormarsch

Deutlich kostengünstiger: Natalie Czyganowsky (vorn) zeigt das selbst gedruckte Ersatzteil (schwarz) für einen Roboter im Abgasanlagenbau, mit dabei sind Mike Haftendorn vom Werkzeugbau (hinten von links), Azubi Till Schönewolf und Ingenieur Jörg Clobes. Das Original würde 345 Euro kosten, das gedruckte Teil kostet VW 2 Euro.
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Deutlich kostengünstiger: Natalie Czyganowsky (vorn) zeigt das selbst gedruckte Ersatzteil (schwarz) für einen Roboter im Abgasanlagenbau, mit dabei sind Mike Haftendorn vom Werkzeugbau (hinten von links), Azubi Till Schönewolf und Ingenieur Jörg Clobes. Das Original würde 345 Euro kosten, das gedruckte Teil kostet VW 2 Euro.

Im VW-Werk Kassel in Baunatal werden Ersatzteile für Roboter selbst hergestellt. Möglich macht das die Zukunftstechnologie 3D-Druck. Insgesamt gibt es im Werk 14 3D-Drucker, die die Ersatzteile herstellen.

Kassel/Baunatal – 4000 Abgasanlagen verlassen das VW-Werk Kassel in Baunatal täglich. Manchmal kommt es vor, dass einer der Roboter, der die Anlagen in der Halle 2 zusammensetzt, kaputtgeht und selbst ein Ersatzteil braucht. Das bestellen die Mitarbeiter des Werkzeugbaus dann nicht einfach beim Hersteller oder einem Zulieferer, sie bauen sich das neue Teil für die defekte Maschine kurzerhand selbst. Und zwar in Windeseile – noch am selben Tag. Möglich macht das die Zukunftstechnologie 3D-Druck. Eine Kunststoffscheibe etwa entsteht eins zu eins zum Original Schicht für Schicht im 3D-Drucker.

„Heute Morgen haben wir den Anruf gekriegt“, sagt Jörg Clobes, der als Ingenieur im Werkzeugbau für den 3D-Druck zuständig ist. Noch am Nachmittag liefert die Abteilung das gewünschte Ersatzteil an die Leute im Abgasanlagenbau aus. Millimeter für Millimeter hat es einer der insgesamt 14 3D-Drucker in der Abteilung aufgebaut. Jetzt ist es genauso wie das Originalteil des Robi-Herstellers.

„Das hilft dem Unternehmen, Geld zu sparen“, sagt Clobes. Würde das Originalersatzteil für den Roboter 345 Euro kosten, koste Volkswagen das selbst gedruckte Teil lediglich 2 Euro, erläutert der Ingenieur.

Alle 3D-Drucker seien voll ausgelastet, so Clobes. „14 von 14 Druckern sind im Einsatz. Wir könnten noch mal soviele Drucker gebrauchen.“ In der Industrie ist das Druckverfahren auf dem Vormarsch. Während der Konzern sogar schon größere Metallteile im Drucker fertige, habe sich Baunatal auf Teile aus Kunststoff spezialisiert, sagt Clobes.

Einen hohen Anteil an dem Aufbau einer Druck-Abteilung in Baunatal hat Michael Dudek. Der Techniker habe seine Erfahrungen aus dem privaten Bereich umfangreich und mit großem Engagement ins Werk gebracht, sagt Jörg Clobes.

„Ich habe vor über zehn Jahren zu Hause damit angefangen“, erläutert Dudek. Mit seinem Kollegen Mike Haftendorn hat er alle 3D-Drucker im Baunataler Werk konstruiert und installiert. Dudek, der mit Augenzwinkern als „3D-Druck-Papst“ im Werk gilt, bekommt von Clobes ein großes Lob für sein Engagement. „Er hat das hier an den Standort gebracht.“

Immer mehr namhafte Industrieunternehmen und sogar Nobelmarken setzen auf das dreidimensionale Druckverfahren. Chanel druckt etwa eine Mascara-Bürste für seine Kunden, und Adidas fertigt so Sohlen für Sportschuhe.

Der Autohersteller Bugatti, der seit 1998 zum Volkswagenkonzern gehört, plane Bremssättel für seine Sportwagen in 3D zu drucken, berichtet Clobes. „Das Verfahren wurde häufig als Spielzeugtechnologie verstanden, das ist es aber nicht mehr“, sagt der Ingenieur.

Besonders stolz ist Michael Dudek auf ein kleines Teil, das den VW-Elektrorenner ID.R in Rekordzeit auf den legendären Pikes Peak beförderte. „Ich habe eine Batterieabdeckung für das Auto hier gedruckt.“ (Von Sven Kühling)

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