CDU und Grüne geraten aneinander – Stellen werden entfristet

Erziehermangel in Baunatal sorgt für Streit

Eine Erzieherin liest mit Zwillingen ein Buch: Weil in Baunatal Kita-Plätze fehlen, werden nun die Arbeitsverträge von 40 Erziehern entfristet.
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Eine Erzieherin liest mit Zwillingen ein Buch: Weil in Baunatal Kita-Plätze fehlen, werden nun die Arbeitsverträge von 40 Erziehern entfristet.

40 Erzieher und Erzieherinnen in den Baunataler Kitas können sich freuen: Ihre bisher befristeten Verträge bei der Stadt Baunatal sollen demnächst in unbefristete umgewandelt werden. Das beschloss das Baunataler Stadtparlament in seiner jüngsten Sitzung einstimmig. Um den entsprechenden Antrag von SPD und CDU, dem sich die Grünen im Lauf der Debatte ebenfalls anschlossen, gab es allerdings zunächst heftige Diskussionen.

Baunatal - Hintergrund des Vorstoßes der Fraktionen im Baunataler Stadtparlament ist eine erhöhte Nachfrage nach Betreuungsplätzen – weil immer mehr Familien mit Kindern im Kita-Alter in der VW-Stadt leben. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagte beispielsweise SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Strube.

Damaris Müller (Grüne) schilderte die Lage dramatischer. Bis Frühjahr 2022 fehlten der Stadt 40 Fachkräfte, „um den vorgeschriebenen Betreuungsschlüssel erfüllen zu können“, sagte sie. An der neu geschaffenen Käthe-Kollwitz-Kita im Leiselfeld, könnten schon jetzt aufgrund des Erziehermangels keine Kinder aufgenommen werden. „Die Eltern müssen das privat organisiern.“

Aufgrund von Platzmangel in den bestehenden Einrichtungen hatte die Stadt die bestehende Kita an der Rembrandtstraße in Altenbauna bereits durch Container ergänzt und mit dem Namen „Käthe-Kollwitz-Kita“ versehen (HNA berichtete).

Andreas Mock von der CDU wertete die Aussagen Müllers als Rundumschlag gegen das Baunataler Kita-System. Fraktionskollege Sebastian Stüssel warf Müller vor, sie erwecke den Eindruck, dass in Baunatal bei den Kitas Flickschusterei betrieben werde. „Aber das ist nicht der Fall.“

Grünen-Fraktionschef Edmund Borschel verteidigte die Äußerungen Müllers. Er sah in Stüssels und Mocks Angriffen gegen Müller offenbar eine Reaktion auf Stüssels Abschneiden bei der Bürgermeisterwahl. „Laden Sie nicht den Frust bei meiner Kollegin ab“, sagte Borschel in Richtung der Christdemokraten, „laden sie ihn bei mir ab“. Mock bescheinigte dem Grünen-Politiker dann „oberlehrerhaftes Verhalten“.

Erster Stadtrat Daniel Jung (SPD) ergänzte aus Sicht des Rathauses, dass in Baunatal sehr viel für die Kindergärten getan werde, was letztendlich auch die Attraktivität der Einrichtungen für Arbeitnehmer steigere. Und Christian Strube ergänzte: „Die Nachfrage ist doch bei uns so hoch, weil wir eine gute Betreuung in unseren Kitas haben.“ Reiner Oswald von der FDP regte an, für eine Entspannung der Situation künftig auch private Träger in Baunatal mit in die Betreuung zu holen.

Letztendlich stimmten alle Fraktionen für die Entfristung der Stellen. Dieser Schritt kostet die Stadt übrigens kein zusätzliches Geld. Die Stellen seien ja schon als volle Stellen im Stellenplan des Haushalts vorhanden,“, erläutert Stadtsprecherin Susanne Bräutigam auf Anfrage. (Sven Kühling)

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