VW-Aufsichtsratsmitglied Ulrike Jakob äußert sich zu Milliarden-Invest für das VW-Werk Kassel in Baunatal

„Es fehlt Geld für Ladesäulen“

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Blick in den Innenraum: Die Ch ance, das neue Interieur des ID kennenzulernen, nutzten einige Teilnehmer der Betriebsversammlung. Rahmenteile und der Mitteltunnel für das E-Auto werden unter anderem hier am Standort gefertigt.

Kassel/Baunatal – Der Volkswagenkonzern investiert in den nächsten fünf Jahren rund 1,5 Milliarden Euro in das VW-Werk Kassel in Baunatal. Das wurde am Rand der jüngsten Betriebsversammlung verkündet.

Ulrike JakobMitglied des VW-Aufsichtsrats

Beschlossen worden war der Investitionsplan bis 2024 wenige Tage zuvor vom Aufsichtsrat in Wolfsburg. Bei der Planungsrunde dabei war Baunatals stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ulrike Jakob, die seit April 2017 Mitglied des Aufsichtsrates ist. Jakob sieht neben vielen positiven Effekten für die nordhessische Fabrik allerdings Defizite beim Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos.

Insgesamt flössen 20 Milliarden Euro in die deutschen VW-Werke, berichtet die Edermünderin von den Beschlüssen. 60 Milliarden investiere Volkswagen bis 2024 weltweit in die Fabriken.

Die Ausgaben im Werk Kassel finden nach Angaben Jakobs sowie von Betriebsratsvorsitzenden Carsten Bätzold in erster Linie im Getriebebau statt, zu dem auch die Fertigung des Modularen Elektrobaukastens (MEB) zählt. Auf dieser Plattform entsteht schließlich in Zwickau der ID.3, das erste rein als Elektroauto konzipierte Modell von Volkswagen. Zum MEB gehören ein E-Motor, ein Einganggetriebe sowie verschiedene Karosserieteile (HNA berichtete).

Auch bei den klassischen Direktschaltgetrieben – etwa beim DQ 381 – soll es in Baunatal eine Erhöhung der Kapazität geben, sodass bald 5000 dieser Einheiten pro Tag die Produktion verlassen. Und im Presswerk sollen schon bald Karosserieteile für weitere Elektrofahrzeuge gefertigt werden – etwa für den Kleinwagen Entry und das viertürige Elektro-Coupé Aero.

Für das Werk Kassel seien mit der aktuellen Planungsrunde bis 2024 rund 1,5 Milliarden Euro vorgesehen, bestätigt auch Werkleiter Olaf Korzinovski auf Anfrage. Im Fokus stehe die zweite Stufe des elektrischen Antriebs, der Ausbau des Hybridgetriebes DQ400e sowie Kapazitätserweiterung für CO2 optimierte Doppelkupplungsgetriebe. Auch die Fertigung von Teilen aus der Warmumformung und Abgasanlagen werde weiter ausgebaut, sagt er.

Die Produktion für den ID.3 sei wichtig für die Beschäftigungssicherung am Standort, betont Ulrike Jakob. Kritisch sieht das Aufsichtsratsmitglied allerdings die Entwicklung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland. Die jetzt vom Aufsichtsrat freigegebene Investitionssumme decke nicht ab, dass zur Markteinführung des ID.3 „ausreichend Ladesäulen“ zur Verfügung stehen. „Dazu reicht das Geld nicht“, sagt Jakob. Sie sieht deshalb das Unternehmen VW genauso wie die Politik in der Pflicht, dafür Sorge zu tragen, „dass Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird“. Gleichzeitig gehe es um den Ausbau der Stromnetze sowie das die Stromgewinnung aus regenerativer Energie.

Es passiere zwar viel auf dem Gebiet, aber die Aktivitäten liefen nicht synchron mit der Entwicklung der Autos. Jakob forderte deshalb, grundsätzlich mehr Geld für Ladeinfrastruktur auszugeben. „Wir brauchen Invest auch dafür“, betont sie. Nur so könnten die Kunden Vertrauen in die E-Mobilität bekommen.

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