Freude über etwas Normalität

Corona-Modellregion: Innenstadt in Baunatal ist geöffnet

Schaute sich nach Schuhen um: Franz Kleinschuster bei Hansmann Sports. Im Hintergrund Ludwig Hansmann.
+
Schaute sich nach Schuhen um: Franz Kleinschuster bei Hansmann Sports.

In Baunatal hat am Montag das Modellprojekt begonnen: Die Außengastronomie und die Geschäfte im Innenstadtbereich durften öffnen, ab Donnerstag kommt das Kino hinzu. Wie lief der erste Tag?

Baunatal – Bereits am Vormittag fällt auf: Die Baunataler Innenstadt ist belebter als in der vergangenen Woche, aber dennoch ist der Trubel überschaubar. Die ersten Passanten machen einen Schaufensterbummel, werfen hier und da einen verhaltenen Blick durch die geöffnete Ladentür.

Dieses Verhalten spiegelt die Gesamtsituation am ersten Tag des Modellversuchs in Baunatal wider. Die wenigen Kunden, die durch die City streifen, wirken noch vorsichtig, auch wenn einige sich offensichtlich bereits haben testen lassen und das am Montag neongrüne Eintrittsbändchen am Arm tragen. Richtig voll ist es tatsächlich noch nirgendwo – die größte Schlage, die am Montag zu sehen ist, bildet sich vor der Sparkasse.

Überall stellen Kunden Fragen und das Personal in den Läden antwortet. Ihre Sicht auf die Dinge schildert Bürgermeisterin Silke Engler derweil einem Fernsehteam vor dem Rathaus. Das Interesse an Baunatal und dem Modell zu mehr Freiheit während der Corona-Pandemie scheint jedenfalls groß zu sein. Stadtsprecherin Susanne Bräutigam berichtet, dass es am Wochenende bereits viele Anfragen per Mail und über soziale Netzwerke gab.

Sowohl die Polizei als auch das Ordnungsamt sind unterwegs – sie prüfen, ob diejenigen, die sich auf den Stühlen im Freien niedergelassen haben auch das Tagesbändchen um den Arm tragen, das zum Shoppen und zur Nutzung der Außengastronomie berechtigt. Eine Frau möchte den Bekleidungsladen Ernstings Family betreten, doch der Verkäuferin fällt sofort auf, dass sie kein Bändchen um den Arm trägt. „Sie müssen sich erst testen lassen“, erklärt sie der Kundin.

Richtig glücklich ist Franz Kleinschuster aus Altenbauna. Der 81-Jährige sitzt zwischen allerhand Schuhkartons im Sportgeschäft Hansmann in der Fußgängerzone. „Ich brauche gleich zwei Paar Schuhe – Wanderschuhe und Sportschuhe“, sagt Kleinschuster. Auch eine Jeans wolle er sich unbedingt noch kaufen. Horst Herbst aus Großenritte sitzt derweil – trotz vier Grad Außentemperatur – vor der Bäckerei Döhne bei einem Kaffee und einem Croissant.

„Ich bin Stammgast“, erzählt der Senior, der bereits zwei Mal geimpft ist. Deshalb habe er sich auch nicht testen lassen müssen, sondern konnte sich mit dem Impfnachweis direkt beim Baunataler Stadtmarketing ein Tagesbändchen holen. Leider sei dort am Morgen, als er da war, noch geschlossen gewesen, aber es sei dann jemand gekommen und habe aufgemacht. Herbst freut sich, dass er sein Stammcafé jetzt wieder besuchen kann.

Genoss einen Kaffee und ein Croissant im Freien: Horst Herbst aus Baunatal.

Auch am Eiscafé Cellino ist kurz vor der Mittagszeit schon etwas Betrieb: Eine Frau trinkt Cappuccino, ein Paar hat sich eine Waffel mit Eis bestellt. Aufgrund der Temperaturen und des wechselhaften Wetters nehmen allerdings nicht sehr viele Menschen das Angebot wahr.

Sport-Treff-Kundin Petra Halfar aus Großenritte sieht den Sinn und Zweck des Modellprojektes darin, dass sich dadurch viele Menschen testen lassen – sie mache das regelmäßig. „Das ist für uns gut, und für die anderen.“ Dann tauscht sie bei Martina Gertenbach im Sport-Treff zu groß gekaufte T-Shirts um. Ihr Fazit zum Modellprojekt: „Ich finde es gut.“

Wichtig: Wer nicht aus Baunatal kommt, aber dort Einkäufe etwa im Supermarkt, in der Apotheke oder beim Optiker erledigen möchte, kann das weiterhin tun. Die Angebote, die es vor dem Modellprojekt in Baunatal gab, sind auch weiterhin für alle zugänglich. Geschlossen bleiben nach wie vor touristische Übernachtungsmöglichkeiten, Geschäfte und Gastronomiebetriebe außerhalb des gekennzeichneten Innenstadtbereichs, Fitnessstudios und Spielhallen.

Unter baunatal.de gibt es alle Informationen zu dem Modellprojekt sowie Antworten auf die meist gestellten Fragen.

An vier Standorten in Baunatal wird getestet

Für alle Baunataler gibt es im Innenstadtbereich drei Testzentren: Im Rathaus kann man sich von der Johanniter-Unfallhilfe kostenlos testen lassen – das Angebot ist nach wie vor für alle offen, also auch für Nicht-Baunataler. Sie erhalten jedoch kein Tagesticket für den Modellversuch. Eine weitere Teststation befindet sich im Herkules-Center, dort wird ein Termin benötigt. Auch an der Rathaus-Apotheke kann man sich testen lassen, ebenso im Ratio-Land. Auch Kinder, die Zutritt haben wollen, müssen sich testen lassen.

Wer sich als Baunataler in einem Testzentrum außerhalb der Stadt testen lässt, kann ebenfalls ein Tagesticket erhalten, und zwar im Stadtmarketing an der Friedrich-Ebert-Allee. Dort bekommen auch Menschen, die bereits vor mehr als 15 Tagen die zweite Corona-Impfung erhalten haben, ein Tagesbändchen ums Handgelenk, das als Eintrittskarte gilt. Die tägliche Testkapazität sowie die Zahl der Tagestickets sind begrenzt.

Alexandra Lorenz von der Rathaus-Apotheke, berichtet, dass in den ersten Stunden am Montagmorgen bereits 15 Menschen da waren, um ein Tagesticket zu erhalten. Weiterhin dürfen sich auch alle Menschen aus anderen Orten dort testen lassen beziehungsweise ihre Medikamente kaufen.

Lorenz ist auch verantwortlich für den Testbetrieb im Hotel Scirocco – dort werden ausschließlich die Mitarbeiter der Geschäfte, der Gastronomie und des Kinos getestet. Offen hat dieses Testzentrum täglich von 8 bis 11 Uhr und von 15 bis 17 Uhr. Vorab habe sie eine Liste von den Betrieben erhalten, wie viele Mitarbeiter täglich jeweils zum Test kommen werden.

Egal ob im Mitarbeiter-Testzentrum, in den Geschäften oder in den Gastronomiebereichen: Genutzt wird die Luca-App zum Ein- und Ausloggen, Menschen ohne Smartphone müssen einen Zettel ausfüllen. „Es hat super funktioniert“, sagte die Apothekerin gestern, obwohl es für einige der erste Coronatest war. Die Räume im Hotel seien dank der Möglichkeit eines Einbahnstraßensystems sehr gut geeignet.

Auch Mitarbeiterin Bettina Jakob ist von dem guten Besuch in den ersten Stunden überrascht: „Wir hatten richtig gut zu tun.“ Sie geht davon aus, dass die Mitarbeiter der Gastronomie erst am Nachmittag zum Testen kommen werden. Nach 50 Corona-Tests schon bis 11 Uhr freut sie sich auf ihre Pause am Mittag. Insgesamt laufe alles flüssig. „Wir sind gut vorbereitet.“

Öffnungszeiten der Teststationen in der Baunataler Innenstadt

Im Rathaus montags, mittwochs, freitags von 7 bis 15 Uhr, dienstags und donnerstags von 11 bis 19 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 16 Uhr. Rathaus-Apotheke montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 14 Uhr, Herkules-Center nur mit Termin, Stadtmarketing montags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. (Sven Kühling und Lara Thiele)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.