Fit trotz verengter Blutbahnen

Gefäßsport des KSV Baunatal hilft Patienten bei Schaufensterkrankheit

Gefäßsportgruppe des KSV Baunatal: Trainerin Sabine Stiehl (rechts) hält den Kurs coronabedingt draußen ab. Am Mittwoch waren Karl-Hermann Herbst (von links), Jürgen Kocinski, Karl-Werner Jäger, Dieter Mai, Jürgen Jordan und Anton Spoida mit dabei.
+
Gefäßsportgruppe des KSV Baunatal: Trainerin Sabine Stiehl (rechts) hält den Kurs coronabedingt draußen ab. Am Mittwoch waren Karl-Hermann Herbst (von links), Jürgen Kocinski, Karl-Werner Jäger, Dieter Mai, Jürgen Jordan und Anton Spoida mit dabei.

Viel Bewegung ist wichtig, um gesund zu bleiben. Für Menschen mit der sogenannten Schaufensterkrankheit allerdings ist es sogar essenziell, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

Baunatal – In der Fachsprache heißt sie „periphere arterielle Verschlusskrankheit“ (PAVK) – eine Verengung der Gefäße in den Beinen und Füßen. Weil die Erkrankten aufgrund ihrer Schmerzen oft immer wieder stehen bleiben müssen, wird sie auch Schaufensterkrankheit genannt. Um ihr entgegenzuwirken, gibt es beim KSV Baunatal seit etwa einem Jahr eine Gefäßsportgruppe.

Sie gehört zur Reha-Sportabteilung des Vereins und bietet Menschen mit PAVK die Möglichkeit, ihre Durchblutungsstörung mit Bewegung zu behandeln, erklärt Sabine Stiehl. Sie ist Gefäßsporttrainerin. Die Baunataler Gruppe ist die einzige in Nordhessen, berichtet sie – das nächste Angebot gebe es in Göttingen. Das Training ist laut Stiehl an den Herzsport angelehnt – eine solche Gruppe gibt es beim KSV ebenfalls – aber unterscheidet sich in einigen Teilen. Beim Herzsport beispielsweise liefen die Teilnehmer rund 15 Minuten im strammen Tempo – das schafften PAVK-Patienten jedoch meist nicht.

„Ziel ist es, die Gehstrecke zu verlängern“, erklärt die Gefäßsporttrainerin. PAVK müsse man sich vorstellen wie einen Schlauch, in dem ein Knoten ist – im schlimmsten Fall führe die Krankheit zur Amputation. Deshalb sei der Gefäßsport ein wichtiges Element bei der Behandlung, auch wenn es Krankheiten nicht heilen kann.

„Er wird nur als Unterstützung zu den Medikamenten empfohlen“, sagt die Niedensteinerin. „Wenn es gut läuft, bilden sich kleine Umleitungen.“ Das sei allerdings nicht allein durch eine Stunde Training pro Woche zu erreichen. Deshalb wählt Stiehl Übungen aus und erklärt sie so, dass die Teilnehmer der Gefäßsportgruppe – aktuell sind es sieben Männer – sie allein zu Hause nachmachen können.

„Es hat sich schon viel getan“, sagt Jürgen Kocinski, einer der Teilnehmer der Gefäßsportgruppe. Die Übungen seien sehr hilfreich – sein Arzt empfehle ihm immer wieder viel Bewegung. Wie Kocinski geht es allen Teilnehmern. Karl-Hermann Herbst berichtet, dass er ein Laufband zu Hause hat – darauf falle ihm das Gehen leichter, weil er sich abstützen könne.

Die Gefäßsportgruppe musste im November 2020 ihr Training coronabedingt einstellen. Seit Anfang April wird wieder draußen trainiert. Stiehl berichtet, dass die Gruppe über Whatsapp Kontakt gehalten und sie den Teilnehmern auch immer wieder Übungen und Anregungen zugeschickt hat. Trotzdem habe den meisten nicht nur das Training, sondern auch der Austausch mit Menschen, denen es ähnlich geht, sehr gefehlt.

„Während Corona darf nur Sport stattfinden, der ärztlich verordnet ist“, sagt Nicole Krug vom Leitungsteam der Reha-Sportabteilung beim KSV. Das sei beim Gefäßsport der Fall. Für alle anderen gebe es ein großes Online-Angebot, das auch sehr gut angenommen werde.

Stiehl hat eine Trainerlizenz für Reha-Sport mit dem Schwerpunkt innere Medizin – dazu gehört der Gefäßsport, ebenso wie der Herz- und Lungensport. Hauptberuflich arbeitet die Niedensteinerin beim Sportkreis Region Kassel. Derzeit leitet sie ausschließlich die KSV-Gefäßsportgruppe.

Das ist die Schaufensterkrankheit

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) ist ein durch Gefäßverkalkungen bedingter Durchblutungsmangel in den Beinen. Selten kommt es auch in den Armen vor. Wegen der Schmerzen beim Gehen müssen die Erkrankten häufig stehen bleiben, weshalb sie auch als Schaufensterkrankheit bezeichnet wird. Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen können Gründe für eine Erkrankung sein. PAVK geht häufig auf eine Verkalkung der Gefäßwände zurück. Betroffen sind insbesondere die Arterien des Beckens und der Beine. 

Krankenkasse übernimmt Kosten für 50 Sporteinheiten 

Der Reha-Sportbereich des KSV Baunatal hat 80 Gruppen und rund 1400 Teilnehmer. Am größten ist laut Nicole Krug vom Leitungsteam der Orthopädiebereich. Der Gefäßsport gehört zum Bereich innere Medizin und findet immer mittwochs ab 9.30 Uhr im Kursraum 4 an der Lübecker Straße 26 in Baunatal-Großenritte statt, außerdem gibt es Angebote für Menschen mit neurologischen Erkrankungen sowie Sport in der Krebsnachsorge.

Wer das Reha-Sportangebot nutzen möchte, sollte sich eine Verordnung vom Arzt ausstellen lassen und diese bei der Krankenkasse einreichen. Im Anschluss wird ein Termin beim KSV Baunatal vereinbart. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für bis zu 50 Einheiten über 18 Monate. (Lara Thiele)

Kontakt: Tel. 0561/5705990, E-Mail: reha-sport@ksv-baunatal.de, reha-sport.ksv-baunatal.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.