Seit 1977 im Ort 

Gegen das Praxissterben: Großenritter Ärzte entscheiden sich gegen Umzug und bauen aus 

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In den neuen Räumlichkeiten: Von links Dr. Michael Seitz, Dr. Christine Tegtmeyer und Markus Tuchen in ihrer Gemeinschaftspraxis in Großenritte.

Baunatal. Auf dem Land ist es längst kein seltenes Bild mehr: Ärzte gehen in den Ruhestand und finden keinen Nachfolger. In Großenritte wollen Ärzte dem Trend entgegnen - und entschieden sich bewusst gegen einen Umzug in die Stadt.

In den vergangenen Jahren ist eine eindeutige Tendenz zu erkennen – auf dem Land fehlen vermehrt Haus- und Fachärzte. Das sieht auch Dr. Christine Tegtmeyer, Allgemeinmedizinerin aus Großenritte so. „Der Arztberuf hat an Attraktivität verloren, es kommen immer weniger neue nach.“ Die Entwicklung sei alarmierend. Tegtmeyer ist seit mehr als 15 Jahren praktizierende Allgemeinmedizinerin in Großenritte, seit vielen Jahren zusammen mit Dr. Michael Seitz in einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis. Im vergangenen Jahr kam Markus Tuchen als dritter im Bunde dazu, der zuvor im Roten Kreuz Krankenhaus in Kassel praktizierte.

Der Grund schon im Herbst 2017: Mit Tuchen als weiteren Kollegen noch mehr Patienten versorgen zu können – und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Patienten kürzer warten müssen. Denn neben vielen, die schon seit Jahren bei Krankheitsfällen in die Großenritter Arztpraxis kommen, nimmt auch der Zulauf von außerhalb zu. Immer häufiger behandeln die Allgemeinmediziner auch Menschen aus Baunatal, Schauenburg und Zierenberg in ihrer Praxis.

Mehr Platz, um Patienten in Zukunft die Versorgung zu garantieren

Nun gehen die Baunataler Mediziner einen Schritt weiter. Der alte Bau, in dem sich bereits seit 1977 Ärzte um die Gesundheit der Großenritter kümmern, wurde jetzt ausgebaut und die Fläche von zuvor 140 Quadratmetern um weitere 110 erweitert – also beinahe verdoppelt.

Vier neue Beratungszimmer kommen hinzu, außerdem ist Platz für ein separates Zimmer für die Psychotherapie. „Wir brauchen den Platz, um den Patienten auch in Zukunft eine gute Versorgung garantieren zu können“, sagt Tegtmeyer. Und um selbst einem möglichen Patientenstopp vorzubeugen. „Denn es werden noch viel mehr Ärzte in Ruhestand gehen“, ergänzt sie.

Das Ärztegespann hat sich dabei bewusst gegen einen Umzug entschieden, beispielsweise ins Ärztezentrum nach Baunatal. Auch das sei eine Möglichkeit gewesen. „Hätten wir hier keine Räumlichkeiten zum Ausbau gefunden, hätten wir gar keine andere Wahl gehabt“, schildert Tegtmeyer.

Doch der Vermieter zeigte sich kooperativ, sodass sie bei den Menschen vor Ort bleiben können, inmitten des Großenritter Wohngebiets. „Wir haben Patienten, die bereits seit der Eröffnung 1977 hierher kommen“, schildert Tegtmeyer. Diesen wolle man auch in der Zukunft als Ansprechpartner „um die Ecke“ dienen und selbst für Kontinuität im ländlichen Bereich stehen. Kontinuität, die verkörpern auch die sechs angestellten medizinischen Hilfskräfte, alle verwurzelt in Baunatal und Großenritte. Eine, die ganz besonders dafür steht, ist Gudrun Panov. Sie arbeitet seit 1977 in den Großenritter Räumlichkeiten – und kann es auch in Zukunft tun.

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