Bisheriger Chef bald nur noch Angestellter

Generationswechsel in Baunataler Hünstein-Apotheke

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Anderer Status: Berthold Krug gibt seine Hünstein-Apotheke nach mehr als drei Jahrzehnten in neue Hände, bleibt dem Geschäft aber als Angestellter erhalten.

Baunatal – Generationswechsel in Großenritte: Eine Institution kommt in neue Hände. Berthold Krug (62) übergibt seine Hünstein-Apotheke zum 1. März an Dr. Carolin Führer (36).

Krug geht jedoch nicht weg. Der Apotheker arbeitet auf halber Stelle als Angestellter weiter. Darüber ist die neue Chefin froh. Sie schätze sein Wissen und seine dezidierte Meinung zu berufsspezifischen Themen sehr.

Führer springt zwar ins kalte Wasser, was das geschäftliche Risiko betrifft, aber nicht in unbekannte Tiefen: „Ich kenne den Betrieb und weiß, was ich übernehme“, sagt sie. Denn die Pharmazeutin gehört bereits seit dreieinhalb Jahren zum Team. Sie war bislang je zur Hälfte in der Hünstein-Apotheke und in der Dennhäuser Fulda-Apotheke von Berthold Krugs Ehefrau Daniela tätig.

Sich neu niederzulassen, wäre nicht in Frage gekommen, sagt Führer. Dazu sei die wirtschaftliche Situation, zum Beispiel durch die Internet-Konkurrenz, zu unübersichtlich. Aber mit einer alteingesessenen Apotheke plus sieben erfahrener Mitarbeiter sehe sie Perspektiven. Lediglich ein neues Logo verwenden und einige zusätzliche Schwerpunkte setzen will die neue Eigentümerin des Geschäfts an der Elgershäuser Straße. So wird sie das Kosmetik-Sortiment für medizinische Hautpflege sowie das Angebot für Babys und Kinder aufstocken, intensive Beratung eingeschlossen. Der Nachwuchs liegt Führer auch aus eigener Erfahrung am Herzen, ihr Töchterchen ist knapp ein Jahr alt.

Berthold Krug indes, der sich 1986 mit der Hünstein-Apotheke selbstständig machte, war froh über das Interesse Führers, denn die eigenen Kinder wollten nicht in Vaters Fußstapfen treten. „Ich habe ihr den Zeitpunkt überlassen“, sagt er. Sie fand es richtig, nach der Elternzeit ein neues Kapitel aufzuschlagen. Finanzielles Risiko inbegriffen.

Krug freut sich nun darauf, öfter am Verkaufstisch zu stehen, anstatt leidige Büroarbeit zu erledigen. Letztere „kann einem den Spaß verderben“, sagt er. Überzogener Datenschutz („wir waren schon immer zur Verschwiegenheit verpflichtet“) und steigende Dokumentationspflichten, das seien nur zwei Stichworte zur ausufernden Bürokratie. Wenn er eine Arznei nach Rezeptur herstelle, dann dauere das zehn bis 15 Minuten – aber weitere 20 Minuten müsse man heute „für die Schreiberei“ rechnen.

Individuelle Rezepturen haben in der Hünstein-Apotheke zugenommen, seit in der Nachbarschaft ein Hautarzt praktiziert. Krug tippt hier eine der Tendenzen an, die er für problematisch hält, nämlich die Zunahme von Versandapotheken im Internet. „Die machen keine Rezepturen, denn das geht nur mit Fachpersonal“, so seine Kritik. Generell erhalte man individuelle und ehrliche Beratung nur beim vertrauten Apotheker vor Ort.

Diesen Service will nun Dr. Carolin Führer mit Krugs Unterstützung garantieren. Der Rollentausch von der Mitarbeiterin zur Chefin, vom Boss zum Angestellten – ein Problem? Nein, sagen beide, zumal man schon bisher das Miteinander statt der Hierarchie gepflegt habe. „Caro kann mich alles fragen“, sagt Berthold Krug. Und: „Ich mische mich auch ein, wenn ich es für nötig halte, aber ich akzeptiere, wenn sie anders entscheidet.“ Und: „Langweilig wird mir bestimmt nicht.“

Krug will künftig seine Frau stärker in der Dennhäuser Apotheke unterstützen, öfter seinen Hobbys Segeln und Motorradfahren frönen. Zudem bleibt er dem Baunataler Karneval als Protokoller, der mit pointierten Versen die Politik aufs Korn nimmt, erhalten.

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