Sie engagiert sich auch im Winter

Renate Mihr aus Großenritte rettet Igel vor dem Tod

+
Haben gemeinsam einen Igel, dem es nicht gut ging, gefunden und gerettet: Renate Mihr (79) aus Großenritte und Wolfgang Kunsch (80) aus Kassel appellieren an alle, vor allem bei Trockenheit Schälchen mit Wasser vor ihre Haustüren und in Gärten zu stellen.

Die 79-jährigen Renate Mihr liebt Tiere. Kürzlich hat sie einen dehydrierten Igel gerettet und aufgepäppelt.

Der 79-jährigen Renate Mihr aus Großenritte lagen Tiere schon immer am Herzen. Klar also, dass sie einen kleinen Igel, der offensichtlich Hilfe brauchte, nicht ignorieren konnte. „Ich hatte einen Termin in Kassel und wollte gerade wieder in mein Auto einsteigen, um nach Hause zu fahren“, sagt sie. „Da sah ich das Tier, wie es aus einer Straße herauskam und unter mein Auto kroch – sichtlich erschöpft, schwach und dehydriert.“

Mihr wollte den Igel auf ein nahe gelegenes Grundstück setzen, musste ihn aber erst mühevoll mit ihrer Gehhilfe unter dem Auto hervorholen. „Als das geschafft war, habe ich ihn hochgenommen und zu dem Grundstück getragen. Doch auch dort kam er nach wenigen Schritten nicht weiter und blieb unter einem Eingangstor stecken.“

Das konnte die Großenritterin nicht mit ansehen. „Ich hab ihn dann zusammen mit einem Freund, der dort in der Nähe wohnt, in meinen Kofferraum gesetzt und bin nach Hause gefahren.“ Mihr ist sich sicher: „Hätte ich ihn nicht mitgenommen, wäre er gestorben.“

Zuhause angekommen, gab es erstmal Wasser für den Igel – noch im Kofferraum. „Er hat insgesamt zwei Schalen ausgetrunken und wurde dabei sichtlich lebendiger.“ Dazu noch ein bisschen Igelfutter, was Renate Mihr von vergangenen Rettungsaktionen im Keller hatte, und dem Igel ging es wieder gut.

„Ich habe ihn dann in eine Kiste gesetzt, aber er wollte da raus, das hab ich gespürt. Also hab ich ihn nach draußen gebracht, in meinem und den Gärten in der Umgebung gibt es genug Unterschlupfmöglichkeiten.“

Fünf Igel gerettet

Mihr ist sich sicher, dass es dem Igel gut geht und er sich noch in der Nähe ihres Hauses befindet. „Wenn er tot wäre, hätte ich ihn gefunden. Außerdem bleiben die Tiere dann meist in der Umgebung und legen nicht so weite Strecken zurück.“

Die Großenritterin kennt sich aus – fünf Igel hat sie bereits gerettet und über den Winter bei sich zu Hause gehabt. „Wenn Igel im Herbst ein bestimmtes Gewicht nicht erreicht haben, überleben sie den Winter nicht. Dann sollte man sie mit nach Hause nehmen.“ Mihr habe mittlerweile einen guten Blick dafür, welches Tier Hilfe brauche und welches nicht. Wenn sie einen Igel in ihrer Obhut hat, lebt dieser in einem ungenutzten Raum im Keller, der mit Papier ausgelegt wird. „Solange das Tier noch keinen Winterschlaf hält, muss man den Boden jeden Tag saubermachen.“

Außerdem sollte man genug sauberes Papier hinlegen, aus dem sich der Igel dann ein Nest baut. „Unter dem Papier schläft er dann meistens bis März. Wenn man merkt, dass er im Frühjahr wieder aufwacht, sollte man Wasser und Futter hinstellen.“ Ein wenig Zeit könne der Igel dann noch im Haus leben, bis Mihr ihn nach draußen bringt. „Wer keinen Garten hat, kann das Tier irgendwohin bringen, wo es einen Unterschlupf findet, zum Beispiel am Waldrand oder Plätzen mit Totholzhaufen.

Vom Winterschlaf ist der jüngst gerettete Igel natürlich noch weit entfernt. „Dieser hatte offensichtlich einfach kein Wasser gefunden und war deshalb in solch einem schlechten Zustand“, ist sich Mihr sicher.

Das sagt der Naturschutzbund

Martin Lange vom Nabu Kaufungen-Lohfelden appelliert ebenfalls an alle, Tieren Wasser zur Verfügung zu stellen – egal ob im Garten oder vor der Haustür: „ Das ist ganz wichtig. In Wohngegenden und Städten gibt es kaum Fließgewässer, da ist es für Tiere schwierig, an Flüssigkeit zu gelangen. 

Ebenso sagt er, dass das Wasserangebot immer wieder erneuert werden soll, um es vor Keimen zu schützen. „Das Lebensumfeld der Tiere hat sich dramatisch verändert. Immer beliebter sind Schotter- oder Steingärten, sodass nicht nur der Lebensraum – unter anderem von Insekten und kleinen Lebewesen – immer weniger wird, sondern auch ihre Nahrung. Sowohl Vögel, als auch Igel und Insekten brauchen zur Vermehrung regelmäßig Wasser.“ Die Dramatik bleibe Naturschützern nicht verborgen, aber man müsse das Bewusstsein bei allen schaffen.

Niemals Milch geben

Laut Richtlinien sollen Igel nur von Menschen aufgenommen werden, wenn sie im Dezember unter 400 Gamm wiegen. Das notwendige Winterschlafgewicht liege bei 600 bis 700 Gramm. 

Auf der Internetseite des Vereins Pro Igel stehen Tipps, was man tut, wenn man einen Igel in Obhut nimmt. Unter anderem sollen Igel erstmal auf Verletzungen untersucht, unterkühlte Tiere gewärmt, Außenparasiten entfernt und dann der Tierarzt oder eine Igelstation aufgesucht werden. Finder sollen dann ein Igelgehege mit Schlafhaus einrichten und natürlich Wasser (niemals Milch!) und Futter bekommen. 

Dafür ist Katzen- oder Hundefutter geeignet oder angebratenes Hackfleisch ohne Gewürze. Schwachen Tieren flößt man mittels einer Plastik-Einwegspritze lauwarmen, ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee ein.

Mehr Infos im Internet, zum Beispiel auf pro-igel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.