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GWH ließ nachts Fahrzeuge am Baunsberg abschleppen – Mieter verärgert

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Von: Sven Kühling

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Traute seinen Augen nicht: Jörg Talmon zeigt noch mal, wie er am Dienstagmorgen auf den Parkplatz kam. Das Auto, mit dem er zum Arzt fahren wollte, war nachts einfach abgeschleppt worden.
Er traute seinen Augen nicht: Jörg Talmon zeigt noch mal, wie er am Dienstagmorgen auf den Parkplatz kam. Das Auto, mit dem er zum Arzt fahren wollte, war nachts einfach abgeschleppt worden. © Sven Kühling

In einer Nacht und Nebel - Aktion schleppte die GWH mehrere Autos ihrer Mieter ab. Diese sind empört. GWH verweist auf Schreiben im September.

Baunatal – Als Jörg Talmon am Dienstagmorgen von der Akazienallee in Baunatal mit dem Auto seiner Lebensgefährtin zum Arzt fahren wollte, traute er seinen Augen nicht. Das Auto, das am Abend vorher noch auf dem Parkplatz am Haus stand, war weg. „Ich dachte schon, es wäre gestohlen worden“, sagt der 55-Jährige, der seit zwölf Jahren Mieter der Wohnungsbaugesellschaft GWH am Baunsberg ist.

Gestohlen war das Fahrzeug allerdings nicht. Von einem Nachbarn, so erzählt Talmon, habe er dann am Vormittag erfahren, dass mehrere Autos von Mietern nachts um zwei von einem Abschleppunternehmen umgesetzt wurden. Eine Betroffene habe am Morgen mit ihrem kranken Kind ebenfalls zum Arzt fahren müssen. Auch deren Auto sei weg gewesen.

Hintergrund für die Aktion ist nach Angaben des Mieters und seiner Lebensgefährtin Dorothea Herrmann offenbar, dass die GWH ab dem 1. November monatlich 15 Euro für das Nutzen der Parkflächen haben will. „Es versteht keiner, dass die jetzt gleich nachts abgeschleppt haben“, sagt Talmon. Ein Mieter habe sogar die 15 Euro schon bezahlt gehabt. Auch dessen Fahrzeug sei verschwunden.

511,70 Euro soll Dorothea Herrmann jetzt an die „Parkräume KG“ bezahlen. Eine entsprechende Text-Nachricht habe sie auf ihr Handy bekommen. Das Dokument liegt der HNA vor. Sie habe sich bei einem anderen Abschleppdienst aus der Region erkundigt und erfahren, der geforderte Betrag sei weit überhöht.

Die GWH bestätigt auf Anfrage die Bewirtschaftung der eigenen Stellplätze an Akazienallee, Birkenallee und Dachsbergstraße. „Selbstverständlich haben wir unsere Mieter bereits Mitte September über diesen Umstand informiert und ihnen die Anmietung der Stellplätze angeboten“, erläutert Sprecherin Jenny Bieniek. „Alle Mietparteien, von denen wir keine Rückmeldung erhalten hatten, haben wir in einem zweiten Schreiben Mitte Oktober nochmals an die Möglichkeit zur Anmietung erinnert und darauf hingewiesen, dass widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge ab 1. November kostenpflichtig entfernt werden.“

Ein Abschleppunternehmen stelle seither die Einhaltung der neuen Regelung sicher. „Auf dessen Preisgestaltung haben wir jedoch keinen Einfluss.“ Insgesamt seien sechs Fahrzeuge entfernt worden, „wobei drei davon irrtümlich umgesetzt wurden“, sagt Bieniek. „Wir haben in diesen drei Fällen bereits eine Kostenübernahme zugesichert und bedauern, dass es hier zu Missverständnissen und damit verbundenen Unannehmlichkeiten kam.“

„Bezahlt habe sie die 511 Euro noch nicht, sagt die 57-jährige Herrmann. Sie wolle jetzt erst mal auf eigene Faust nach ihrem Auto suchen. Denn: Auf einem Parkplatz abgestellt wurden die Autos nicht. Diese seien von dem Unternehmen einfach irgendwo in Baunatal geparkt worden, so Herrmann. „Ich suche weiter nach meinem Auto. Ich habe Zeit.“

Die Mieter gehen davon aus, dass jetzt immer Leute ihre Autos entlang der Straßen – etwa gegenüber der Friedrich-Ebert-Schule – abstellen werden, weil sie die 15 Euro Miete und weitere Abschleppaktionen umgehen wollen. Grundsätzlich sagt die Stadt Baunatal: „Die beschriebenen Parkplätze befinden sich auf Privatgrundstücken der GWH und werden durch diese vermietet. Hier hat die Stadt Baunatal keinerlei Handhabe.“

Bürgermeisterin Manuela Strube: „Sicherlich ist jedoch die hierdurch entstehende Verdrängung der parkenden Fahrzeuge in den öffentlichen Straßenbereich nicht das, was wir als Stadt als positiv bewerten und befürworten können.“

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