„Ich finde es ganz normal, alles für die Kunden zu tun“ 

Heizung kaputt: Wie er einer Familie in Corona-Quarantäne half

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Kurzerhand hatte der Familienvater die Firma Gruhn in Kassel angerufen – und Chef Rainer Gruhn setzte alles daran, der Familie zu helfen.

In Corona-Zeiten ist es schön, gute Nachrichten zu hören: Rainer Gruhn, Gas- und Wasserinstallateurmeister, wurde von einer Baunataler Familie in einer Notsituation angerufen - und fand eine Lösung.

In Quarantäne leben zu müssen mit dem Wissen, dass ein Familienmitglied an Corona erkrankt ist, ist Herausforderung genug. Wenn dann noch die Heizung kaputtgeht – während die Temperaturen nachts unter null Grad Celsius sinken – wird es richtig problematisch. Genau das ist bei einer Familie in Baunatal-Großenritte am Freitag passiert, also auch noch kurz vor Beginn des Wochenendes.

Die Ärztin der Familie empfahl, so schnell wie möglich eine Lösung zu suchen, auch aus hygienischen Gründen, um sich mit warmem Wasser die Hände waschen zu können. Wer aber würde einen Monteur zu einer Familie nach Hause schicken, bei der ein Familienmitglied positiv auf Corona getestet wurde? „Ich habe beim Hersteller angerufen“, sagt der Familienvater, aber da habe ihm niemand weiterhelfen können.

Dann kontaktierte er die Firma Gruhn in Kassel, die die Gasheizung vor 17 Jahren eingebaut hatte. Dort wurde er mit dem Chef persönlich verbunden: „Ich habe versucht, ihm zu helfen, und über Telefon und das Internet nach einer Lösung gesucht“, sagt Geschäftsführer Rainer Gruhn. Jemanden vorbeizuschicken war aufgrund der Quarantäne-Situation der Familie nicht möglich. Doch Gruhn hatte eine Idee: Der Abgasfühler, der die Temperatur kontrolliert, könnte defekt und somit für das Problem verantwortlich sein.

Damit half Rainer Gruhn der Baunataler Familie: ein neuer Abgasfühler und die Zeichnung.

Der Familienvater machte sich mit Gruhns telefonischer Hilfe und einer sogenannten Explosionszeichnung sofort ans Werk, baute die Heizung auseinander und fand den Fühler, der defekt war. Eine Explosionszeichnung zerlegt einen komplexen Gegenstand grafisch in seine Einzelteile. Gruhn baute kurzerhand das Teil aus einer ausgedienten Heizung aus und legte es der Baunataler Familie in einem Briefumschlag vor die Tür. Der Familienvater baute den neuen Fühler ein – und die Heizung funktionierte wieder.

„Ich finde es ganz normal, alles für die Kunden zu tun“, sagt Gruhn. Zum Glück habe er das Teil aus der Heizung eines Kunden ausbauen können – ansonsten wäre eine Lieferung vor Montag wohl schwierig gewesen, vermutet der Gas- und Wasserinstallateurmeister, und die Lage für die Familie somit noch problematischer. Derzeit sei der Kundendienst seiner Firma nach wie vor beschäftigt, aber nur für Notfälle. Wartungsarbeiten würden derzeit nicht vorgenommen.

Sobald sich die Lage normalisiert hat, möchte Gruhn bei der Baunataler Familie noch einmal vorbeikommen und ein neues Teil einbauen. „Eigentlich verbauen wir keine gebrauchten Teile“, sagt Gruhn, aber in dieser besonderen Lage sei es nur so möglich gewesen.

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