Kräftiger Roter zur nordhessischen Spezialität

Hertingshäuser Winzer keltert in Löchgau Wein zur Ahlen Wurscht

Aufwendige Weinlese: Sebastian Krug mit der Butte, dem Behälter für die Trauben, auf dem Buckel. Alle Rebstöcke des Winzers stehen in Hanglage.
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Aufwendige Weinlese: Sebastian Krug mit der Butte, dem Behälter für die Trauben, auf dem Buckel. Alle Rebstöcke des Winzers stehen in Hanglage.

Ahle Wurscht schmeckt intensiv. Wie müsste ein Wein ausfallen, damit er geschmacklich nicht untergebuttert wird? Diese Frage beschäftigte Winzer Sebastian Krug.

Baunatal/Löchgau – Krug lebt im schwäbischen Löchgau zwischen Heilbronn und Stuttgart. Er kelterte einen kräftigen Rotwein aus Schwarzriesling-Trauben, der mit dem nordhessischen Schmeckewöhlerchen mithalten soll. Doch wie kommt ein Winzer in Württemberg zur Ahlen Wurscht? Antwort: Er stammt aus Hertingshausen und ist bis heute mit dem Baunataler Stadtteil verbunden. Die Familie hierzulande sorgt für Nachschub der Stracken oder Runden, am liebsten vom Direktvermarkter im Nachbarort Großenritte.

Der 42-Jährige betreibt den Weinbau im Nebenerwerb. Im Hauptberuf arbeitet er als Ausbildungsleiter in einem global tätigen Sicherheitstechnik-Konzern. 2005 übernahm Krug mit seiner Frau Sandra den stillgelegten Aussiedlerhof der Schwiegereltern. Ziel war, das Anwesen zu erhalten. Dafür absolvierte der Diplom-Pädagoge nebenberuflich eine Weiterbildung zur Fachkraft für Nebenerwerbslandwirtschaft.

Drei Standbeine sichern nun neben den Hauptberufen der Eheleute die Zukunft des Hofes: Zwei Ferienwohnungen, ein Secondhand-Kinderkleiderladen und der Weinbau. 25 Ar (2500 Quadratmeter) in Steil- und Terrassenlage erwarb die Familie, die Rebstöcke sind inzwischen 20 Jahre alt. „Es geht immer den Berg hoch“, sagt Krug. Neben Schwarzriesling, auch als Pinot Meunier (Müllerrebe) bekannt, wachsen Trollinger, die wohl bekannteste Württemberger Sorte, und Riesling auf dem Terrain.

Die Krugs verfolgen die Philosophie eines Garagenweinguts – kleine Mengen in hoher Qualität. Theoretisch könnten ihre Weinberge das Vierfache des Ertrags liefern. Die Familie bringt ihre Trauben nicht in eine Winzergenossenschaft, sondern erledigt vom Rebschnitt über Lese, Ausbau, Abfüllung und Etikettierung alles selbst. Dabei nutzt sie „einfachste, robuste Produktionsmittel aus den 1960er-Jahren“, erzählt Krug – zum Beispiel eine Weinpresse und eine Korkmaschine aus jener Zeit.

Fast alles ist Handarbeit, vom Zurückschneiden der Reben bis zur Ernte. Nur bei der Pflege des Bodens nutzt Sebastian Krug manchmal einen Traktor. Generell erlaubten die Hanglagen wenig Mechanisierung. Der Weinbauer setzt zudem auf biologische Pflanzenschutzmittel. Synthetische Mittel kämen nur in Frage, „wenn es gar nicht mehr anders geht“.

Kräftiger Roter: Katharina (14, links) und Victoria (9) mit Flaschen des Schwarzrieslings.

Leben könne die Familie, zu der zwei Töchter gehören, vom Weinbau nicht, sagt Krug. Er selbst habe die Landwirtschaft bereits als Kind lieben gelernt, bei Opa Karl in Hertingshausen und Onkel Adolf in Hohenkirchen.

Auf dem Etikett seines Schwarzrieslings steht nun der Name Général, der Trollinger heißt Lieutenant, der Riesling Sergeant. Die französischen und englischen Rangbezeichnungen haben mit Sebastian Krugs zwölf Jahren als Zeitsoldat bei der Bundeswehr zu tun. Und damit, dass ein Teil des Verkaufserlöses an den Verein „Lachen Helfen“ geht, eine Organisation von Polizisten und Soldaten, die Hilfsprojekte für Kinder realisiert.

Und wie schmeckt nun der Ahle-Wurscht-Wein? „Nach Vanille, dunkler Kirsche und Waldbeere, passend zu kräftigen Speisen“, sagt Sebastian Krug. Einen Online-Versand hat er nicht, aber wer den Roten probieren möchte (9,50 Euro pro Flasche), kann per Telefon bestellen. Krug würde den Wein selbst vorbeibringen, sobald er wieder nach Baunatal kommt. (Ingrid Jünemann)

Kontakt: Sebastian Krug, Tel. 01 77/7 82 15 52, www.weingarnison.de, lachen-helfen.de, petershof-loechgau.de.rs

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