Einst Vorzeigeprojekt zur Expo 2000

Hier hat sich der Hochwasserschutz bewährt: Polder verhindern Flut an der Bauna

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Ein wichtiger Baustein im Hochwasserkonzept an der Bauna: Der Polder Schefferfeld bei Elgershausen. Der Rückhalt fasst 230.000 Kubikmeter Wasser. 

Die Hochwasseranlagen an der Bauna bei Baunatal und Schauenburg sind die größten und aufwendigsten Schutzanlagen im Raum Kassel. Beim Unwetter am Dienstag haben sie sich bewährt.

Die Polder wurden nach dem verheerenden Hochwasser im Bauna-Tal 1992 geplant. Das von der Europäischen Union und vom Land Hessen mit vielen Millionen Euro unterstützte Projekt wurde unter anderem für die Expo 2000 aus 800 Projekten aus der ganzen Welt ausgewählt und dem internationalen Publikum präsentiert. Beim Starkregenereignis am vergangenen Dienstag gab es für die Polder eine weitere Bewährungsprobe.

„Unsere Hochwassereinrichtungen haben das Regenereignis gut an der Bauna reguliert“, sagt Horst Brixel, Betriebsleiter des Hochwasserverbandes Baunatal-Schauenburg als Fazit. Die Maximalwerte des Niederschlagereignisses registrierte die computergesteuerte Anlage zwischen 4 und 5 Uhr in der Nacht.

Zum Thema: Das sagt ein Experte zum Unwetter mit Überflutungen

„Die Wassermengen haben das Anspringen der Regelorgane unserer Hochwasserrückhaltebecken ausgelöst“, erläutert Brixel. Zunächst sei der Kleinstrückhalt nördlich von Hoof mit Wasser, das aus Richtung A 44 kam, vollgelaufen. Die Flutwelle staute sich anschließend im nächsten Becken, dem Polder Katzenmühle. Dieser habe das Wasser von der Ortslage Elgershausen zurückgehalten, berichtet auch Schauenburgs Bürgermeister Michael Plätzer. Er habe sich am Dienstag ein Bild davon gemacht. An der Bauna sei zwar weniger Wasser als im östlichen Landkreis zu bewältigen gewesen, „unsere Anlagen haben aber auf jeden Fall eine Überschwemmung verhindert“, betont Plätzer.

Video: Hochwasser nach Unwetter im Kreis Kassel 

Der Polder zwischen Hoof und Elgershausen fasst 72 000 Kubikmeter Wasser. „Das Katzenmühlenbecken hat die Wassermengen nach Elgershausen gut reguliert“, sagt Horst Brixel. Im darunter gelegenen Polder Schefferfeld östlich von Elgershausen, der mit einem Fassungsvermögen von 230.000 Kubikmetern noch wesentlich größer ist, seien dann bis zu 7000 Kubikmeter Wasser angestaut worden. Von da sei das Wasser dosiert in den Unterlauf der Bauna weiter abgegeben worden. Am nächsten Polder an der Hunsrückstraße bei Altenbauna, der maximal 100 000 Kubikmeter fasst, staute sich kein Wasser. Kontrolliert sei aber eine Menge von 23 Kubikmetern pro Sekunde weitergegeben worden, so Brixel. Das zuletzt gebaute Becken im Hochwasserschutzsystem an der Bauna kostete 5,3 Millionen Euro, 70 Prozent Zuschuss kam vom Land Hessen. Fertiggestellt wurde es 2017.

Die Anlagen im Bauna-Tal sollen auch Vorbild sein für die Planung neuer Schutzeinrichtungen im Lossetal durch den Wasserverband Losse.

Laut Gemeinde Kaufungen, deren Bürgermeister Arnim Roß derzeit auch Verbandsvorsitzender ist, sollen demnächst die Aufträge zur Erarbeitung der Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens für das Hochwasserrückhaltebecken Helsa vergeben werden. Der Beginn des Planfeststellungsverfahrens sei für das Frühjahr 2020 vorgesehen. Mit der Fertigstellung des Polders rechnet der Verband in vier bis fünf Jahren. Die Notwendigkeit, diesen Weg zügig weiterzugehen, habe das Hochwasser vom vergangenen Dienstag erneut unterstrichen, heißt es. Neben dem Polder bei Helsa (582.000 Kubikmeter) soll später ein weiterer bei Kaufungen entstehen.

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Kaufungen und Lohfelden stehen unter Wasser

Überschwemmungen in Kaufungen
Überschwemmungen in Kaufungen © Vera Glass
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Überschwemmungen in Kaufungen
Überschwemmungen in Kaufungen © Tom Stier
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Lohfelden Hochwasser
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