1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel
  4. Baunatal

VW-Werk in Baunatal: Hoffnung für 300 Leiharbeiter

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sven Kühling

Kommentare

Volles Haus: Rund 5000 Mitarbeiter aus dem VW-Werk Kassel in Baunatal verfolgten die Betriebsversammlung am Dienstag in der Halle 2. Dabei ging es um Personalplanung und den Abschied von Carsten Bätzold.
Volles Haus: Rund 5000 Mitarbeiter aus dem VW-Werk Kassel in Baunatal verfolgten die Betriebsversammlung am Dienstag in der Halle 2. Dabei ging es um Personalplanung und den Abschied von Carsten Bätzold. © Fischer, Andreas

Für knapp 300 Leiharbeiter, die Ende Februar im VW-Werk Kassel in Baunatal entlassen wurden, ist der Mittwoch ein entscheidender Tag.

Kassel/Baunatal – Betriebsratchef Carsten Bätzold äußerte sich am Rande einer Betriebsversammlung am Dienstag mit 5000 Mitarbeitern in der Halle 2 vorsichtig optimistisch zur Übernahme der Frauen und Männer. Ich hoffe, dass wir das morgen früh in trockene Tücher bringen“, sagte er. „Die 280, die abgemeldet wurden, müssen ein Angebot bekommen.“ Werkleiter Jörg Fenstermann ging nicht so weit, er bestätigte lediglich, dass die Planung mit seinen Vorgesetzten angesetzt sei.

Die Transformation im VW-Werk Kassel in Baunatal weg von Bauteilen für Autos mit Verbrennungsmotor hin zu Elektromobilität wird außerdem unvermindert fortgesetzt. Erstmalig benannte der Betriebsrat in einer Mitteilung zur Betriebsversammlung am Dienstag mit der Fertigung von Handschaltgetrieben und dem Abgasanlagenbau zwei Fabrikbereiche am nordhessischen Standort, die „in absehbarer Zukunft auslaufen“.

Die Schaltgetriebe, so Betriebsratschef Bätzold, liefen bereits 2026 aus. Für die Abgasanlagen nannten Betriebsrat und Werkmanagement auf Nachfrage keinen konkreten Zeitraum bis zum endgültigen Aus. In der Abgasanlagenfertigung sind derzeit rund 660 Arbeitnehmer beschäftigt, bei den Handschaltgetrieben sind es 260.

20 Prozent der Stellen werden abgebaut

Laut Werkleiter Jörg Fenstermann will sich der Standort zunächst aus der Produktion von Abgasanlagen für Diesel-Fahrzeuge verabschieden. Die freien Flächen sollen im Zuge der Transformation dann für andere Produktionsbereiche genutzt werden. Widerspruch erntete er dafür von Carsten Bätzold. So lange es keine Anschlussregelung für ein Folgeprodukt gebe, gehe die bisherige Fertigung dort nicht raus, sagte dieser.

Aktuell sind nach Angaben von Personalchef Stefan Kreher 15.500 Frauen und Männer im Baunataler Werk beschäftigt. Der Betriebsrat geht davon aus, dass in den nächsten Jahren neben dem demografischen Wandel weitere 20 Prozent der Stellen im Werk Kassel abgebaut werden. „Es ist deshalb gut, dass wir bis 2029 eine Beschäftigungssicherung haben“, sagte Bätzold.

VW-Werk Kassel in Baunatal: „Carsten Bätzold hat sich stark für die Menschen und das Werk eingesetzt“

Für Bätzold war es die letzte Betriebsversammlung überhaupt. Nach 32 Jahren Arbeitnehmervertretung geht der 56-Jährige aus Schauenburg-Elmshagen Ende November in Altersteilzeit. „Es ist hoch emotional“, sagte er zu Beginn der Versammlung gegenüber der HNA. Viel Lob bekam er anschließend nicht nur von seinen Betriebsratskollegen, sondern auch direkt vom VW-Vorstand und dem Werkmanagement mit auf den Weg.

Carsten Bätzold habe den Standort maßgeblich mitgeprägt, sagte VW-Personalvorstand Gunnar Kilian, der an der Veranstaltung teilnahm. „Er hat den Kasseler Weg mitgestaltet.“ Damit erinnerte Kilian an die Rettung der Abgasanlagenfertigung im Werk Kassel im Jahr 2006, die erst durch einen Kraftakt von Management und Betriebsrat zustande kam – der „Kasseler Weg“ eben. Er und Bätzold hätten eine lange Strecke gemeinsam zurückgelegt, so Kilian. Worte, denen Carsten Bätzold mit Tränen in den Augen lauschte.

Auch Jörg Fenstermann würdigte dessen Verdienste und die Art und Weise, mit der dieser seine Ziele verfolgte. „Carsten Bätzold hat sich stark für die Menschen und das Werk eingesetzt“, sagte er. „Er ist ein anständiger und bodenständiger Mensch.“

Und wie geht es nach dem Abschied von Bätzold weiter bei der Arbeitnehmervertretung in Baunatal? Ende November soll ein Nachfolger gewählt werden. Auch das wurde während der Betriebsversammlung bekannt.

Aus den Reihen der Gewerkschaft IG-Metall wird Carsten Büchling vorgeschlagen. Er ist 51 Jahre alt, stammt aus Habichtswald und lebt in Kassel. Büchling ist seit 1991 bei VW in Baunatal. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. (Sven Kühling)

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass das Vertriebszentrum Mitte im VW-Werk Kassel in Baunatal schließt. Allen 300 Mitarbeitern im VZ Mitte sollen „alternative Arbeitsplätze in der Region“ angeboten werden.

Auch interessant

Kommentare