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Investor für Gertrudenstift in Baunatal gefunden

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Von: Sven Kühling

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Soll in neue Hände kommen: Das Gertrudenstift in Großenritte. Der Trägerverein präsentiert jetzt einen eigenen Investor für das Altenpflegeheim. Die Verträge seien kurz vor der Unterzeichnung, heißt es.
Soll in neue Hände kommen: Das Gertrudenstift in Großenritte. Der Trägerverein präsentiert jetzt einen eigenen Investor für das Altenpflegeheim. Die Verträge seien kurz vor der Unterzeichnung, heißt es. © Repro: De Filippo

Die gemeinnützige Aktiengesellschaft Agaplesion mit Sitz in Frankfurt soll als Investor das insolvente Altenpflegeheim Gertrudenstift in Großenritte übernehmen. Das bestätigte Armin Raatz, Vorsitzender des Trägervereins E-Luth-Getrudenstift, am Mittwoch auf Anfrage der HNA. Er geht davon aus, dass die Verträge in den nächsten zwei, drei Tagen geschlossen werden können. Noch sei ein Baustein offen, so Raatz. Deshalb sei der Zuschlag noch nicht erfolgt.

Baunatal – Der Abschluss mit dem neuen Betreiber käme außerhalb des laufenden Insolvenzverfahrens und vorbei am vorläufigen Insolvenzverwalter, Steffen Koch, zustande.

Laut Raatz würde Agaplesion die Forderungen der Gläubiger zu 100 Prozent bedienen. „Außerdem gehen keine Arbeitsplätze verloren“, sagt der Vorsitzende weiter. Bei einem Vertragsabschluss sei eine Beteiligung der Aktiengesellschaft von 60 Prozent angestrebt, dem Trägerverein blieben 40 Prozent der Anteile an dem Traditionshaus in Baunatal.

Einhergehend mit der Insolvenz und der Suche nach einem Investor war in den vergangenen Tagen auch über die Zukunft von Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied Tanja Riese spekuliert worden. Diese bleibe als Geschäftsführerin weiterhin im Amt, erläutert Raatz. Man habe Riese lediglich ihrer Aufgaben im Vorstand entbunden.

Kritisch zu dem Alleingang des Trägervereins äußert sich der vorläufige Insolvenzverwalter in einer Pressemitteilung. „Die Rücknahme eines Insolvenzantrags durch den Antragsteller ist sehr ungewöhnlich, aber rechtlich möglich“, erläuterte Steffen Koch. Dieser hatte nach eigenen Angaben am Dienstag die Beschäftigten auf einer seit Längerem geplanten Mitarbeiterversammlungen über den Stand des Verfahrens sowie über die neue Situation informiert. „Wenn diese Lösung zum selben Ergebnis führt, nämlich dass alle Arbeitsplätze erhalten bleiben und die Gläubiger zu 100 Prozent befriedigt werden, kann ich das als deren Interessenvertreter aber natürlich nur begrüßen“, heißt es in der Mitteilung der Firma „hww“, für die Koch tätig ist.

Voraussetzung sei, dass der Verein einen Geldgeber gefunden hat, der bereit ist, die notwendigen Mittel zur Abwendung einer Insolvenz bereitzustellen. Dies umfasst sowohl sämtliche Alt-Verbindlichkeiten als auch das Insolvenzgeld, das im Zuge der Fortführung im vorläufigen Insolvenzverfahren bereits an die Beschäftigten ausgezahlt worden ist.

Vereinsvorsitzender Raatz erläutert zudem die Gründe, warum sich der Verein für Agaplesion entschieden habe. „Ziel unserer Aktion ist es, die Tradition der Einrichtung fortzuführen“, betont Raatz. Wichtig sei dem Trägerverein gewesen, Teilhaber zu bleiben sowie eine Einbindung in einen kirchlichen Betreiber.

Unklar ist indes, was aus der „Jungen Pflege“ wird, die aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten zu Ende März aufgelöst wurde (HNA berichtete). Laut Raatz sind nahezu alle Pflegebedürftigen inzwischen auf andere Einrichtungen verteilt worden. Damit sei der Betrieb der Phase F „fast aufgelöst“. Das Gebäude werde bei einer Lösung mit Agaplesion von der Aktiengesellschaft mit übernommen. Ob es irgendwann auch wieder ein „Junge Pflege“ geben wird, ließ der Vereinsvorstand noch offen.

Übrigens: Parallel zum Zuschlag für einen Investor müssten die Verantwortlichen den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Kassel zurückziehen. Dies ist laut Gerichtssprecherin Daniela Müller aber bislang noch nicht passiert. (Sven Kühling)

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