Perspektive für 34-Jährigen

Junger Afghane erlebte Flammen in Baunataler Unterkunft - jetzt will er Altenpfleger werden

Ziehen an einem Strang: Hannelore Limmeroth (von links) und Selvet Elevli vom Verein Bengi kümmern sich über ein Patenschaftsprogramm um den früheren Flüchtling Isa Ghulami. Er hat eine erste Ausbildung beendet.
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Ziehen an einem Strang: Hannelore Limmeroth (von links) und Selvet Elevli vom Verein Bengi kümmern sich über ein Patenschaftsprogramm um den früheren Flüchtling Isa Ghulami. Er hat eine erste Ausbildung beendet.

Im Mai 2020 wäre Isa Ghulami beinahe bei einem Brand einer Baunataler Flüchtlingsunterkunft ums Leben gekommen. Aus dem Unglück heraus hat sich sein Leben zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt.

Baunatal – Der heute 24-jährige Isa Ghulami, der als 15-Jähriger allein aus Afghanistan geflüchtet war, hat mittlerweile seine Ausbildung als Altenpflegehelfer im Gertrudenstift in Großenritte abgeschlossen. Dort habe er jetzt eine feste Stelle angetreten, berichtet er im Gespräch mit der HNA.

Die Übernahme durch das Seniorenheim sei insbesondere auf die guten Leistungen des Afghanen zurückzuführen, betonen Hannelore Limmeroth und Selvet Elevli vom Kasseler Verein Bengi, der den 24-Jährigen bis heute über das bundesweite Patenschaftsprogramm „Menschen stärken Menschen“ fördert.

„Er ist fokussiert“, sagt Limmeroth, die junge Flüchtlinge ehrenamtlich betreut. „Er arbeitet richtig viel, springt ein, wenn andere fehlen“, ergänzt Elevli.

Auch der regionale Energieversorger EAM hatte den nach dem Brand wohnungslosen Ghulami unterstützt. Das Unternehmen besorgte dem Afghanen ein Zimmer im EAM-Ausbildungscamp in Baunatal. Dort lebe er bis heute, sagt Isa Ghulami. Mittlerweile habe er im Camp sogar eine kleine Wohnung mit zwei Zimmern beziehen können. Und er hat Anschluss gefunden. Unter anderem habe er guten Kontakt zu den Sozialarbeitern des Ausbildungszentrums aufgebaut, erläutert Limmeroth. Und: Viel Spaß bereite ihm der Sport in einem Fitnessstudio im Baunataler Zentrum.

Wie schon in den ersten Jahren in Deutschland und der schweren Zeit nach dem Feuer in der Flüchtlingsunterkunft am Lärchenweg fährt Isa täglich mit dem Fahrrad ins Gertrudenstift nach Großenritte. „Die Arbeit gefällt mir“, sagt er. Er wolle sich beruflich dennoch weiterentwickeln. So wolle er auf jeden Fall die Ausbildung als Altenpfleger anschließen, sagt er. „Und den Führerschein machen.“

Der junge Mann aus Afghanistan schaut hoffnungsvoll auf die kommende Zeit. „Ich will mir eine Zukunft aufbauen“, sagt er. „Und eine Familie haben.“

Bei all diesen positiven Entwicklungen nennt Selvet Elevli allerdings noch einen Punkt, der die Freude über das Erreichte noch trübt. Immer noch habe der Afghane keinen festen Aufenthaltsstatus, berichtet sie. „Er könnte jederzeit abgeschoben werden.“ Die Entscheidung darüber liege noch bei der Ausländerbehörde von Stadt und Landkreis Kassel. (Sven Kühling)

Infos zu dem Patenschaftsprogramm, Bengi e.V., Tel. 05 61/5 09 58.

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