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Nach Insolvenz des Gertudenstifts: Junge Pflege in Baunatal wird geschlossen

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Von: Sven Kühling

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Steht in einem Insolvenzverfahren: das Gertrudenstift in Baunatal-Großenritte. Die Junge Pflege soll ihre Pforten zu Ende März schließen. 35 Mitarbeiter müssen gehen. Archiv
Steht in einem Insolvenzverfahren: das Gertrudenstift in Baunatal-Großenritte. Die Junge Pflege soll ihre Pforten zu Ende März schließen. 35 Mitarbeiter müssen gehen. © Lara Thiele

Das Gertrudenstift in Baunatal ist insolvent. Wie nun bekannt wurde, muss deshalb der Bereich „Junge Pflege“ schließen. Ein Schock für Mitarbeiter und Bewohner.

Baunatal – Für 35 Mitarbeiter der Jungen Pflege im Gertrudenstift in Baunatal ist Schluss. Laut Pressemitteilung des vorläufigen Insolvenzverwalters, die Firma Hermann, Wienberg, Wilhelm (hww), wird der Betrieb der Jungen Pflege zum 31. März eingestellt. Betroffen seien 22 Plätze in der Einrichtung für schwer pflegebedürftige Menschen mit organisch bedingter Persönlichkeitsstörung.

Nach Informationen der HNA wurden die Beschäftigten, die Bewohner und deren Angehörige am Montag über die Entwicklung der Jungen Pflege, die auch Phase F genannt wird, unterrichtet. Für die Angehörigen der zum Teil schwerst behinderten jungen Bewohner bedeutet das die umgehende Suche nach einem neuen Heimplatz.

„Die Schließung der Phase F ist keine leichte Entscheidung und für die Bewohnerinnen und Bewohner und deren Angehörige ein schwerer Einschnitt“, betonte der vorläufige Insolvenzverwalter Steffen Koch in der Mitteilung. „Die Junge Pflege kann aber unter den gegebenen Umständen nicht wirtschaftlich und vor allem auch nicht mit der erforderlichen Qualität weitergeführt werden.“

Koch: Die Insolvenzordnung erlaube eine Fortführung nur, solange dadurch keine Verluste zulasten der Gläubiger erwirtschaftet werden. „Da die Phase F-Einrichtung nach Ende des Insolvenzgeld-Zeitraums am 31. März wieder tief in die roten Zahlen rutschen würde, ist deren Schließung insolvenzrechtlich zwingend.“

Gabriele Dörries aus Großenritte ist eine von den Betroffenen. Ihr Sohn sei der erste Bewohner 2018 in der neu geschaffenen Jungen Pflege gewesen, berichtet die 66-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir müssen uns jetzt selbst Plätze suchen“, sagt sie. Schließlich müssten die Bewohner bis Ende März raus.

Für Dörries ist die Suche nach einem neuen Heimplatz eine große Aufgabe. Schließlich habe sie ihren Sohn bisher bequem jeden Nachmittag zwei Stunden zu sich nach Hause holen können, erläutert sie. Jetzt aber muss sie einen Pflegeplatz in einem ganz anderen Ort in Erwägung ziehen. „Die Heimaufsicht hat uns eine Liste mit Plätzen etwa in Hessisch Lichtenau, Sachsenhausen und Eschwege mitgegeben.“

Andere Eltern kämen beispielsweise jeden Tag mit Bus zum Gertrudenstift, um ihren Sohn zu besuchen. „Die können ihn dann künftig gar nicht mehr besuchen“, vermutet Gabriele Dörries.

„Priorität hat für uns jetzt, die Bewohnerinnen und Bewohner bei der Suche nach einer Anschlussversorgung zu unterstützen“, so Insolvenzverwalter Steffen Koch. Zudem suche man gemeinsam mit der Geschäftsführung nach Wegen, um den betroffenen Mitarbeitenden alternative Angebote innerhalb des Gertrudenstifts zu unterbreiten. Auch eine Weiterbeschäftigung im Zuge der angestrebten Sanierungslösung mit einem kirchlichen Träger hält Koch für möglich.

Gabriele Dörries will hingegen ihrerseits nach einem möglichen Investor für die Junge Pflege Ausschau halten. Erste Kontakte, sagt sie, habe sie bereits geknüpft. (Sven Kühling)

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