Vorstand: "Bei uns gehen die Mädchen zum Kickboxen"

KSV Baunatal kann WHO-Studie zum Bewegungsmangel bei Kindern nicht bestätigen

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Richtig austoben: Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht ein Bewegungsdefizit bei Kindern und Jugendlichen. Der KSV Baunatal hat insgesamt 2200 Jungen und Mädchen in seinen Reihen. Das Foto entstand beim Kickboxen, das derzeit vor allem bei den Mädchen gefragt ist. 

81 Prozent der Jugendlichen weltweit kommen nach einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht auf die Bewegungsdauer von einer Stunde am Tag.

Baunatal – Vor allem Mädchen müssten sich mehr bewegen, hieß es kürzlich bei der Vorstellung der WHO-Studie in Genf. Der KSV Baunatal hat eigenen Angaben zufolge über 2200 Kinder und Jugendliche in seinen Sport- und Bewegungsangeboten. Er könne die Beobachtungen der WHO so nicht bestätigen, betont KSV-Vorstandschef Timo Gerhold im Gespräch mit der HNA. Der KSV ist mit über 7800 Mitgliedern der größte Sportverein der Region.

„Wir haben eine immer noch ansteigende Zahl von Kindern und Jugendlichen“, betont Gerhold. Allein in der Kindersportschule (KISS) des KSV bewegten sich rund 600 Kinder im Alter bis zu sieben Jahren in den Hallen und im Schwimmbad der VW-Stadt, erläutert Gerhold weiter. Man müsse die Kinder schon im jungen Alter abholen, sagt der Vorstand. Beim KSV gebe es etwa Wassergewöhnungskurse für Kinder ab 4 Monate. Die vereinseigene Kindersportschule setze mit ihrem Angebot an, „wenn die Kinder laufen können – etwa ab einem Alter von 12 Monaten“.

Gerhold verweist auf eine enge Kooperation mit den Kindergärten, die vor einigen Jahren von Bürgermeister Manfred Schaub angestoßen worden sei. „Jede Kita bietet demnach zwei Stunden Sport pro Woche an.“ Der Verein organisiere diese Bewegungsstunden allein in zwölf Einrichtungen in Baunatal. Das sei gleichzeitig ein wichtiger Baustein, Kinder aus Migranten-Familien und aus benachteiligten Familien in das Vereinsgeschehen zu integrieren, sagt Gerhold. „Da kommen die Eltern mit dazu. Da bauen wir Schwellen ab.“

Im Alter von sieben bis acht Jahren gingen die Kinder dann in die klassischen Abteilungen des KSV – von Fußball über Handball bis zum Turnen. An dieser Stelle will der KSV-Vorstand allerdings einen Wandel vollziehen. Zu dem herkömmlichen Wettkampfbetrieb müssten mehr offene Bewegungsangebote geschaffen werden. Diese sollten sich nicht an den üblichen Wettkampf- und Trainingszeiten orientieren, betont Gerhold. Hier müsse Unverbindlichkeit gelten, und nicht eine Erfolgsorientierung. 

„Das müssen die Vereine aufweichen, wenn sie attraktiv bleiben wollen.“ Als Beispiel nennt der Vorstand die jüngst eröffnete Trainingsstätte „Kraftwerk“, wo Jugendliche frei etwas für die Fitness tun könnten. In der Abteilung Fußball gebe es reine Freizeit-Gruppen für Kinder, „die einfach Bock haben, zu kicken“. Rund 80 Jungen und Mädchen habe der Verein allein in diesem Bereich am Start. „Wir brauchen ein Umdenken in den klassischen Sportarten.“

Und was tut der KSV an dieser Stelle für Mädchen, die sich ja laut der WHO-Studie besonders wenig bewegen?

Da habe man zahlreiche kreative und tänzerische Angebote, betont der Vorstandschef. Aber beispielsweise auch bei den Kampfsportarten, etwa beim Kickboxen verzeichne der KSV aktuell ein besonders großes Interesse von Mädchen. „Beim Kickboxen haben wir einen Riesen-Zulauf vor allem von jungen Mädels.“

Infos: KSV Baunatal, Altenritter Straße 37, 34225 Baunatal, Tel. 0561/5705990.

Das sagt die Theodor-Heuss-Schule

Die Stadt Baunatal habe eine sehr gute Infrastruktur im Sport-Bereich, sagt Walter Kayser, Schulleiter der Theodor-Heuss-Schule (THS). Es gebe eine gute Kooperation der Schule mit den Sportvereinen – etwa dem KSV und dem GSV Eintracht. Schulintern gebe es auch eine separate Sportförderung. „Das wird auch sehr gut angenommen“, so der Schulleiter. 

Mit der Talentförderung beginne die THS bereits im Jahrgang 5. Erste Überlegungen gibt es laut Kayser zu einer Teilnahme der Schule am Projekt „Bike-School“. Das vom Hessischen Kultusministerium geförderte Programm stattet Schulen mit Mountainbikes aus. „Wir könnten entsprechende Sportanlagen ganz in unserer Nähe nutzen, sagt der Schulleiter.

WHO-Studie: Nur ein Fünftel bewegt sich ausreichend

Eine Stunde Bewegung pro Tag empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO allen Kindern und Jugendlichen. Laut einer neuen Studie der Organisation bewegt sich weltweit nur ein Fünftel der 11- bis 17-Jährigen ausreichend. In Deutschland sind rund 80 Prozent der Jungen und 88 Prozent der Mädchen nicht aktiv genug. 

Der Bericht, der in der Fachzeitschrift „Lancet Child & Adolescent Health“ veröffentlicht wurde, basiert auf Umfragedaten aus den Jahren 2001 bis 2016. Dabei wurden 1,6 Millionen Schüler zwischen 11 und 17 Jahren in 146 Ländern befragt. Weltweit erreichen bei den Jungen 22 Prozent das Bewegungsziel, bei den Mädchen nur 15 Prozent.

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