Verein mit über 7000 Mitgliedern blickt in Zukunft

KSV Baunatal will Sportstützpunkt für die gesamte Region werden

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Eigene Zentrale: Der KSV Bauna tal bietet in der Sportwelt bereits einen großen Fitnessbereich an.

Es ist noch eine Vision: Große Sportvereine mit eigenen, multifunktionalen Sportstätten als Dreh- und Angelpunkte für das Sportgeschehen einer ganzen Stadt. Das soll in Baunatal passieren.

Die Angebote reichen vom Computer-Sport in einem modernen E-Sports-Center über das individuell gestaltete Training in vereinseigenen Fitnessstudios und Kursräumen.

Auch die sportliche Betreuung von Menschen am Arbeitsplatz könnte künftig zu den Aufgaben von Sportvereinen gehören. Genauso wie die Inklusion von Menschen mit Handicap ins allgemeine Sportgeschehen. Beim KSV Baunatal sind diese Zukunftspläne teilweise schon auf dem Weg. Der größte nordhessische Sportverein mit mittlerweile 7380 Mitgliedern und 35 Abteilungen könnte sich zu einem stützpunktartigen Sportdienstleister für die gesamte Region wandeln. Darüber sprachen wir mit dem Vorstand.

Jugend einbinden

„Wir müssen uns jetzt darauf einstellen“, sagt KSV-Vorstandschef Timo Gerhold auf die Frage nach veränderten Bedürfnissen vor allem von jungen Menschen im Sportbetrieb. „Wir müssen in den verschiedenen Lebenswelten der Kinder zuhause sein“, so beschreibt Gerhold den Ansatz. Das bedeute aber auch für den Nachwuchs: „Weg vom PC, hin zum analogen Sport“. Es gebe Modelle, bei denen die Jugendlichen unmittelbar nach dem Spiel am Computer „zum Schwitzen beim Sport gebracht werden“.

Sportanlagen

Für den KSV gehört auf jeden Fall eine Änderung der kommunalen Infrastruktur zu diesem Wandel. Die Stadt Baunatal gelange bei der Unterhaltung der Sportanlagen an ihre Grenzen, sagt Gerhold. So sei auch die geplante Sanierung der Max-Riegel-Halle (Kosten rund 10 Millionen Euro) und die damit verbundene Erweiterung der KSV-Sportwelt wegen der angespannten Haushaltslage auf Eis gelegt worden – „mindestens bis zum Jahr 2023“.

Die Sportvereine müssten künftig mehr Verantwortung übernehmen und eigene Sportanlagen entwickeln, sagt der KSV-Vorstand weiter. „Wir sind der Meinung, dass der Verein da in der Pflicht steht.“ Gerhold nennt ein Beispiel für derartige Eigeninitiative. Der KSV habe geradeerst von der Baunataler Diakonie Kassel Sportanlagen und ein Schwimmbad übernommen und einen Sport-Campus mit dem Ziel gegründet, behinderte Menschen ins allgemeine Sportangebot zu integrieren. Die städtischen Sportstätten seien heute kaum noch für derartige Aufgaben geeignet, betont er. „Dafür braucht man eine andere Infrastruktur.“

Sport am Arbeitsplatz

Vor allem findet der Sport nicht immer am gleichen Ort statt. Die Übungsleiter des Vereins gehen in Zukunft auch in die Firmen, um die Beschäftigten an Ort und Stelle zu bewegen. Auch auf diesem Feld betätige sich der KSV bereits, so der Vorstand. Kooperationen gebe es etwa mit der EAM, mit den Baunataler Stadtwerken, der Awo und den Kindergärten und Schulen. „Wir haben unterschiedliche Modelle“, ergänzt Vorstandskollegin Katrin Eschstruth. Jüngst erst sei ein Sportwissenschaftler für diesen Bereich eingestellt worden, ergänzt Timo Gerhold. Dabei sei eine „riesige Vielfalt“ gefragt. „Das ist ein Baustein, der wichtiger wird. Die Anforderungen wachsen.“ Und: Die Unternehmen kämpften um gute Mitarbeiter, da sei eine gute Gesundheit der Menschen wichtig.

„Wir müssen natürlich sehen, was finanziell machbar ist“, nennt Eschstruth die Voraussetzung für die vielen neuen Wege. Und Johanna Jakob, seit Sommer 2018 im KSV-Vorstand für die Finanzen zuständig, wirbt für den Verbleib der traditionellen Sportarten. „Wir wollen die Tradition nicht verlieren“, sagt Jakob. Sprich: Training und Wettkampfbetrieb soll es weiterhin etwa im Fußball und Handball, im Judo, in der Leichtathletik und beim Tennis und Triathlon geben.

Einzugsgebiet

Auch eine Erweiterung des Einzugsgebietes ist für den KSV durchaus denkbar. Schon längst kommen die Sportler in die Abteilungen und zum Training in der KSV-Sportwelt nicht mehr nur aus der VW-Stadt und der näheren Umgebung. Auch aus Fuldabrück, aus den südlichen Kasseler Stadtteilen, aus Vellmar, Gudensberg, Felsberg und Hofgeismar reisen die Interessierten an. „Manche nehmen lange Wege in Kauf“, sagt Vorstandsmitglied Friedrich Heintzemann.

Und könnte der KSV ein Stützpunkt für die ganze Region werden? „Ja“, sagt Gerhold. Auf der Schulebene gebe es diese Überlegungen bereits.

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