Bei Nordwind wird es laut

Lärmschutz: Das soll an der Autobahn 44 bei Rengershausen anders werden

Einen Steinwurf entfernt: Die Autobahn 44 verläuft unweit des Baunataler Stadtteils Rengershausen in Richtung Bergshäuser Brücke. Mit dem Neubau der Trasse zusammen mit dem Brückenneubau soll hier eine Lärmschutzwand entstehen.
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Einen Steinwurf entfernt: Die Autobahn 44 verläuft unweit des Baunataler Stadtteils Rengershausen in Richtung Bergshäuser Brücke. Mit dem Neubau der Trasse zusammen mit dem Brückenneubau soll hier eine Lärmschutzwand entstehen.

Beim Bau von Autobahnen ist zunehmender Verkehrslärm ein Thema, das die Menschen sehr beschäftigt. Das ist für die A44 nahe Baunatal-Rengershausen geplant.

Baunatal – Mit dem Neubau der Bergshäuser Brücke ändert sich die Verkehrsführung der A44 unweit von Rengershausen. Die Vorzugsvariante sieht eine Verschiebung des Brückenbauwerkes über die Fulda von rund 700 Metern nach Süden vor. Obwohl der Neubau noch Jahre entfernt ist, werden Rufe aus dem Ort nach einer Verbesserung des Lärmschutzes mit der neuen Trassenführung laut.

Vor allem, wenn der Wind von Richtung Norden komme, steige schon jetzt die Belastung im Ort, sagen zwei Anwohner aus dem Bereich Neuer Hof im Gespräch mit der HNA. Die Straße liegt wenige hundert Meter von der vorbeiführenden Autobahn entfernt. Allerdings bei Westwind, sagt einer der Anwohner, halte sich der Lärm tatsächlich in Grenzen. „Es hängt von der Windrichtung ab.“, betonen die Hauseigentümer einhellig.

Immerhin: Der Baunataler Stadtteil ist seit vielen Jahren nicht nur durch die stark befahrene alte Autobahnlinie Richtung Bergshäuser Brücke belastet, sondern auch noch durch die ebenfalls an Rengershausen vorbeiführende Autobahn 49 sowie  das unweit gelegene Autobahnkreuz Kassel-West.

„Welche zusätzliche Lärmbelastungen sind für Rengershäuser Bürger durch die neue Trassenführung zu erwarten?“, fragte auch kürzlich Frank Böttcher von der SPD im Baunataler Stadtparlament. Nach Informationen der planenden Gesellschaft Deges sei die Ortslage von Rengershausen durch die notwendige Anpassung der Verbindungsrampe von der A49 aus Richtung Süden zur A44 und zur A7 betroffen, berichtete Baunatals Erster Stadtrat Daniel Jung daraufhin im Parlament. Die Berechnungen seien im Rahmen der Vorplanung zum Ausbau der A44 vorgenommen worden.

Nach den vorliegenden Unterlagen werden bereits jetzt die Orientierungswerte etwa der Bundes-Immissionsschutzverordnung und der Technischen Anleitung Lärm nachts und tags überschritten, so der Vizebürgermeister weiter. „Aufgrund der vorgesehenen Lärmschutzmaßnahmen verringert sich durch die neue Trassenführung die Anzahl der durch Lärm betroffenen Gebäude“, erläuterte Jung. Weiterhin nachts durch Lärm betroffen seien nach dem Neubau des Teilstücks zur Brücke lediglich bis zu 27 Gebäude von Rengershausen – bisher seien es 703. Zudem verringere sich die Grenzwertüberschreitung für die betroffenen Häuser durch eine Lärmschutzwand deutlich.

Fragesteller Frank Böttcher erkundigte sich im Parlament auch nach der Art der Lärmschutzeinrichtungen. Laut der Deges sei eine 1000 Meter lange und bis zu sieben Meter hohe Lärmschutzwand vorgesehen, berichtete der Erste Stadtrat.

Lärmschutzwände sind in diesem Abschnitt möglich, weil es sich um einen Neubau der Autobahn handelt und das Projekt damit unter die sogenannte „Lärmvorsorge“ fällt. Beim Neubau von Straßen haben Anwohner einen Anspruch auf Verbesserungen der Lärmschutzeinrichtungen, wenn bestimmte Werte des Bundes-Immissionsschutzgesetzes überschritten werden.

Auch bei einer wesentlichen Änderung an Straßen – etwa dem sechsstreifigen Ausbau einer Autobahn – könne die Lärmvorsorge greifen, erläuterten kürzlich Anita Feder-Krantz, Leiterin des Kompetenzcenters Immissionsschutz, bei Hessen Mobil in Kassel, sowie Ralf Struif, Dezernatsleiter Planung Nordhessen, im Gespräch mit der HNA. Maßgeblich sei, ob die Lärmwerte von 70 Dezibel am Tag oder 60 Dezibel in der Nacht überschritten werden.

Unter die Lärmvorsorge fällt nach Angaben von Hessen Mobil auch der geplante sechsspurige Ausbau der A 44 zwischen Kassel-West und Breuna.

Für das Teilstück bis Wilhelmshöhe gebe es ein Lärmschutzkonzept, so die Planungsbehörde. Dies berücksichtige auch die Lärmvorsorge im Hinblick auf den aktuellen Neubau der Brücke über den Straßenbahnanschluss zum VW-Werk mit zukünftig fünf durchgehenden Fahrspuren. Dieses Konzept müsse nun mit den neuen Verkehrszahlen und auf Basis der neuen Richtlinie Lärmschutz (RLS19) neu erstellt werden, so Hessen Mobil. Dann erfolge die Abstimmung mit dem Baulastträger, dem Bundesministerium für Verkehr, über die umzusetzenden Maßnahmen – etwa Wandlängen, Wand- und Wallhöhen.

Anschließend könne die für das Baurechtsverfahren notwendige Planung fortgeführt werden. Derzeit würden hierzu schon Vermessungsarbeiten getätigt und weitere Grundlagendaten, unter anderem hinsichtlich der Landespflege, erfasst. (Sven Kühling)

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