Juniorwahl in Baunatal

Mit Wahl-O-Mat und Stimmzettel: Schüler simulierten Landtagswahl

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An der Urne gibt es kein Zurück mehr: Nico Meile gibt seine Stimme ab. Lehrer Jan Lückfeld passt auf, dass jeder Schüler nur einen Stimmzettel in die Urne wirft.

Baunatal. Bei der Juniorwahl in Baunatal simulierten Schüler am Freitag die Landtagswahl. Das Konzept hat sich inzwischen bundesweit etabliert.

Eine gute Woche vor der hessischen Landtagswahl ist in einem Seminarraum schon ein stilechtes Wahllokal eingerichtet worden. Die Wahlhelfer halten Original-Stimmzettel bereit und haken die Wählerliste ab. Das Wahlvolk steht Schlange, um auf sichtgeschützten Tischen sein Kreuzchen zu machen und ihre Stimmzettel dann in die Wahlurnen zu werfen. Doch Baunatal hat die Hessen-Wahl nicht vorgezogen, sondern Schüler der Klassen 9c, 9d und der 7c der Theodor-Heuss-Schule (THS) proben hier nur den Wahlgang. Richtig wählen dürfen sie auch am übernächsten Sonntag noch nicht.

Auf Initiative des Lehrers Daniel Aschenbrenner, der zugleich Dozent für Politikwissenschaften am Studienseminar Kassel für angehende Lehrer ist, hat der Verein Kumulus die „Juniorwahlen“ an der THS organisiert, die die politische Bildung von Schülern fördern sollen.

Ab und zu werde in den Pausen unter den Schülern auch über Politik gesprochen, es sei aber selten das Hauptthema, sagen Justin Schmidt (14) und Nico Meile (15) aus der Klasse 9c. Nur als die Wahl des US-amerikanischen Präsidenten Trump anstand, habe Politik die Diskussionen der Schüler beherrscht.

Während des Wahlprojekts lernten die Schüler der drei Klassen das Wahlsystem in Deutschland und die Wahlgrundsätze des Landes kennen. In Kurzreferaten stellten sie die Programme der Parteien den Mitschülern vor und diskutierten in Rollenspielen die Unterschiede der politischen Richtungen und versuchten mit dem „Wahl-O-Mat“ herauszufinden, welche Partei ihrer persönlichen politischen Einstellung am nächsten kommt. Auch mit der Rechtspartei AfD hätten sich die Schüler auf seine Anregung hin auseinandergesetzt, berichtet Aschenbrenner. Der Verein Kumulus habe leider nur die schon bisher im Landtag vertretenen Parteien im Programm gehabt.

Das Schulprojekt habe ihr Interesse an Politik verstärkt, versichern Nico und Justin. „Ich überlege sogar, später Berufspolitiker zu werden. Auch wenn ich weiß, dass das ein steiniger Weg wird“, sagt Justin. Durch die Juniorwahl habe er ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, eine Wahlentscheidung zu treffen. „Ich freue mich schon auf die erste richtige Wahl, bei der ich mitmachen darf“, erklärt Justin.

Lehrer Aschenbrenner, der beim Wahlgang von Referendaren des Studienseminars unterstützt wurde, würde die Juniorwahl demnächst gern für alle Klassen der THS ab dem Jahrgang sieben anbieten. Die nächste Möglichkeit wäre die Europawahl im kommenden Sommer. Das Ergebnis der Probe-Landtagswahl will er geheim halten, bis das echte Landesergebnis feststeht. Sonst könnten Wähler beeinflusst werden.

Hintergrund: Juniorwahl gibt es bundesweit

Die Juniorwahl wird von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung gefördert. Zur Landtagswahl in Hessen nehmen 260 Schulen aller Schulformen an diesen Wahlen teil. Schirmherr ist der Präsident des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann. Bundesweit haben sich vergangenes Jahr eine Million Schüler von 3500 Schulen an den Wahlen beteiligt.

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