1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel
  4. Baunatal

Landwirtschaftliche Woche in Baunatal: Wenn der Roboter das Unkraut zupft

Erstellt:

Von: Peter Dilling

Kommentare

Roboter für die Feldarbeit: Der Farmdroid eines dänischen Herstellers bezieht seine Energie von PV-Modulen auf dem Dach, zupft lästiges Unkraut und lockert präzise das Erdreich um die Feldfrüchte herum. Die Besucher konnten sich das während einer Video-Präsentation ansehen.
Roboter für die Feldarbeit: Der Farmdroid eines dänischen Herstellers bezieht seine Energie von PV-Modulen auf dem Dach, zupft lästiges Unkraut und lockert präzise das Erdreich um die Feldfrüchte herum. Die Besucher konnten sich das während einer Video-Präsentation ansehen. © Peter Dilling

Automatisierung war erstmals Thema auf der Landwirtschaftswoche in Baunatal. Es ging auch um einen Roboter, der Unkraut jätet.

Baunatal – Roboter, die von allein säen, pflügen, hacken und ernten. Traktoren, die unbemannt ihre Bahnen über die Felder ziehen. Und ein Landwirt, der die Feldarbeit dieser unermüdlichen Helfer via Internet bequem von seinem Smartphone aus überwacht: Die Perspektiven einer vollautomatisierten Felder-Bewirtschaftung war nun auch erstmals Thema bei der landwirtschaftlichen Woche des hessischen Bauernverbands in der Baunataler Stadthalle.

Vorläufiges Fazit: der Trend hin zur Digitalisierung und Automatisierung in der Landwirtschaft scheint unaufhaltsam. Doch Feld-Roboter haben durchaus noch ihre Tücken und Kinderkrankheiten. Es werden angesichts des hohen technischen und logistischen Aufwands wohl eher die größeren Betriebe ihre Vorteile ausspielen können.

Eher durchwachsen sind die Erfahrungen, die der Bioland-Bauer Dietmar Kranz, der einen Hof in der Nähe von Wiesbaden bewirtschaftet, vor mehr als 50 Zuhörern – darunter vielen Mitgliedern von Maschinenringen – präsentierte. Der Landwirt hatte vor drei Jahren einen autonom arbeitenden Sä- und Hack-Roboter eines dänischen Herstellers für einen Netto-Preis von 65 000 Euro erworben und setzt ihn vor allem auf seinen Rübenfeldern ein.

Das Gefährt wird von Elektromotoren angetrieben, die ihren elektrischen Strom aus Akkus beziehen, die von Fotovoltaik-Paneelen auf dem Dach des GPS gesteuerten Roboters gespeist werden. Bevor der Roboter seine ersten Runden drehen konnte, musste der Landwirt ihn erst einmal exakt die Felder vermessen lassen und die Software auf örtlichen Gegebenheiten abstimmen.

Die ersten beiden Jahre seien schwierig gewesen, daraus machte der Landwirt keinen Hehl. Mal hätten Verschleißteile versagt, mal sei der Roboter stehen geblieben, weil die Akkus leergesaugt waren. Dabei sei es „zwingend notwendig“, dass die Maschine Tag und Nacht über die Felder fahre, weil sie extrem langsam arbeite. Auch eine Bodenwelle habe den Roboter kurzfristig außer Gefecht gesetzt. Ihm sei es dann gelungen, das Hack-Werkzeug des Gefährts mithilfe eines befreundeten Handwerkers zu optimieren, berichtete Kranz.

Auch der Hersteller habe ihn unterstützt. Der Roboter arbeite zwar sehr präzise, beim Herauszupfen des Unkrauts habe es aber noch Verbesserungsbedarf gegeben. Manchmal sei dieses schneller gewachsen, als der Roboter jäten konnte. Dennoch ist Kranz überzeugt, dass die Agrarrobotik in der Landwirtschaft angekommen sei. „Roboter können helfen, Saisonarbeitskräfte zu sparen“.

Sie könnten auch dazu beitragen, unabhängiger von Pflanzenschutzmitteln zu werden, und sie machten den Landwirt unabhängiger von schweren Maschinen. Ob sich denn der Kauf inzwischen auf Cent und Euro gerechnet habe, wurde aus dem Publikum gefragt. Die Wirtschaftlichkeit sei sicher noch ausbaufähig, antwortete Kranz. Er habe auf jeden Fall viel an Erfahrung gewonnen.

Florian Schiller, Digitalisierungsexperte bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), berichtete über die Fortschritte der Industrie bei der Entwicklung automatisierter Feldbearbeitungsgeräte. Es gebe noch eine Reihe von Hürden, räume er ein. Immerhin: Mehr als 80 Prozent der Landwirte könnten sich vorstellen, ihre Feldarbeit zu automatisieren.

Auch interessant

Kommentare