Modernisierung hat zehn Jahre gedauert

Umbau des Bahnhofs in Guntershausen nach zehn Jahren beendet

Per Knopfdruck in die Unterführung: Klaus-Peter Lorenz zeigt den Eingang zu einem der beiden neuen Fahrstühle. Auf den Gleisen wartet die Kurhessenbahn auf die Abfahrt Richtung Kassel-Hauptbahnhof.
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Per Knopfdruck in die Unterführung: Klaus-Peter Lorenz zeigt den Eingang zu einem der beiden neuen Fahrstühle. Auf den Gleisen wartet die Kurhessenbahn auf die Abfahrt Richtung Kassel-Hauptbahnhof.

Rollstuhlfahrer, Radfahrer und Fußgänger kommen am Bahnhof Guntershausen jetzt barrierefrei zu den Bahnsteigen. Zehn Jahre hat die Modernisierung gedauert – ein langer, teilweise zäher Weg.

Baunatal – „Manchmal“, sagt Klaus-Peter Lorenz, „haben wir Rollifahrer samt Rollstühlen die steilen Treppen runtergetragen“. Diese Zeiten sind vorbei. Jetzt kann der Guntershäuser Bahnexperte und Stadtverordnete ganz entspannt den Knopf vom Aufzug drücken und lautlos in die untere Ebene der Bahnhofsunterführung absinken – so wie jeder andere Fahrgast von Regiotram, Cantuszug und Kurhessenbahn auch. Nach rund zehn Jahren Bauzeit ist der barrierefreie Ausbau des Bahnhofes abgeschlossen.

„Die Barrieren sind jetzt weggeräumt“, sagt Lorenz mit zufriedenem Gesicht. Damit meint er insbesondere die alten Treppenanlagen, die vor dem Umbau in eine nach Urin stinkende, dunkle Unterführung mündeten. Zwei Aufzüge wurden von der Bahn – einer auf der Westseite, einer auf dem Mittelbahnsteig – installiert. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 2 Millionen Euro in die Modernisierung investiert.

„Durch den Bau neuer Aufzugsanlagen am Mittel- und Außenbahnsteig sowie eines neuen Weges zu Gleis 1 wird ein barrierefreier Zugang zur gesamten Station geschaffen. Der Bahnsteig wurde zudem mit einem taktilen Leitsystem sowie einem Wetterschutzhaus und neuen Sitzgelegenheiten ausgestattet“, heißt es von der Bahn zum Abschluss des Projektes.

Von der Ostseite können Fußgänger, Rollifahrer und Radfahrer aus dem Dorf über eine 2014 fertiggestellte ebenfalls hindernisfreie Zugangsrampe in die neu gebaute Unterführung gelangen. Lorenz erinnert an den beschwerlichen Weg vom Baustart 2011 bis zum Umbau von Unterführung, Bahnsteigen und Zugängen. Ein Durchbruch in den neuen Tunnel auf der Ostseite wurde erst angelegt, als Lorenz und die HNA immer wieder nachdrücklich auf diese Variante hinwiesen. Die Planer hatten diesen Zugang ursprünglich nämlich nicht im Visier, obwohl sich diese Variante anbot.

Auch Bürgermeisterin Silke Engler – damals noch Erste Stadträtin – blieb hartnäckig und setzte sich bei dem Verkehrsunternehmen für eine komplette Barrierefreiheit ein. Um ein Zeichen zu setzen, investierte die Stadt Baunatal letztendlich gemeinsam mit dem Land Hessen sogar 430 000 Euro in die auf Bahngelände gelegene Rampe. Auf erneuten öffentlichen Druck hin stimmte die Bahn im Anschluss dem Einbau von Fahrstühlen zu. Vorübergehend war nur von Schieberampen entlang der Treppen die Rede. Befeuert wurde der Vorstoß auch dadurch, dass die Fahrgastzahlen stetig stiegen. Auf dem Mittelbahnsteig hat die Bahn nun zusätzlich ein kleines Wartehäuschen aufgestellt. Dieses bietet Reisenden bei Wind, Regen und Schnee ein bisschen Schutz. Der daneben befindliche alte Warteraum im historischen Bahnhofsgebäude ist nämlich seit Jahren verschlossen. Das von einer Privatperson ersteigerte Gebäude vergammelt zusehends. Nur die Biedermeier-Fensterelemente zeugen von der Glanzzeit der Guntershäuser Bahnstation.

Kleinigkeiten, sagt Lorenz, machten den Gesamteindruck aus. Die Stadt Baunatal habe am Bahnhofsvorplatz dazu beigetragen und das „alte Eisenbahnergärtchen“ wieder auf Vordermann gebracht. „Das ist sehr schön zurechtgemacht“, betont er. „Es kommt auf das Ganze an.“

Ideen hat der Guntershäuser noch viele für die Belebung des Bahnknotenpunktes. So bringt er ein vom früheren Bürgermeister Manfred Schaub vor zehn Jahren angestoßenes Projekt wieder ins Gespräch. Das Umfeld der Station eigne sich bestens für eine Studentenwohnanlage. Von Guntershausen aus sei man schließlich in kurzer Zeit in Kassel. Und am Fluss lebe man in dem Stadtteil an der Fulda auch.

Zudem führe der Fernradweg R 1 am Bahnhof vorbei. „Da stelle ich mir ein Bistro an der Wirtschaftsbrücke vor“, sagt der pensionierte Volkshochschuldozent. Am Wichtigsten ist für Klaus-Peter Lorenz aber, dass viele Züge in Guntershausen stoppen. 127 Halte, so sagt er, habe er gerade erst gezählt – an jedem Tag von Montag bis Freitag. „Das zeigt die wiedergewonnene Bedeutung.“ (Sven Kühling)

Neue Unterführung: Hell und freundlich wirkt jetzt der 48 Meter lange Strang, der zu den Bahnsteigen führt.
Alte Unterführung: Zum Gruseln mutete der Weg durch den alten Tunnel an. Dieser wurde 2012 zugeschüttet.

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