Live-Show am 22. September

Wissenschafts-Podcaster kommen nach Baunatal: „Wir rechnen mit Esoterikern ab“

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Flammentornado und Ruhrpott-Schnauze: Die Wissenschaftler Reinhard Remfort (links) und Nicolas Wöhrl kommen mit ihrer Liveshow „Rockstars der Wissenschaft“ nach Baunatal.

Mit ihrem Podcast „Methodisch inkorrekt!“ wollen Nicolas Wöhrl und Reinhard Remfort wissenschaftliche Themen massentauglich besprechen. Wir haben mit ihnen gesprochen-

Ihre 100. Folge ihres Online-Audioformats haben die beiden Ruhrpott-Physiker vor zwei Jahren spontan als Liveshow vor Publikum aufgenommen. Jetzt gehen sie einen Schritt weiter und touren mit ihrem Programm „Rockstars der Wissenschaft“ über die Bühnen der Republik. Wir haben mit Nicolas Wöhrl über die Show, den Podcast und Schrott aus China gesprochen.

Herr Wöhrl, Sie stellen mit Ihrem Kollegen Reinhard Remfort in Ihrem Podcast wissenschaftliche Publikationen und Experimente vor. Die Episoden dauern bis zu vier Stunden. Wer ist Ihr Zielpublikum?

Das sind erst mal wir beide. Wir unterhalten uns gerne über aktuelle Forschung, sind neugierig. So hat es angefangen: Wir alleine in unserem Büro. Aber natürlich denken wir auch an unsere Hörer. Wir haben zwar nie eine statistische Erhebung gemacht, aber durch Zuschriften bekommt man schon heraus, dass es vor allem Männer Mitte 30 sind, die die Länge der Episoden nicht scheuen, uns beim Pendeln zur Arbeit oder bei anderen langweiligen Alltags-Tätigkeiten hören.

Ihre Gespräche klingen eher nach Studi-Stammtisch in der Ruhrpott-Kneipe als nach Uni-Hörsaal. Hilft der Frei-Schnauze-Sprech, Menschen zu erreichen, die sich sonst nicht mit Gravitationsastronomie oder den Auswirkungen der Corioliskraft auseinandersetzen würden?

Das ist uns sehr wichtig. Wir wollen die Barriere zwischen „dem Wissenschaftler“ und „der Bevölkerung“ verkleinern. Das funktioniert vor allem über uns als Personen. Wir wollen zeigen, dass wir zwei ganz normale Typen sind, die sich zwar für Wissenschaft interessieren, daneben aber auch andere Dinge machen – gerne mal ein Bierchen trinken, sich für Computerspiele interessieren. Ich bin sicher, dass dabei die Sprache hilft – und auch unsere Bescheidenheit. Uns ist klar, dass wir nicht alles wissen. Wir sind nicht mal gute Wissenschaftler, aber gehen damit offen um. Wir geben Fehler zu und erzählen, was im Labor schief gelaufen ist.

Wie kam es zu der Idee, daraus eine Bühnenshow zu machen?

Wir wollten unsere Hörer kennenlernen. Mit Episode 100 sind wir vor zwei Jahren an einem Wochenende aufgetreten. Außerdem standen wir immer mal wieder bei Kongressen und Kinder-Universitäten mit unseren Experimenten auf der Bühne. Das hat uns motiviert zu sagen: Das wollen wir regelmäßiger machen.

Was erwartet die Zuschauer in der Show?

Wir wollten keinen klassischen Podcast auf die Bühne bringen, sondern das Konzept an die Bühne anpassen. Wir haben viele Experimente, wie etwa einen Flammen-Tornado. Außerdem rechnen wir mit Esoterikern und unwissenschaftlichen Theorien ab, die im Internet verbreitet werden.

Mit welchem Trugschluss müssen Sie als Mann der Wissenschaft in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis häufig aufräumen?

Dass Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus wirkt. Vielen ist nicht klar, dass es sich bei Homöopathie nicht um natürliche Medizin, sondern um Esoterik handelt.

Können Sie das kurz erklären?

Es wird eine Grundsubstanz, die eigentlich genau jene Symptome hervorruft, die man bekämpfen will, in mehreren Stufen verdünnt, bis kein Atom der Ausgangssubstanz mehr übrig ist. Homöopathen sagen aber, die „Information“ der Substanz sei auf das Wasser übergegangen. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, wie das ablaufen soll.

Apropos Quatsch: Im Podcast stellen Sie auch regelmäßig sogenannte China-Gadgets vor. Was ist das?

Auf dem chinesischen Markt gibt es eine Menge erstaunlicher Gegenstände zur Lösung alltäglicher Probleme. Diverse Schneidinstrumente für Melonen zum Beispiel. Oder ein Teemännchen, das pinkelt, wenn man heißes Wasser drüber kippt. Aber häufig gibt es bei solchem Schwachsinn einen wissenschaftlichen Hintergrund. Daran etwa, wie weit das Teemännchen pinkelt, kann man die Temperatur des Wassers ablesen. Wir stellen auch in der Show ein China-Gadget vor.

Ihr Programmtitel lautet „Rockstars der Wissenschaft“ – welchem berühmten Duo aus der Musikgeschichte sind Sie und Reinhard Remfort am ähnlichsten?

(lacht) Darüber habe ich noch nie nachgedacht. (Überlegt)Vielleicht John Lennon und Yoko Ono.

Ob Ihr Kollege da mitgeht?

Noch habe ich ja nicht gesagt, wer ich von diesem Duo bin.

Sie küren in jeder Podcast-Folge ein Bier der Woche. Haben Sie schon mal Hütt getrunken?

Ich glaube nicht. Ist das eine lokale Spezialität?

Genau.

Das teste ich sehr gerne. Falls das hier jemand liest, der zu unserer Show kommt, würde ich mich freuen, wenn zwei Flaschen Bier auf die Bühne gestellt werden.

Karten für „Methodisch inkorrekt! – Rockstars der Wissenschaft“ am 22. September, 20 Uhr (Einlass 19 Uhr), in Baunatal gibt es auch bei reservix.de für 27,40 Euro (ermäßigt 20,80 Euro) zuzüglich Servicegebühr und bei eventim.de für 30 Euro (ermäßigt 22,25 Euro). minkorrekt.de

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