Vogelgrippe: Tiere müssen ab Freitag im Stall bleiben

Lockdown gilt auch für Federvieh im Landkreis

Ein Mann steht inmitten von Hühnern und hält selbst eines in der Hand. Im Hintergrund ist ein Stall zu sehen.
+
Letzter Auslauf vor dem Lockdown: Am Mittwoch durften Axel Schmidts Hühner noch frei herumlaufen. Ab Freitag gilt für Geflügel im Landkreis und auch auf dem Hof Schmidt in Baunatal-Guntershausen die Stallpflicht.

Zum Schutz vor der Vogelgrippe dürfen Geflügelhalter in Teilen des Landkreises Kassel ihre Tiere nicht mehr frei laufen lassen.

Kreis Kassel/Baunatal – Nach dem Lockdown für Menschen folgt nun der für Geflügel: Ab dem morgigen Freitag gilt eine Stallpflicht, die das Veterinäramt beim Landkreis Kassel angeordnet hat. Das hat nichts mit dem Coronavirus zu tun, dafür aber mit einem für die Tiere gefährlichen Virus: der Geflügelpest, umgangssprachlich auch Vogelgrippe genannt. Weil die Infektionsgefahr durch Wildvögel groß ist, müssen Halter sonst frei laufende Hühner, Enten und Gänse in geschlossenen Ställen oder überdachten Volieren halten. Das betrifft auch Tiere wie Fasane, Laufvögel und Wachteln.

Für Geflügelhalter Axel Schmidt ist die Stallpflicht der richtige Weg. Der 35-Jährige führt den Hof Schmidt in Baunatal-Guntershausen – nur einen Steinwurf von der Fulda entfernt. „Hier sind viele Wildvögel und wir müssen aufpassen“, sagt er. Knapp 700 Hühner hält der Landwirt. Die Nächte verbringen sie im Hühner-Mobil, tagsüber wuseln sie über die Wiese. Der Freigang ist aber vorerst tabu: Die Tiere müssen auch tagsüber im Mobil bleiben. „Lockdown für die Hühner“, sagt Schmidt.

Schön sei das nicht für die Tiere, aber es ließe sich nicht vermeiden. „Ich werde ihnen extra Stroh geben, dann sind sie beschäftigt.“ Indes ist Schmidt froh, dass er aktuell keine Gänse und Enten hält. Die bekomme er wieder ab Juni – fast 1000 Tiere. „Müssten wir die drinnen unterbringen, wäre das ein großer Aufwand.“ Das habe er bereits erlebt: Die Tiere lebten in der Maschinenhalle.

Jetzt hofft der 35-Jährige, dass die Wildvögel ihrer Wege ziehen und die Stallpflicht schnell aufgehoben wird. Sorgen wegen der Geflügelpest mache er sich nicht: „Das bringt nichts.“

Auch der Kreisbauernverband bewertet die Stallpflicht positiv: „Die Infektionsgefahr durch Zugvögel ist groß“, sagt Stefanie Wittich. Nichtsdestotrotz verlange die Stallpflicht Landwirten und Tieren einiges ab: Nicht jeder habe Möglichkeiten, dem Geflügel genügend Fläche einzuräumen. Das sei gerade bei Gänsen und Enten problematisch, da sie mehr Platz bräuchten als Hühner.

Obendrein befürchtet Wittich, dass es hier und da auch zu einer Art Lagerkoller kommen könnte: Da sie Freigang gewohnt sind, könnten die Tiere sich gegenseitig angreifen. Viel schlimmer wären allerdings die Auswirkungen einer Infektion in einem Betrieb. „Dann müssten alle Tiere getötet werden, was auch ein großer wirtschaftlicher Verlust wäre.“

Eine gute Nachricht gibt es jedoch: Erst nach 16 Wochen dürften Landwirte ihre Freilandeier nicht mehr als solche verkaufen. Bis dahin gilt eine Frist, die ihre Einnahmen stabil hält. Denn bei 100 Eiern der Größe M mache das vier Euro Unterschied beim Erzeugerpreis aus. (Moritz Gorny)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.