Marodes Sportbad im Aqua-Park

Neubau oder Sanierung: Baunatal muss sich auf eine Sportbad-Variante festlegen

In einem Wasserbecken in einem Schwimmbad schwimmen Menschen.
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Platz für Training und Wettkämpfe: Das Sportbad im Aqua-Park wird unter anderem von den Schwimmvereinen und den Schulen genutzt. (Archivfoto)

In den vergangenen Monaten wurde in Baunatal heftig über das marode Sportbad im Aqua-Park gestritten. Bis 21. Oktober muss die Stadt eine Variante erarbeiten: Neubau oder Sanieren?

Baunatal – Die Vereine hatten sogar die Befürchtung, dass das Sportbecken, in dem neben Training und Wettkämpfen etwa auch die Rettungsschwimmer-Ausbildung der DLRG und Schwimmunterricht für Kinder stattfinden, ganz dicht gemacht wird.

Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache. Bis zum 21. Oktober muss das Rathaus eine Variante erarbeiten, um sich für Neubau oder Sanierung die vom Bund bereits angekündigte Förderung von drei Millionen Euro zu sichern.

Förderantrag könnte auf Neubau geändert werden

Und so sehen die Schritte bis zu diesem Termin aus. Am 12. August findet laut Stadtsprecherin Susanne Bräutigam ein Koordinierungsgespräch mit dem Projektträger Jülich statt. Das Büro ist vom Bund mit dem Begleiten des Vorhabens und dem Abwickeln der Finanzen beauftragt.

Danach blieben der Verwaltung zehn Wochen, um eine baufachliche Prüfung und eine Kostenkalkulation vorzulegen, so die Sprecherin. Erst daraufhin wird der Antrag auf die Förderung gestellt.

Rausstellen muss sich allerdings noch, ob das bestehende Bad saniert wird oder ob es neben dem Freizeitbad im Aqua-Park ein komplett neues Sportbad gibt. Bislang wurde laut Bräutigam – auch in einer Projektstudie aus dem Jahr 2012 – lediglich von einer Sanierung gesprochen.

Wenn sich aber herausstellt, dass ein Neubau günstiger wäre als eine Sanierung im Bestand, dann könnte der Förderantrag von Sanierung auf Neubau geändert werden, erläutert die Sprecherin.

Letztendlich entscheiden die politischen Gremien

Damit sich die Stadtverordneten ein Bild von neuen Hallenbädern machen können, soll Mitte Juli eine Exkursion mit den Entscheidern zu mehreren Anlagen stattfinden.

Laut Brätigam soll unter anderem das Schwimmbad in Werdohl in NRW unter die Lupe genommen werden. Dort hat die Kommune für ein Hallenbad mit einem 25-Meter-Sportbecken mit vier Bahnen weniger als fünf Millionen Euro bezahlt. Laut Bräutigam soll an diesem Tag auch ein weiteres Bad in der Region Kassel besichtigt werden.

Parallel zu dieser Auswahl werde ein externes Büro mit einer Variantenprüfung beauftragt. Dabei soll die neun Jahre alte Projektstudie zur Badsanierung auf Vordermann gebracht werden.

Letztendlich entscheiden dann die politischen Gremien über die Zukunft des Sportbades. Vorgesehen sind eine interfraktionelle Sitzung mit Workshop und eine Konferenz zur Auswahl einer Variante. Dann folgt der endgültige Beschluss der Stadtverordnetenversammlung.

Chronologie des Aqua-Parks: Er gilt als Fass ohne Boden

Der Aqua-Park mit Sportbad und Freizeitbad gilt seit Jahrzehnten als Millionengrab. Hier ein Überblick:

Schon Ende der 80er-Jahre explodierten die Kosten für den Umbau des Bades. Kalkuliert waren 12,5 Millionen Mark (6,4 Mio. Euro). Tatsächlich gab die Stadt 24 Millionen Mark (12,2 Mio. Euro) aus. Das markanteste Beispiel war der Einbau von Rollwänden, damit sich die Seitenteile und das Dach im Sommer öffnen lassen.

Die Rollen unter den riesigen Türen funktionierten schon kurz nach dem Einbau nicht mehr richtig und ließen sich irgendwann gar nicht mehr öffnen. Für mehrere Millionen Euro wurde nachgebessert.

Dringend sanierungsbedürftig: Zwischen den Rolltoren des Sportbades klaffen große Lücken. Im Winter kann dort ungehindert eiskalte Luft ins Bad ziehen. (Archivfoto)

Zuletzt wurde das Freizeitbad 2008 für fünf Millionen Euro umfassend modernisiert. Doch auch bei diesem Umbau wurde offensichtlich gepfuscht. 2013 platzten die ersten Fliesen des neuen Bodens schon wieder ab. Feuchtigkeit war von den Beckenabgrenzungen in die unteren Bodenschichten eingedrungen.

Auch das Dach wird erneuert – für mehr Geld als kalkuliert

Die Firmen hatten nach Ansicht eines vom Landgericht bestellten Gutachters sowie der Stadtwerke nicht sorgfältig gearbeitet. Die Stadt machte das Bad Mitte 2014 für Monate dicht und gab 1,35 Millionen Euro für die erneute Sanierung aus. Es läuft seit Jahren ein Gerichtsverfahren zwischen der Stadt und den Baufirmen.

Bei Kontrollen des ebenfalls 2007/2008 erneuerten Daches im Jahr 2017 fiel schließlich auf, dass Feuchtigkeit in die Konstruktion eindringt. Dämmschichten und Verkleidungen hatten sich komplett aufgelöst.

Seit März 2019 läuft die Erneuerung der Konstruktion. Diese ist größtenteils abgeschlossen. Zunächst wurde mit 1,6 Millionen Euro kalkuliert, mittlerweile geht man im Rathaus von einem Sanierungsaufwand von 2,7 Millionen Euro aus. (Sven Kühling)

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