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Mehr Wohnraum in der Smart-City - Baunatals Bürgermeisterin Manuela Strube blickt im Interview auf 2023

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Von: Sven Kühling

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Unterwegs mit dem Skateboard: Zwar rollt Manuela Strube nicht selbst über die Rampen am Rande des Stadtparks, aber sie wartet gerne hier auf ihren Sohn, der auf dem Gelände mit Begeisterung übt.
Unterwegs mit dem Skateboard: Zwar rollt Manuela Strube nicht selbst über die Rampen am Rande des Stadtparks, aber sie wartet gerne hier auf ihren Sohn, der auf dem Gelände mit Begeisterung übt. © Sven Kühling

Corona, Krieg, Inflation –2022 hat unser Leben kräftig durcheinander gewirbelt. Wie erleben die Kommunen diese Zeit? Was sind die Herausforderungen? Wir fragen bei den Bürgermeistern nach. Den Auftakt macht Manuela Strube (SPD) aus Baunatal.

Baunatal – Seit über einem Jahr lenkt Manuela Strube (SPD) die Geschicke der VW-Stadt. Wir haben mit ihr über das vergangene und künftige Jahr gesprochen.

Welches ist für Sie das wichtigste Ereignis 2023 in Baunatal?

Anstatt eines Neujahrsempfangs werden wir erstmalig einen Jahresempfang ausrichten, der voraussichtlich im Juli stattfinden wird. Dann finden bereits im Juni die Special Olympics World Games statt. Wir werden als Host Town Dschibuti empfangen. Und im Juli wird es eine Bürgerversammlung zur Transformation der Arbeitswelt geben. Und natürlich veranstalten wir wieder ein Stadtfest, eine Automobilausstellung, ein Weinfest und den Nikolausmarkt. Das wichtigste kommunalpolitische Ereignis ist die Verabschiedung des Haushaltes Ende Januar.

Was gibt es für Ideen, um das Leben in Baunatal noch lebenswerter zu gestalten?

Bei der Familienfreundlichkeit gilt es erstmal, den Standard zu halten. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind bei uns weitere große Themen. Und wir wollen neuen Wohnraum schaffen.

Wo soll in Baunatal Wohnraum entstehen?

Wir wollen diesen in allen Stadtteilen schaffen. Es muss eine Mischung sein aus Mehrgeschosswohnungsbau, Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Reihenhäusern.

Sie haben es im Haushaltsgespräch angedeutet, dass bei Großenritte ein großes Baugebiet kommen soll. Wo ist das genau geplant?

Das ist noch nicht entschieden, das muss sich im Rahmen der Siedlungsentwicklung zeigen.

Wie geht es mit der Sanierung des maroden Sportbades im Aqua-Park weiter?

Bei der Sanierung des Sportbades gibt es einen politischen Beschluss, dass wir erstmal nur Geld als überplanmäßige Ausgabe bereitstellen, wenn es beispielsweise zu Defekten an Teilen oder Technik kommt. Natürlich muss man irgendwann über den großen Wurf entscheiden, wann das Sportbad von Grund auf saniert wird.

Wie geht es in Sachen Baunataler Stadtmuseum weiter? Die alte Fläche in Altenritte wird ja mittlerweile als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Das Stadtmuseum in der früheren Form gibt es ja nicht mehr. Es ist ausgeräumt worden. Die Ausstellungsstücke wurden auf andere Museen verteilt. Ich glaube, dass wir die Räume in der Alten Schule auch in den nächsten beiden Jahren noch als Flüchtlingsunterkunft nutzen werden. Im Anschluss sollen beide Gebäude verkauft werden, so wie es ursprünglich einmal vorgesehen war.

Baunatal soll zur Smart-City werden. Was bedeutet das für die Baunataler?

Mit Smart-City verfolgen wir zwei Ziele: Einmal die Digitalisierung. Da wollen wir den Zugang zu Dienstleistungen der Stadtverwaltung unter dem Stichwort Online-Zugangsgesetz einfacher gestalten. Zudem haben wir eine Förderung durch das Land Hessen über eine halbe Million Euro bekommen. Da geht es etwa um die Erfassung des Energieverbrauchs in den städtischen Liegenschaften und eine Parkraumüberwachung. Beim Einfahren ins Stadtgebiet sieht der Autofahrer dann bereits auf Tafeln, wo es noch freie Parkplätze gibt. Weiterhin sind Aktionen mit den Einzelhändlern denkbar, wo Besucher der Innenstadt, die nicht mit dem Auto kommen, Rabatte erzielen können.

Wie will sich die Stadt zu den Special Olympics präsentieren?

Wir wollen selbstbewusst als Inklusionsstadt auftreten. Zeigen, dass Inklusion für uns normal ist. Wir wollen ein Programm drumherum gestalten, in dem wir auch Aktionen anbieten wie zum Beispiel zum Thema Einsteigen mit dem Rollstuhl in Busse und Bahnen, gemeinsam mit dem NVV. Außerdem wollen wir ein inklusives Sportfest veranstalten.

Wo soll dieses Sportfest stattfinden?

Da sind wir mit unserer großen Arbeitsgruppe noch in der Abstimmung. Dazu gehört, dass Schüler mit und ohne Behinderung in den Schulen zusammen Sport treiben. Aber natürlich sollen auch das Parkstadion und der Stadtpark mit einbezogen werden. Ganz besonders freue ich mich persönlich darauf, dass ich mit unserer Gastmannschaft aus Dschibuti zur Eröffnung am 17. Juni mit ins Berliner Olympiastadion einlaufen darf.

Die Gewerbesteuer, die von VW nach Baunatal fließt, ist rückläufig. Wo könnten sich mittelfristig neue Einnahmequellen ergeben?

Wir haben ja noch Gewerbeflächen, etwa in einem Mischgebiet bei Großenritte und reine Gewerbeflächen bei Rengershausen. Und wir setzen Hoffnung auf das Gewerbegebiet Sandershäuser Berg, weil wir uns da interkommunal entwickeln können. Aber natürlich sind auch unsere Flächen endlich.

Wo liegen die größten Verkehrsprobleme in Baunatal?

Mit dem Lückenschluss der A 49 bis zur A 5 steigt die Verkehrsbelastung auch bei uns in Baunatal. Da geht es vor allem um besseren Lärmschutz.

Das ist ja ein Dauerbrenner – etwa im Abschnitt bei Kirchbauna. Wie soll das Thema neu aufgegriffen werden?

Ja es ist ein Dauerbrenner. Es war schon mein Thema im Landtag. Und das führe ich hier fort. Im Jahr 2021 haben wir bereits zwei sogenannte Lärmsensoren-Boxen angeschafft und diese in den Stadtteilen Kirchbauna und Rengershausen aufgehangen. Diese Boxen sollen den tatsächlichen Lärm messen. Gemeinsam mit der Uni Kassel haben wir ein sogenanntes Dashboard erstellt, um diese Messdaten für die Bevölkerung darzustellen. Außerdem werden wir unsere Lärmsensoren-Boxen in Zusammenarbeit mit der Uni Mittelhessen eichen lassen, damit sie am Ende auch anerkannt werden. Im Anschluss treten wir mit der Autobahn GmbH in Kontakt mit dem Ziel, dass man die Lärmbelastung hier nicht mehr errechnet, sondern dass man die tatsächlichen Gegebenheiten nimmt. Außerdem wollen wir darauf hinwirken, dass es 2025 eine neue Verkehrszählung gibt, wenn die Autobahn ausgebaut ist.

Haben Sie auch den Neubau der Bergshäsuer Brücke im Blick?

Ja, da sind auch Veränderungen für Baunatal zu erwarten. Das spielt für Rengershausen eine große Rolle. Wir sind auf die Pläne gespannt. Also die A 49 und die Bergshäuser Brücke – das sind die beiden großen Themen. In Baunatal selbst haben wir weitere Tempo 30-Zonen geschaffen. Auf den Hauptverkehrsstraßen muss aber weiterhin Tempo 50 möglich sein, um den Verkehrsfluss zu gewährleisten.

Wann wird die Radschnellverbindung Kassel-Baunatal fertig sein?

Die Raddirektverbindung auf Baunataler Seite ist im Prinzip fertig. Und jetzt hängt alles an der Stadt Kassel. Wir werden nach der Oberbürgermeister- oder Oberbürgermeisterin-Wahl mit der Stadt Kassel dazu ins Gespräch gehen. Erst soll die Schnellverbindung Kassel-Vellmar abgeschlossen werden. Dann kommt die Route nach Baunatal dran.

Was ist außerhalb des Weltfriedens Ihr persönlicher Wunsch für das neue Jahr?

Gesundheit, Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis für die aktuelle Situation in Baunatal.

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