Schaden in Höhe von mehreren 1000 Euro

Mietnomaden in Baunatal: Böses Erwachen nach knapp drei Monaten

+
Sie kämpft für besseren Schutz vor Mietnomaden: Rosemarie Bugiel hat eine Unterschriftenaktion gestartet. Sie habe inzwischen viele betroffene Vermieter gesprochen, erzählt sie. 

Baunatal. Das Geld blieb aus, sie wurde von den Mietern vertröstet: Die Baunatalerin Rosemarie Bugiel fürchtet, auf Mietnomaden hereingefallen zu sein.

Die Rente mit der Vermietung einer Wohnung aufbessern. Das schien Rosemarie Bugiel eine gute Idee. Und die Sache ließ sich gut an. Ein Pärchen zeigte Interesse. „Vom Erscheinungsbild her waren sie sehr höflich und nett“, erzählt die Rentnerin. Auch dass das Jobcenter die Miete bezahlen sollte, störte Bugiel nicht. „Ich habe eine soziale Ader“, sagt sie. Doch nach der Schilderung der Baunatalerin folgte das böse Erwachen schon knapp drei Monate nach dem Einzug. Die Miete sei plötzlich ausgeblieben. Sie sei von den Mietern immer wieder vertröstet worden, inzwischen sei für sie ein Schaden von mehreren 1000 Euro aufgelaufen. Bugiel kündigte, stellte Strafanzeige wegen Mietbetrugs, erhob Räumungsklage. In Kürze ist Prozesstermin vor dem Amtsgericht Kassel.

Sie sei Opfer ihrer eigenen Gutgläubigkeit geworden, sagt Bugiel. Erst später habe sie erfahren, dass ihre Mieter schon in einem guten Dutzend weiterer Fälle den Mietzins schuldig geblieben und auch nach einer Kündigung nicht ausgezogen seien. Sie sei Mietnomaden aufgesessen, meint die Baunatalerin. Heute wisse sie, dass man vor einer Vermietung umfassende Auskünfte zur Seriosität und Solvenz der Interessenten einholen sollte. „Aber wer von den älteren Menschen weiß das denn“, sagt Bugiel.

Sie hat eine Unterschriftenaktion gestartet. Die Listen will sie bei der Hessischen Landesregierung einreichen. Diese solle sich für einen besseren Vermieterschutz und kürzere Räumungsfristen einsetzen. „Sie dürfen ja als Vermieter nicht einfach Strom und Wasser abstellen, wenn die Miete ausbleibt“, sagt Bugiel. Auch die Einrichtung einer „schwarzen Liste“ über unseriöse Mieter schwebt der Baunatalerin vor.

Auskunftsservice über Mieter

Im Internet gibt es eine Reihe von Vereinen und Firmen, die einen Auskunftsservice über Mietnomaden zu ihrem Geschäftsmodell gemacht haben. Ein Register über die „schwarzen Schafe“ hält Wolfram Kieselbach, Vorsitzender des Kasseler Vermietervereins Haus und Grund, aus Datenschutzgründen für unzulässig. Sehr wohl könne der Vermieter von Mietinteressenten aber umfassende Auskünfte zu seiner finanziellen Lage und eventuellen Vorvermietern verlangen. Vor der Schlüsselübergabe sollte der Vermieter prüfen, ob auch die Kaution auf seinem Konto eingegangen ist. Auch das hatte Bugiel versäumt.

Momentan gebe es – anders als noch vor sechs Jahren – wenig Fälle von Mietnomadentum, sagt Kieselbach. Das könne daran liegen, dass die Nachfrage nach Wohnungen zugenommen hat und Vermieter dadurch eine bessere Auswahl an Mietern haben. Das Gesetz erlaube bei Mietnomaden ein vereinfachtes Räumungsverfahren. Wenn sich die Räumung dennoch hinziehe, liege das an der hohen Arbeitsbelastung der Gerichte. 

Wer die Aktion unterstützen möchte, kann sich bei Rosemarie Bugiel melden: rosi.bugiel@yahoo.de 

„Nebensächliches Problem für uns“ 

„Nebensächliches Problem für uns“ Das Problem von Mietnomaden sei marginal, sagt Christian Wedler, Bereichsleiter der Wohnungsgesellschaft GWH, die im Landkreis Kassel viele Miethäuser besitzt – unter anderem am Baunsberg in Baunatal. Seine Gesellschaft frage mithilfe eines Interessentenfragebogens umfassend die Bonität der künftigen Mieter ab. Das schließe allerdings nicht aus, dass Mieter nach dem Einzug in finanzielle Probleme geraten können. Die GWH habe eine Sozialberaterin, die den Mietern in solchen Fällen zur Seite stehe. 

Stichwort: Mietnomaden  

Als Mietnomaden werden Menschen bezeichnet, die ausziehen, ohne die aufgelaufenen Mietschulden zu begleichen. Da sich solche Personen nicht für eine Wohnung verantwortlich fühlen und sich häufig fluchtartig über Nacht verziehen, kommt es vor, dass nach dem Auszug heruntergekommene und teils stark vermüllte Unterkünfte hinterlassen werden. 

Der Begriff ist eine Anspielung auf die Lebensweise von Nomaden: das sind Wandervölker ohne Sesshaftigkeit. Schätzungen zufolge beziffert sich der jährliche Schaden für Vermieter in Deutschland auf etwa 200 Millionen Euro. Aufgrund der geringen freiwilligen Betroffenenmeldungen gibt es allerdings keine seriösen Zahlen. Eine fristlose Kündigung kann der Vermieter nach deutschem Recht aussprechen, wenn der Mieter insgesamt mit dem Betrag von zwei Monatsraten im Rückstand ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.