Standort hat Magnesium-Gießerei abgebaut

Baunataler VW-Werk: Mit Aluminium in die Zukunft

Zeigen die neuen Aluminium-Bauteile für die VW-Elektromotoren: Michael Klee (von unten), Gerrit Mihr, Klaus Reindel und Fertigungsleiter Siegfried Wüst.
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Zeigen die neuen Aluminium-Bauteile für die VW-Elektromotoren: Michael Klee (von unten), Gerrit Mihr, Klaus Reindel und Fertigungsleiter Siegfried Wüst.

Der Wandel von der Verbrennungstechnik hin zum Elektroauto ist im VW-Werk Kassel in Baunatal allgegenwärtig. Überall werden Produktionsteile, die für den Bau der neuen Elektromodelle nicht mehr benötigt werden, abgebaut. Jetzt wurde auch die erst vor sieben Jahren eröffnete zukunftsweisende Magnesium-Gießerei wieder dicht gemacht.

Kassel/Baunatal –In die Halle 8e – die Mitarbeiter sehen das neue „e“ passend als Symbol für „Elektro“ – sind bereits Druckgussmaschinen eingezogen, mit denen sich Aluminium-Gehäuse für die Elektroantriebe gießen lassen. Bisher wurden da täglich bis zu 2600 Magnesium-Gehäuse für Handschaltgetriebe gefertigt.

2014 sei die Magnesium-Gießerei an dieser erst eröffnet worden, berichtet Fertigungsleiter Siegfried Wüst. Weil Magnesium leichter sei als Aluminium, sei der Werkstoff sehr gefragt gewesen, sagen Wüst und sein Mitarbeiter Michael Klee. „Damals wurde sehr auf Magnesium gesetzt“, betont Klee. Ein Magnesium-Gehäsuse ist etwa ein Drittel leichter als eines aus Aluminium.

Die Arbeit mit Magnesium berge aber auch Risiken, betont Siegfried Wüst. Als Hauptrisiko nennt er die Gefahr eines Feuers, wie das Großfeuer im Baunataler Werk 2005 gezeigt habe. Da hatte vermutlich ein Blitz einen Brand auf dem Lagerplatz für Magnesium-Schrott entfacht. Die Feuerwehr brauchte Stunden, um ein Übergreifen der Flammen auf die Werkshallen zu verhindern und die Flammen zu ersticken. „Magnesium ist ein Risiko-Thema.“

Während schon die Produktion des legendären Handschaltgetriebes MQ250 zugunsten des Elektromotorenbaus aufgegeben wurde, wird seit Juni nun auch der Handschalter MQ350 nicht mehr am nordhessischen Standort gebaut. Das letzte Gehäuse aus Magnesium habe die Halle im Sommer verlassen, erläutert Wüst.

Riesige Druckguss-Maschinen für für Aluminium-Gehäuse haben inzwischen Einzug gehalten. Ein Anlagenführer, so Wüst, könne vier diese Kolosse gleichzeitig steuern. Diese drücken mit einer Kraft von 1800 bis 2000 Tonnen zu. 700 Grad heißes Aluminium wird zuvor in die Form gepresst. Heraus kommen insbesondere Gehäuse für die in Baunatal gebauten Elektromotoren „Base plus“ und „Base minus“.

Auf den Anlagen, so Wüst, werden künftig aber nicht nur Teile für die Elektroautos von VW gefertigt, sondern auch für die Elektro-Plattform PPE für die Premiummodelle von Audi und Porsche. Stückzahlen nennen die Verantwortlichen allerdings nicht.

Die Zahl der Mitarbeiter in der Halle hat sich mit der Umstellung von Magnesium auf Aluminium halbiert. Während in der Magnesium-Gießerei pro Schicht acht Beschäftigte eingesetzt waren, seien es jetzt nur noch vier, so Wüst.

Hat die Technik im Blick: Teamsprecher Aydin Yücel an einer der Druckguss-Maschinen.

Dennoch wirbt der Fertigungschef für den Wandel. Nur so könne das Werk fit für die Zukunft gemacht werden, sagt er. Und: Viele Mitarbeiter hätten sich bei der Neugestaltung der Halle eingebracht. Das helfe dabei, den Zuschlag auch für weitere Produkte zu bekommen. Michael Klee bestätigt das und beschreibt die Herausfoderung so: „Die Mitarbeiter haben 20 Jahre Magnesium gemacht. Jetzt müssen sie von heute auf morgen mit der neuen Technik umgehen.“

Übrigens: Die Verantwortlichen nennen noch zwei Umweltaspekte, die die Umstellung auf Aluminium mit sich gebracht habe. So setze der Fertigungsprozess wesentlich weniger CO2 frei, sagt Wüst. Und in direkter Nachbarschaft befinde sich die neue, eigene Recyclinganlage für Aluminium-Späne (HNA berichtete), auf kürzestem Weg könne die Halle 8e aus dieser mit flüssigem Alu beliefert werden. (Sven Kühling)

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