Mit Vielfalt und Exoten den Wald retten

Baunataler Forstwirt hat neuartigen Pflanzspaten erfunden

Schnell und rückenschonend: Ingo Siebert aus Baunatal führt vor, wie leicht man mit seinem Spaten den Waldboden für das Pflanzloch aufbricht.
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Schnell und rückenschonend: Ingo Siebert aus Baunatal führt vor, wie leicht man mit seinem Spaten den Waldboden für das Pflanzloch aufbricht.

Der Baunataler Forstwirt Ingo Siebert hat einen neuartigen Pflanzspaten namens Isie-Pro entwickelt und patentieren lassen.

Baunatal/Schauenburg - Daneben experimentiert er in seinem eigenen kleinen Privatforst in Schauenburg-Hoof, wie die Zukunft des Waldes aussehen könnte. Vergangenes Jahr hat er dafür den Deutschen Waldpreis erhalten. Der Wald leidet. Unter zunehmend extremen Stürmen, Trockenheit und dem gefräßigen Borkenkäfer, der vor allem Fichten und Buchen dezimiert. Riesige, zerstörte Flächen müssen wiederaufgeforstet werden, nicht nur im Interessentenwald von Großenritte.

Auf einer Windwurffläche führt Siebert seine Erfindung vor, die helfen soll, dass Waldbesitzer im unwegsamen Gelände wenigstens deutlich schneller und weniger Kräfte zehrend als bisher die kahlen Flächen mit frischen ein- und zweijährigen Setzlingen wiederaufforsten können. Siebert ist Forstbeamter bei der Forstwirtschaftlichen Versuchsanstalt in Rheinland-Pfalz, seine Familie besitzt seit sechs Generationen Anteile am Genossenschaftswald in Großenritte.

Auf die Idee, einen neuartigen Pflanzspaten zu entwickeln, kam der heute 33-Jährige als Student während eines Praktikums bei kanadischen Forstbetrieben. Die dortigen Waldarbeiter hätten mit einem Spaten bis zu 300 Baumsetzlinge pro Stunde geschafft. In Deutschland, wo man beispielsweise eine Wiedehopf-Hacke dafür benutze, seien es nur 50 bis 80 Stück.

Zurück in Deutschland experimentierte der Baunataler in der Werkstatt seines Vaters mit einem neuen Modell nach dem Vorbild der Kanadier. Heraus kam schließlich ein Spaten mit Holzgriff und dreifach geschliffenen nach unten sich verjüngendem Blatt, dass den Waldboden wie Butter aufbricht. Die Arbeit mit dem Spaten sei sehr rückenschonend. „Viele Waldarbeiter klagen über Rückenschmerzen“, sagt er.

Neuartiger Pflanzspaten: Aufgrund der hohen Nachfrage drohen Lieferschwierigkeiten

Nachdem er über das Werkzeug einen Aufsatz in einer Fachzeitschrift geschrieben habe, hätten sich viele Interessenten gemeldet. Sogar Wissenschaftler der Uni Göttingen hätten den Spaten getestet, berichtet Siebert. Inzwischen hat er eine Firma gefunden, die seinen von einem deutschen Unternehmen produzierten Spaten vertreibt. Momentan drohten wegen der hohen Nachfrage schon Lieferschwierigkeiten.

Möglichst schnell wieder die zerstörten Waldflächen aufzuforsten, reiche nicht, sagt Siebert. Man müsse den Wald zusätzlich mit neuen, widerstandsfähigeren Baumsorten bestücken, ihn so dem Klimawandel anpassen. Er selbst experimentiert in seinem drei Hektar kleinen Wald mit 33 verschiedenen Arten, darunter auch exotischen Bäumen wie der Küstentanne und dem großblättrigen Ahorn. „Der Diversifizierung gehört die Zukunft. Wenn im Wald 30 verschiedene Baumsorten stehen, können schon mal drei oder vier ausfallen“, sagt der Forstwirt. Er wertet das Ergebnis seiner Neuanpflanzungen wissenschaftlich aus. (Peter Dilling)

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