Eltern suchen Stammzellenspender für ihren Sohn

Mitarbeiter von VW Baunatal kämpft verzweifelt gegen Blutkrebs

Das Bild zeigt den an Leukämie erkrankten Steffen Fuchs mit seiner Frau Sarah und seinem dreijährigen Sohn.
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Steffen Fuchs ist an Leukämie erkrankt. Retten kann ihn nur noch eine Stammzellspende. Seine Frau Sarah und sein zweijähriger Sohn geben ihm Kraft.

Ilona und Uwe Fuchs haben Angst um ihren Sohn Steffen. Der 28-Jährige ist schwer an Leukämie erkrankt. Seit vergangenem Mittwoch steht fest: Der Blutkrebs ist zurück. Aus eigener Kraft kann Steffen Fuchs die Krankheit nicht besiegen. Heilen kann ihn nur eine Stammzellspende.

Wabern/Baunatal - Deshalb rufen seine Eltern dazu auf, sich typisieren zu lassen. Hierfür genügt es, mit Wattestäbchen Abstriche von der Wangenschleimhaut zu nehmen. Diese werden dann in einem Labor untersucht. Dabei wird, so hoffen die Eltern, ein lebensrettender Stammzellspender für Steffen Fuchs gefunden.

Ende November fühlte sich der 28-Jährige nicht gut. Nach einer Blutentnahme im Krankenhaus erhielt er die Diagnose Leukämie – genauer gesagt Akute Myeloische Leukämie (AML). „Bei ihr ist die Rückfallquote hoch“, sagt Ilona Fuchs. Die Erkrankung sei ein schwerer Schlag gewesen. „Wie ein Baseball-Schläger in die Fresse“, habe ihr Sohn gesagt. Im Klinikum Kassel erhielt Steffen Fuchs eine Chemotherapie. Zwischen den einzelnen Zyklen durfte er nach Hause, um Kraft zu tanken. Im Laufe der Behandlung wurden die Blutwerte besser und der 28-Jährige hoffte, die Krankheit überwunden zu haben.

VW-Mitarbeiter kämpft gegen Blutkrebs: Suche nach passendem Stammzellspender

Bei seiner Entlassung aus der Onkologie im Klinikum Kassel hätten die Ärzte ihm die Prognose gegeben: „Wir werden uns die nächsten zehn Jahre nicht mehr sehen“, sagt Ilona Fuchs. Doch schon drei Wochen später kam die Leukämie zurück. „Sie ist wieder voll da“, sagt die 60-Jährige. Die Zahl der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) im Blut ihres Sohnes sei ungewöhnlich stark angestiegen. „Warum die Leukämie wieder ausgebrochen ist, können sich die Ärzte nicht erklären“, sagt sie.

Nun bekommt Steffen Fuchs erneut eine Chemotherapie. „Sie nimmt ihn sehr mit. Er hat kaum noch Kraft, um vom Bett auf die Toilette zu gehen.“ Für ein Gespräch mit der HNA war er ebenfalls zu schwach. Ist die Behandlung abgeschlossen, wird sein angegriffenes Immunsystem wieder aufgebaut. „Dann darf er nach Hause“, sagt Ilona Fuchs. Im besten Fall gehe es von dort ins Marburger Klinikum zur Stammzellspende.

VW-Mitarbeiter kämpft gegen Blutkrebs: Eltern rufen zum Typisieren auf

Ihr Sohn, der mit seiner Familie in Sand (Bad Emstal) lebt, gebe so schnell nicht auf, er habe eine Frau und einen zweijährigen Sohn. Für seine Angehörigen ist die Situation belastend. „Um seinen Zustand zu wissen, löst ein Wechselbad der Gefühle aus und kostet unglaublich viel Kraft“, sagt Uwe Fuchs. Der 56-Jährige hat dafür gekämpft, sich trotz seines Alters und als Angehöriger typisieren lassen zu dürfen.

„Ich musste große Überzeugungsarbeit leisten. Bei solchen Widerständen stößt man an seine Grenzen“, sagt Uwe Fuchs. Die Chance einer Übereinstimmung der HLA-Gewebemerkmale (HLA = Humane [menschliche] Leukozyten Antigene) mit denen seines Sohns, ist äußerst gering. Doch die Familie will nichts unversucht lassen. Die übrigen Familienmitglieder sind bereits als Stammzellspender registriert. Wer ihrem Beispiel folgen will, kann Kontakt zu einer Spenderdatei aufnehmen – beispielsweise der DKMS.

VW unterstützt Familie Fuchs : Mitarbeiter können sich im Werk typisieren lassen

„Wir rufen zusammen mit unseren Mitarbeitern Uwe und Steffen Fuchs die Belegschaft zum Helfen auf“, sagt Heiko Hillwig, Pressesprecher bei VW in Baunatal. „Die Beschäftigten können sich an fünf Sanitätsstellen typisieren lassen.“ Das Gesundheitswesen von VW unterstütze solche Kampagnen für Mitarbeiter. Hillwig hofft, dass mit der Typisierungsaktion ein passender Stammzellspender für Steffen Fuchs gefunden wird. „Dafür müssen sich viele beteiligen.“ 

Nur wenige Blutkrebs-Patienten finden innerhalb der Familie einen geeigneten Stammzellspender. Der Großteil benötigt einen nicht verwandten Spender. Laut DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) kann jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren Stammzellspender werden. In rund 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen der Blutbahn des Spenders entnommen – ähnlich wie bei einer Dialyse. Bei der Knochenmarkspende wird unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Beckenknochen des Spenders entnommen.

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