Regelmäßig Rückstaus

Nadelöhr bei Baunatal verschwindet: A 44-Brücke am VW-Werk bald fertig

Fast fertig: Unter der Brücke wird noch gearbeitet. Unteranderem wird der Radweg zwischen Kassel und Baunatal wieder hergestellt. Gleichzeitig findet auch schon die erste Brückenprüfung statt (rechts im Bild).
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Fast fertig: Unter der Brücke wird noch gearbeitet. Unteranderem wird der Radweg zwischen Kassel und Baunatal wieder hergestellt. Gleichzeitig findet auch schon die erste Brückenprüfung statt (rechts im Bild).

Staus und zäher Verkehr sind seit Monaten auf den Autobahnen 49 und 44 zwischen Kassel-Auestadion und dem Kreuz Kassel-West an der Tagesordnung. Das soll bald vorbei sein.

Kassel/Baunatal – Ab Donnerstag soll das Nadelöhr an der Brückenbaustelle der A 44 in Höhe des VW-Werkes verschwinden. Das sagen die Verantwortlichen der dort bauenden Autobahngesellschaft. Mit einem Jahr Verzögerung und nach Pannen während der Bauphase wird die Brücke fertig.

Die Ursache für die Verkehrsbehinderungen, eine Einfädelspur von der A 49 auf die A 44, die regelmäßig zu Rückstaus auf beiden Autobahnen führte, komme weg, so Bernhard Klöpfel, Leiter der Außenstelle Kassel, und Christoph Braun aus der Abteilung Ingenieurbauwerke. Deshalb werde der Verkehr ab Donnerstag auf einer eigenen Spur weiter auf die A 44 Richtung Wilhelmshöhe geleitet. „Das Einfädeln fällt weg“, so Klöpfel.

Die Bauphase der Brücke, die den Radweg zwischen Baunatal und Kassel, die Tramstrecke vom Mattenberg zur Schleife am VW-Werk und den Schenkelsberggraben überspannt, war geprägt von Pannen. Kurz nach Beginn der Abrissarbeiten der alten Brücke rutschte im Dezember 2017 ein schwerer Betonpfeiler gegen die Notunterstützung der weiterhin befahrenen Brückenhälfte.

Aufgrund von notwendigen Untersuchungen der Statik wurde die A 44 von den Behörden über Tages voll gesperrt. Der Verkehr mit langen Lkw-Schlangen rollte auf Umleitungsstrecken durch Baunatal und Kassel – beispielsweise auch durch das Weltkulturerbe Wilhelmshöhe. „Das war eine echte Panne“, sagt Klöpfel im Rückblick.

Anschließend kam die Bautätigkeit erneut zum Stillstand, weil die Baufirma Probleme mit dem Baugrund bekam. Die Arbeiter, so die Informationen der HNA, verließen über Wochen die Brückenbaustelle bei Baunatal. Es kam zu einer Auseinandersetzung über die Schuldfrage für die Verzögerung zwischen dem Unternehmen und der damals noch planende Verkehrsbehörde Hessen Mobil. Die Klärung der Angelegenheit dauere bis heute an, sagt Bernhard Klöpfel. Das Ergebnis sei aber unabhängig von der Bauaktivität. Beide Brückenhälften seien trotz der Probleme mit dem Untergrund ordnungsgemäß aufgebaut worden, so Klöpfel und Braun.

Nun sind die Bauarbeiten bald komplett abgeschlossen. 15 Millionen Euro, sagt Klöpfel, habe der Bund in den Neubau der 65 Meter langen Konstruktion gesteckt. Aktuell werden zwei Schichten eines lärmmindernden Guss-asphalts auf die Fahrbahn aufgetragen. Dieser verbessere die Lärmwerte um mindestens zwei db(A), erläutern die Experten „In die Masse werde ein Gestein mit eingestreut, so Klöpfel. Die dadurch entstehenden Poren schlucken Lärm. Immerhin rollen laut Autobahngesellschaft täglich 61 200 Fahrzeuge über den Abschnitt, 12 400 davon seien schwere Lastwagen.

Zusätzlich soll ein Lückenschluss bei den Lärmwänden für mehr Ruhe entlang der A 44 sorgen. 120 Meter neue Lärmschutzwand entstehen auf der in Richtung Kassel gelegenen Brückenseite. Im Oktober soll alles fertig sein.

Auch unter dem Bauwerk wird noch gebaut. Laut Klöpfel und Braun werden alle Versorgungsleitungen und Verkehrswege wieder hergestellt. Dazu zählen unter anderem der Lückenschluss des Radweges zwischen Kassel und Baunatal, die Internetanbindung an das VW-Werk sowie der Anschluss des Schenkelsberggrabens an das vorhandene Bachbett. (Sven Kühling)

Tramstrecke zur Wendeschleife am V-Werk entfällt laut KVG

Die historische Straßenbahnstrecke zur Wendeschleife am VW-Werk war von der KVG wegen des Brückenneubaus abgebaut worden. „Wir werden die Strecke Mattenberg bis VW-Wendeschleife, Gleislänge ca. 3,4 Kilometer, vorläufig nicht mehr in Betrieb nehmen“, sagt Sprecherin Heidi Hamdad. „Für mögliche künftige Streckenerweiterungen werden wir sie jedoch nicht entwidmen, denn wir könnten sie später, bei erneutem Bedarf, nur mit enorm hohem Aufwand reaktivieren.

Im Frühjahr 2021 wurde mit dem Abbau der vorhandenen Fahrleitungsanlage begonnen, da diese einen hohen Instandhaltungsbedarf hat, die Gleisanlage aber bleibt.“ Die Strecke sei erneuerungsbedürftig, so Hamdad. Allein für den Ersatz habe die KVG mehr als 7 Millionen Euro kalkuliert, „Hinzu kämen laufende Instandhaltungskosten. Somit wäre ein Weiterbetrieb mit unverhältnismäßig hohem Aufwand verbunden.

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