Angebote für behinderte und nicht behinderte Menschen

Neuer Sport-Campus soll Barrieren einreißen

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Sie ziehen an einem Strang: Joachim Bertelmann (von links), Michael Boddener (beide BDKS), Katharina Tielmann, Katrin Eschstruth und Timo Gerhold vom KSV Baunatal mit dem Logo des Sport-Campus in der Sporthalle der Baunataler Werkstätten.

Baunatal – Staat und Gesellschaft haben sich die Inklusion zum Ziel gesetzt, die Teilhabe mehr oder weniger gehandicapter Menschen an den Angeboten, die nicht behinderte Bürger wie selbstverständlich wahrnehmen.

Der KSV Baunatal und die Baunataler Diakonie Kassel (BDKS) wollen dabei in Baunatal Vorreiter werden: und haben zum Jahresbeginn den „Sportcampus“ aus der Taufe gehoben: Der größte nordhessische Sportverein mietet auf zunächst zwei Jahre die Sportstätten der Baunataler Werkstätten, bietet Kurse an, die offen für behinderte und nicht behinderte Menschen gleichermaßen sind. Einige Kurse, wie beispielsweise Aqua-Fitness, haben bereits begonnen. „Wir wollen Begegnungsmöglichkeiten schaffen“, sagt Pfarrer Joachim Bertelmann, Vorstandsvorsitzender der BDKS.

Das ist auch dringend nötig. Der KSV Baunatal habe zwar schon vor Jahren begonnen, auch gehandicapte Sportinteressierte in die Kurse aufzunehmen, sagt Vorstandsmitglied Katrin Eschstruth. Doch sei man dabei in der KSV-Sportwelt schnell an die Grenzen gestoßen. „Das fing mit der fehlenden Behinderten-Toilette an“, sagt sie. Außerdem sei die Sportwelt teilweise nicht barrierefrei. Barrieren anderer Art hat Michael Boddener, Sporttherapeut in den Baunataler Werkstätten, beobachtet: Zwar kämen immer wieder mal Schüler-Praktikanten und Gruppen in die Werkstätten. Häufig hätten diese aber eine Scheu gegenüber behinderten Menschen, weil sie nicht wüssten, wie sie mit ihnen umgehen sollen. Seit Jahren bewährt habe sich aber eine Fußballgruppe, in der behinderte und nicht behinderte Fans des runden Leders gemeinsam kicken. Auch diese soll innerhalb des Sport-Campus’ angeboten werden. Geplant sind außerdem zunächst eine „Spiel- und Spaß“-Gruppe, ein Yoga-Kurs, kreatives Tanzen und ein Selbstverteidigungskurs. Katharina Tielmann, Inklusionsmanagerin des KSV Baunatal, berät Interessenten und nimmt Anmeldungen entgegen.

Bertelmann und Timo Gerhold, Vorstandschef des KSV Baunatal, sind bemüht, die Erwartungen an das Projekt herunterzuschrauben. „Das wird ein langer Prozess werden“, sagt Gerhold. Er hoffe, dass der Sport-Campus zum „Türöffner“ und zur „Keimzelle“ werde. Auch andere Vereine seien eingeladen, Ideen und Angebote einzubringen. Was sich am Ende als praktikabel herausstelle, müsse man abwarten. „Vielfalt ist auch eine Herausforderung. Wir gucken, wer kommt“, sagt Eschstruth. Bertelmann, der Initiator des Projekts, ist froh, dass der Sportcampus jetzt eine Chance bekommt. Vor vier Jahren habe er schon mal bei der Stadt Baunatal mit seiner Idee angeklopft, damals vergeblich. Vor einem Jahr habe sich dann der später verstorbene Bürgermeister Manfred Schaub persönlich eingesetzt.

Wenn der Sportcampus eine Dauereinrichtung werden soll, muss noch die Finanzierung auf sichere Füße gestellt werden. Der KSV Baunatal habe bei der Stadt Baunatal nach einer Unterstützung gefragt, sagt Gerhold. „Wir haben aber noch keine Signale bekommen.“ Er will im Laufe des Jahres um Sponsoren und Spenden werben.

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