6000 Kleinteile für VW pro Stunde 

Teile-Center in Baunatal verschickt Auto-Teile dank Technik im Eiltempo

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Teil für Teil: Ibrahim Kara und Dagmar Andreas legen Ersatzteile auf das Band. Diese wurden bereits von Werkstätten angefordert. Nach spätestens einer Stunde verlassen sie das OTC in Baunatal und werden zu den Autohäusern und damit zu den Kunden geliefert.

Baunatal. Bei der OTLG in Baunatal werden Teile dank moderner Technik im Eiltempo zu Werkstätten verschickt. Acht Millionen Autoteile werden so vom VZ Mitte pro Jahr ins umliegende Händlernetz verteilt.

Das Gewirr aus Förderbändern wirkt auf den ersten Blick wie ein Chaos, am Ende ist doch alles ganz geordnet: 6000 Kleinteile werden im Vertriebszentrum Mitte im Baunataler Original-Teile-Center (OTC) pro Stunde scheinbar wahllos zusammengeholt, mit einem Code versehen und letztendlich ganz gezielt und voll automatisch verteilt. Über einen sogenannten „Sorter“ rutschen die Teile in blaue Plastikboxen. Jede Box steht für eine Autowerkstatt, die auf die Teile aus Baunatal wartet. 520 Händler von VW, Audi, Seat und Skoda werden von VZ Mitte in Baunatal aus beliefert.

In nur wenigen Stunden soll das für eine Reparatur benötigte Teil im Autohaus bereit liegen. „Wenn einer in Hannover um 10.30 Uhr ein Ersatzteil bestellt, dann ist es um 14 Uhr da“, erläutert Bernd Fischer, Leiter des VZ Mitte. Dass das richtige Ersatzteil noch am Bestelltag beim Autohaus ankomme, erreiche man mit einer Quote von über 99 Prozent.

VW will, dass der Versand der Teile zuverlässig funktioniert. „Wir wollen die Prozesse robust haben. Das macht unser Geschäft erfolgreich“, sagt Fischer.

Acht Millionen Autoteile werden vom VZ Mitte pro Jahr ins umliegende Händlernetz verteilt. Das VZ ist eines von insgesamt sieben Vertriebszentren in Deutschland, die unter dem Dach der Original-Teile-Logistik (OTLG) zusammenarbeiten. Die OTLG ist wiederum eine Tochtergesellschaft, die zum VW-Konzernbereich „After Sales“ gehört.

Die Vertriebszentren sorgen nicht nur für den Ersatz für kaputte Außenspiegel, Windschutzscheiben, Schalter und Schrauben, sondern sie statten auch ganze Autowerkstätten aus. Von der Hebebühne über Betriebsmittel bis hin zu Kernseife und VW-Ketchup für die Kantine sei alles bestellbar, erläutern Bernd Fischer und Heiko Arend, Leiter des Wareneingangs.

Die nahezu voll automatisierte Zusammenstellung der Kleinteile macht 55 Prozent des Gesamtgeschäfts im VZ Mitte aus. Die größeren Produkte, wie Windschutzscheiben und Stoßfänger, werden mit Staplern zu den ausliefernden Transportern gebracht.

Setzen auf Holz: VZ-Mitte-Chef Bernd Fischer (links) und Heiko Arend, Leiter Warenausgang, zeigen den Sorter. Hier rutschen die kleineren Autoteile über die Holzböden in die Boxen, die dann zu den Autohäusern geliefert werden.

Zeit: Eine Stunde

Weil der Durchlauf im VZ Mitte nur eine Stunde betragen darf, setzt man auf moderne Technik. Allein die Kamera, die die Etiketten der Ersatzteile auf dem Förderband einliest und die Informationen für die Zuteilung weiterverarbeitet, kostet laut Fischer 100 000 Euro. Das Regalsystem des Sorters, in dem die Dinge dann auf die blauen Boxen verteilt werden, wirkt demgegenüber fast ein bisschen nostalgisch. Die Holzkonstruktion wurde vor 2006 von einem Schreiner zusammengestellt. „Es gibt nicht viele dieser Anlagen in der Welt“, sagt Fischer. Holz habe den Vorteil, dass die Ersatzteile darauf relativ geräuschlos gleiten können. Der Neigungswinkel der Böden ist so berechnet, dass die Teile gleichmäßig in die Boxen rutschen.

Bei der Abgabe der blauen Behälter an den Lieferanten setzt das VZ Mitte ebenfalls auf neue Technik. Jede Box wird vor dem Herausfahren aus der Halle automatisch registriert. Bei der Rückgabe nach der Lieferung passiert das Gleiche nochmals. Für den dazu passenden Fachbegriff „Radio Frequency Identification“ (RFID) hat OTLG-Sprecher Christoph Steinbach einen einfachen Vergleich parat: „Das ist das Skipass-Prinzip.“

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