Stadt hat Hilfe und Beratung angeboten

„Ich kann nachts kaum schlafen“ - Pächter der Sauna im Aqua-Park Baunatal bangt um seine Existenz

Ali Nayeh, Pächter der Sauna im Aqua-Park Baunatal, steht hinter der Theke.
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Ali Nayeh, Pächter der Sauna im Aqua-Park Baunatal, hat Existenzängste: Er musste wegen Corona und aufgrund der Dachsanierung schließen.

Als Ali Nayeh Mitte März die Sauna im Aqua-Park Baunatal schließen musste, hoffte er, bald wieder öffnen zu können. Bislang ist sie aber immer noch geschlossen.

Eigentlich dürfen Saunen seit Mitte Juni wieder öffnen, da gab es Lockerungen der Regeln. Doch die Stadt Baunatal habe gesagt, dass seine Sauna aufgrund der Dacharbeiten geschlossen bleiben müsse.

Zum 1. September darf er laut einem Brief der Stadt wieder loslegen, aber die Auflagen sind nicht zu erfüllen, wie Nayeh sagt: „Vier Personen soll ich einstellen – wie soll das gehen?“ Durch die deutlich geringere Zahl an Gästen, die in den Saunabereich hinein dürfen, habe er viel geringere Einnahmen. An die Finanzierung von weiteren Mitarbeitern sei da gar nicht zu denken. Deshalb befürchtet er, den Saunabetrieb ganz einstellen zu müssen und gar nicht mehr öffnen zu können.

Im Oktober 2019 hatte Nayeh den Saunabereich im Aqua-Park eröffnet – mehr als 30 000 Euro habe er bislang in die Räume investiert. Im März musste er coronabedingt schließen und erledigte einige übrig gebliebene Renovierungsarbeiten. Schnellen Schrittes läuft Nayeh durch die Räume des Saunabereichs und zeigt, was er alles selbst saniert hat – er ist sichtlich aufgeregt. „Ich kann nachts kaum schlafen“, sagt er, so groß seien seine finanziellen Sorgen inzwischen – schließlich habe er eine Frau und zwei kleine Kinder, die er versorgen müsse.

Im Lagerraum zeigt er auf zahlreiche Kisten voller Getränke, die er nicht verkaufen kann und die nun nach und nach ihr Mindesthaltbarkeitsdatum erreichen. „Die Kunden waren so zufrieden und so dankbar“, sagt Nayeh resigniert. Seine Vorgänger hätten bereits immer mal Ärger mit der Stadt gehabt.

Er wollte Mitte Juni öffnen, als einen Tag später die Mitteilung kam, dass er die Sauna wegen der Dachsanierung weiterhin geschlossen halten müsse. Er habe ein Konzept geschrieben, um alle Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, aber dann sei ein Brief mit Auflagen der Stadt gekommen, die er nicht alle einhalten könne:

  • Das Dampfbad muss geschlossen bleiben.
  • Der Zu- und der Ausgang der Sauna sind voneinander zu trennen, eine Einbahnstraßenregelung muss erfolgen.
  • Saunabesucher dürfen nicht in den Schwimmbadbereich.
  • Zur Besucherüberwachung und der Reinigung müssen vier Personen beschäftigt werden.
  • Die Öffnungszeiten der Sauna müssen denen des Aqua-Parks angepasst werden.
  • Alle gemeinsam nutzbaren Gegenstände wie Zeitungen und Decken sind zu entfernen.
  • Maximal dürfen sich sieben Personen in der großen und vier in der kleinen Sauna aufhalten.

„Ich habe das Gefühl, dass mir Steine in den Weg gelegt werden“, sagt Nayeh. Viele seiner Kosten wie Strom, Wasser und Versicherung laufen weiter. Als er um finanzielle Unterstützung gebeten habe, seien ihm 50 Euro als Ausfallzahlung für lediglich einen Monat angeboten worden – ein Witz, wie er findet. Dennoch will er seinen Kunden die Möglichkeit geben, die bereits gekauften Zehnerkarten erstattet zu bekommen – „sie konnten sie ja fast gar nicht nutzen“. Nayeh hofft, doch noch irgendwie Unterstützung zu erhalten – ansonsten sehe es für die Sauna im Aqua-Park sehr schlecht aus. » 

Das sagt die Stadt: Land gibt strenge Regeln zum Schutz der Gesundheit vor

„Die baulichen Voraussetzungen der Sauna sind nicht ganz einfach“, sagt Daniel Jung, Erster Stadtrat Baunatals. Die Auflagen des Landes Hessen für das Schwimmbad seien sehr streng, und diese Maßstäbe müsse die Stadt auch für den Saunabetrieb ansetzen – jeder Spielraum, der sich ergebe, werde auch genutzt. So habe man Ali Nayeh die Stundung der Pacht und der Nebenkosten angeboten, zumal für die Sauna sowieso nur eine symbolische Pacht von einem Euro pro Monat fällig werde.

Die erwähnten 50 Euro Erstattung bezogen sich laut Jung auf die Abfallgebühren: Da habe Nayeh um Aussetzung der Müllgebühren gebeten, was nicht möglich sei, aber er könnte eine kleinere Tonne bekommen, bei der er 50 Euro spare.

Die Regeln für den Saunabetrieb seien streng, würden aber vom Land Hessen so vorgegeben und müssten auch so umgesetzt werden – der Schutz der Gesundheit aller Besucher habe da oberste Priorität, wie Jung betont. Er selbst habe auch mehrfach mit Nayeh gesprochen und könne die Situation verstehen – der Gastronomie im Aqua-Park gehe es teilweise ähnlich. „Natürlich haben wir Interesse daran, dass der Betrieb auch nach Corona weitergehen kann“, sagt der Erste Stadtrat. Wenn Nayeh sein Konzept nachbessere und sich an die Gesetzeslage des Landes anpasse, könne er die Sauna wieder problemlos öffnen.

Die Stadt habe weitergegeben, was zu tun ist, und muss die Einhaltung der Vorgaben kontrollieren – das gelte für alle Betriebe. „Wir beraten und helfen auch“, sagt Jung, das sei Nayeh mehrfach angeboten worden. 

Noch vor Beginn der Coronakrise habe Nayeh angekündigt, den Saunabetrieb über die Sommermonate schließen zu wollen – das sei nicht unüblich. Doch dann habe er coronabedingt bereits im März schließen müssen. Um die Zeit des Lockdowns zu nutzen, seien wichtige Arbeiten am Dach des Aqua-Parks vorgezogen worden, damit später nicht noch einmal alles geschlossen werden muss. „Das wurde auch genau so umgesetzt“, sagt Jung. Am 6. Juli habe das Bad wieder aufgemacht, aber von Nayeh sei zu dem Zeitpunkt noch keine Öffnung beabsichtigt worden.

Nachdem er die Stadt um Öffnung der Sauna gebeten und ein Konzept vorgelegt habe, sei es für nicht ausreichend befunden worden. Nun bleibe abzuwarten, ob Nayeh sein Konzept noch einmal so anpasst, dass es den Richtlinien entspricht, erklärt Jung – dann könne die Sauna wieder öffnen. (Lara Thiele)

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