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Pflegepersonal wird immer knapper

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Von: Valerie Schaub

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Auszubildende Pflegefachfrau Thu Trang Doan kämmt Altenheimbewohnerin Alwine Ukleia die Haare.
Aus Vietnam nach Deutschland in den Pflegeberuf: Auszubildende Pflegefachfrau Thu Trang Doan kämmt Altenheimbewohnerin Alwine Ukleia die Haare. Sie verstehen sich trotz Sprachhürden. © Valerie Schaub

Zu Beginn der Pandemie galt ihnen der Applaus von Balkonen. Schnell ist die Dankeswelle abgeebbt und Pflegepersonal fehlt. Doch es ändert sich etwas in der Branche.

Kreis Kassel/Baunatal – Sie haben zwar nicht dieselbe Muttersprache, doch an diesem Nachmittag verstehen sich Thu Trang Doan und Alwine Ukleia gut. Die 87-jährige Bewohnerin im Awo-Altenpflegeheim in Baunatal lässt sich gern die Haare von der auszubildenden Pflegefachkraft kämmen.

Doan ist im Oktober 2020 aus Vietnam nach Deutschland gekommen und spricht schon ziemlich gut deutsch. Hier hat die 22-Jährige mehr Möglichkeiten als in ihrem Heimatland, sagt sie. Unter ihren Ausbildungskollegen sind zwei weitere Vietnamesen und ein Afghane. Heimleiter Stephan Eigenbrodt ist froh über den Zuwachs. Er sagt: „Es sind auch diese jungen Menschen, die den Beruf aufrecht erhalten.“

Denn Pflegepersonal ist auch im Landkreis mit 42 Pflegeheimen und 22 Tagespflegeeinrichtungen knapp. So knapp, dass mitunter sogar auf Zeitarbeitsfirmen zurückgegriffen werden muss. In der ambulanten Pflege ebenfalls, wie Marion Gnidtke berichtet. Sie betreibt den Pflegedienst G und G in Ahnatal und musste kürzlich Zeitarbeiter anfordern. „Wir bekommen kein Personal mehr, es sei denn, wir kannibalisieren uns selbst“, sagt sie. Es sei ein entsetzliches Karussell. Und natürlich hat es mit Kosten zu tun. Gnidtke rechnet vor: Eine Fachkraft bekomme etwa 18 Euro pro Stunde, natürlich wären 20 besser. Die Frage nach einem gerechten Lohn könne kaum jemand beantworten, nicht einmal der jetzige Bundeskanzler. Und zahlen könnten Betreiber ihn auch nicht. Einen Monatslohn von 3380 Euro statt 3000 Euro für eine beginnende Pflegekraft – „das bekommen wir nicht refinanziert, aber wir müssen da hinkommen“, sagt Gnidtke.

Auch Stephan Kratzenberg musste im Kaufunger DRK-Altenpflegeheim im August wegen Krankheitsfällen auf Zeitarbeiter zurückgreifen. Das Heim profitiere zwar von eigenen Auszubildenden, aber in die Zukunft blickt auch er mit Angst. „Der Bedarf steigt und es kommen wenig Kräfte nach.“ Grund dafür sei nicht allein die Bezahlung. Beim Gehalt habe sich schon einiges getan. Anfang April steige der Tarif wieder etwas an. „Die Rahmenbedingungen sind wesentlich entscheidender“, sagt er und sieht sich selbst in der Pflicht. Denn neben der Wertschätzung des Berufs in der Gesellschaft gehe es auch um den Respekt und die Menschlichkeit in jedem Betrieb. Viele seiner Auszubildenden seien glücklicherweise geblieben.

Heimleiter Stephan Eigenbrodt hofft, dass auch Thu Trang Doan nach ihrer Ausbildung in Baunatal bleibt. Sie hat es vor, eignet sich fleißig Fachwissen an und übt die Sprache. Es wäre nicht das erste Mal, dass Migration den Pflegenotstand lindert. Das sei seit 70 Jahren so, sagt Eigenbrodt. (Valerie Schaub)

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