Maschine hatte im Juni 2015 Mitarbeiter einer Fremdfirma getötet

Roboter-Unfall bei VW in Baunatal: Angeklagter nach vier Jahren entlastet

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Roboter sind im VW-Werk in Baunatal Teil zahlreicher Produktionslinien. An einem solchen Industrieroboter geschah vor vier Jahren der tödliche Unfall. Das Bild zeigt allerdings nicht genau die Anlage, an der der Mitarbeiter einer Fremdfirma ums Leben kam.

Fast genau vier Jahre ist es her, dass ein 21-jähriger Mann aus Sachsen im VW-Werk Kassel in Baunatal von einem Roboter erdrückt wurde. Nun wurde nun ein Kollege des Mannes entlastet.

Dieser Artikel wurde aktualisiert um 12 Uhr - Der Mitarbeiter einer Fremdfirma aus dem Raum Dresden war im Juni 2015 mit einem Kollegen dabei, eine Roboter-Anlage in der Halle 6 des Werkes einzurichten. Dabei wurde der junge Mann, der sich innerhalb des Montagebereichs befand, von dem Arm der Maschine erfasst und gegen eine Metallwand gedrückt. Er erlag kurze Zeit später seinen schweren Verletzungen.

Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte 2017 Anklage gegen den damals 29-jährigen Kollegen aus dem Landkreis Mittelsachsen erhoben. Dieser befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Außenbereich der Roboter-Anlage. Es bestand der Verdacht, so Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, dass  der Mann den Roboter mit einer höheren Geschwindigkeit startete, obwohl sich sein Kollege noch im Innenbereich aufhielt.

Das Verfahren gegen den inzwischen 31-Jährigen sei nach der Vorlage eines ergänzenden Gutachtens zu den technischen Abläufen schließlich im Mai 2018 eingestellt worden, berichtet Wied jetzt auf Anfrage der HNA.

Opfer selbst hatte Roboter eingestellt

Das Gutachten, so der Sprecher, habe nämlich ergeben, dass nicht der Kollege im Außenbereich, sondern der 21-Jährige selbst den Roboter auf eine schnellere Geschwindigkeit eingestellt habe. „Die Änderung der Betriebsart erfolgte durch den später Verstorbenen selbst“, berichtet Wied aus dem Gutachten. Somit habe der Vorwurf gegen den Kollegen nicht mehr aufrecht erhalten werden können. Die Anklage sei daraufhin Anfang April 2018 zurückgezogen und kurze Zeit später das Verfahren eingestellt worden.

VW hatte zunächst nicht über Unglück informiert

Volkswagen hatte sich mit der Bekanntgabe des tödlichen Roboter-Unfalls im Juni 2015 Zeit gelassen. Passiert war dieser an einem Montag. Bis zum folgenden Mittwoch hatte VW noch nicht darüber berichtet. Erst nach Recherchen unserer Zeitung und Nachfrage bei VW wurde der Vorfall überhaupt öffentlich.

Die Nachricht, dass ein Roboter einen Arbeiter in der Autofabrik getötet hatte, verbreitete sich rasend schnell um die ganze Welt. In der Washington Post, dem Fernsehsender CNN und dem Daily Pakistan beispielsweise wurde das Unglück aufgegriffen. Die amerikanische Produktionsgesellschaft HBO plante kurze Zeit später eine Dokumentation über die Beziehung von Mensch und Roboter zu drehen.

New Yorker Dokumentarfilmer zeigt Film über Unfall in Baunatal

Der New Yorker Dokumentarfilmer Maxim Pozdorovkin (3. von rechts) befragte HNA-Redakteur Sven Kühling (links) 2017 zu dessen Recherchen zu dem tragischen Geschehen.

Der New Yorker Dokumentarfilmer Maxim Pozdorovkin stellte in seinem Film mit dem Titel „The Truth About Killer Robots“ die Ereignisse im Baunataler VW-Werk mit in den Mittelpunkt. Der 83-Minuten-Film wurde der Öffentlichkeit beim Toronto-Film-Festival im September 2018 vorgestellt. In diesem Jahr soll das Werk auf weiteren Festivals auf der ganzen Welt präsentiert werden.

Zahl der Roboter im VW-Werk Kassel in Baunatal steigt

Die Zahl der Roboter im VW-Werk Kassel in Baunatal steigt. Waren es vor vier Jahren zum Zeitpunkt des tödlichen Unfalles noch rund 800, seien es heute etwa 1700, berichtet Werksprecher Heiko Hillwig. „Die Automatisierung wird fortschreiten.“ Wo es in der Fertigung sinnvoll sei, werde man Roboter auch einsetzen, betont der Sprecher weiter. Und wie sieht es mit den Sicherheitsvorkehrungen aus? Grundsätzlich habe das Werk im Umfeld von Robotern einen hohen Sicherheitsstandard, sagt Hillwig weiter. 

Jeder Arbeitsunfall sensibilisiere dazu, noch genauer hinzuschauen. „Man muss immer hellwach sein, dass nichts passiert“, unterstreicht der Werksprecher. Und: Es sei wichtig, die Mitarbeiter immer weiter zu sensibilisieren.

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