Sie haben den Bogen raus

Flöten mit Bogen: Erfindung aus Kassel und Baunatal macht entspannteres Querflötenspiel möglich

Neuheit: Arne Siebling mit dem neu entwickelten Bogen (von links). Seine Frau Regina Engelhardt und Arnd Mumberg von der Instrumentenschmiede Mumberg präsentieren Querflöten mit dem Revolution-Bogen (Schreibweise: „re7olution“).
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Neuheit: Arne Siebling mit dem neu entwickelten Bogen (von links). Seine Frau Regina Engelhardt und Arnd Mumberg von der Instrumentenschmiede Mumberg präsentieren Querflöten mit dem Revolution-Bogen (Schreibweise: „re7olution“).

Das Kasseler Ehepaar Regina Engelhardt und Arne Siebling und die Instrumentenschmiede von Arnd, Nicole und Alina Mumberg in Baunatal-Altenritte bringen eine „Revolution“ auf den Markt, die auch so heißt.

Baunatal/Kassel - Sie haben einen Bogen als Zwischenstück für Querflöten entwickelt. Durch ihn können die Spieler eine entspanntere Körperhaltung einnehmen: „re7olution“ heißt der Bogen, da er dem Instrument eine Form verleiht, die der Zahl „Sieben“ ähnelt.

„Mit elf Jahren habe ich angefangen, Querflöte zu lernen“, berichtet Regina Engelhardt. „Ich fand den Klang so schön und wusste gleich: Das ist mein Instrument!“, sagt die Instrumental-Pädagogin aus Kassel-Bad Wilhelmshöhe. Mit 15 Jahren benötigte sie bereits Massagen, ab 16 folgte Krankengymnastik, ein Schicksal, das sie mit vielen Musikern teilt, die täglich stundenlang üben, proben und spielen. „Vor zehn Jahren habe ich aufgehört zu üben und nur noch unterrichtet“, sagt sie. „Vor drei Jahren war ich dann so verzweifelt, dass ich überlegt habe, meinen Beruf ganz an den Nagel zu hängen.“

Irgendwann konnte Arne Siebling, Musiker, Filmemacher und Ehemann von Regina Engelhardt, den Kummer seiner Frau nicht mehr mit ansehen. Er zeichnete einen Bogen auf, also ein zusätzliches Zwischenstück, das die seitliche Position der Querflöte nach vorn verlegt. Inspiriert wurde er von bereits vorhandenen Bögen für Kinder-Querflöten, die das Instrument, das weiterhin seitlich gespielt wird, für ein einfacheres Spiel verkürzen. „Wenn wir den Winkel vergrößern, kommt die Querflöte weiter nach vorn“, überlegte das Ehepaar und wandte sich an die Instrumentenschmiede Mumberg in Baunatal-Altenritte.

„Ich bin offen und greife Probleme der Musiker gern auf“, sagt der Holzblasinstrumentenmachermeister Arnd Mumberg, der im Betrieb von seiner Frau Nicole und Tochter Alina unterstützt wird. Alina Mumberg, die 2020 als Jahrgangsbeste ihre Prüfung als Holzblasinstrumentenmacherin bestand, erarbeitete die erforderliche technische Zeichnung, damit sich die Tonhöhen des Instruments nicht verändern. „Ein cooles Projekt“, sagt sie.

Regina Engelhardt und viele ihrer Schüler können ihr Glück kaum fassen. Die entspannte Körperhaltung hat dazu geführt, dass sie nun beschwerdefrei spielen können, schnellere Lernerfolge erzielen, ihr eigenes Spiel besser hören können und ihre Finger im Blick haben.

Der Bogen, der zum weltweiten Patent angemeldet ist, wird in Handarbeit in Deutschland hergestellt, versilbert und dann individuell angepasst. „Er ist ab 450 Euro zu haben, jede Querflöte kann damit ausgestattet werden“, berichtet Nicole Mumberg. Das Instrument wird dann wahlweise ohne den Bogen quer (beispielsweise bei Konzerten) oder mit zwischengestecktem Bogen (zum Üben) nach vorn gespielt. Die Baunataler Instrumentenschmiede hat inzwischen auch eine eigene Mumberg-Flöte im Angebot.

Weitere Infos gibt es im Internet unter re7olution.de und mumberg.com, Instrumentenschmiede Mumberg, Baunatal-Altenritte, Tel. 05 61/4 91 53 96. (Bettina Wienecke)

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