Stadtparlament gegen Millionenvorhaben

Sportbad-Neubau in Baunatal ist vom Tisch - emotionale Diskussion

Emotional dabei: Zahlreiche Kinder und Jugendliche der Schwimmvereine begleiteten die Sitzung mit ihren Plakaten im Zuschauerbereich der Stadthalle.
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Emotional dabei: Zahlreiche Kinder und Jugendliche der Schwimmvereine begleiteten die Sitzung mit ihren Plakaten im Zuschauerbereich der Stadthalle.

Einen Neubau des Sportbades in Baunatal wird es in nächster Zeit nicht geben. Das beschloss das Stadtparlament mit großer Mehrheit am Montag in der Stadthalle.

Baunatal – SPD, CDU und FDP stimmten für einen gemeinsamen Antrag, die Grünen dagegen. Gleichzeitig verzichtet die Stadt auf die vom Bund in Aussicht gestellte Fördersumme von bis zu drei Millionen Euro. Rund 100 Vertreter der Schwimmvereine und -schulen verfolgten die teils emotional geführte Diskussion der Stadtverordneten. Viele Kinder und Jugendliche hatten Plakate dabei. Darauf stand etwa: „Das Schwimmbad ist unser Zuhause. Nehmt uns das nicht weg.“

SPD, CDU und FDP waren sich einig darin, dass ein Badneubau – unter Berücksichtigung der Anforderungen der Vereine – für die bislang diskutierten Höchstsummen von 8 Millionen Euro, oder wie im Sommer neu berechnet von 12,3 Millionen Euro, nicht zu realisieren sei. Diese Auffassung untermauerten sie nicht nur in der Sitzung selbst, sondern auch in einer eigens vorgeschalteten Pressekonferenz. Die Befürchtung sei, dass ein Neubau letztendlich – auch unter Berücksichtigung der derzeit explodierenden Baukosten – bei mindestens 14 bis 16 Millionen Euro landen werde.

Entsprechende Erfahrungen gibt es in der VW-Stadt hinlänglich, wo Badsanierungen im Aqua-Park teilweise bis zu 100 Prozent teurer wurden, als ursprünglich angenommen.

In ganz Deutschland habe man kein Referenzprojekt für einen Schwimmbadneubau gefunden, das mit rund 10 Millionen zu machen sei, sagte Udo Rodenberg für die SPD. Auch der vom Bund beauftragte Projektträger Jülich, der den Einsatz der Fördersummen kontrolliert, habe von einer derartigen Planung abgeraten. Zudem, so Rodenberg, habe die Stadt kein Planungsbüro gefunden, das in der knappen Frist den notwendigen Förderantrag formuliert. CDU-Fraktionschef Sebastian Stüssel ging auf „Ängste, Sorgen und Nöte“ der Betroffenen ein. „Es ist ein sehr emotionales Thema“, sagte er. „Wir wollen aber keine Spaltung in unserer Gesellschaft.“

„Es geht momentan nicht“, sagte Reiner Oswald von der FDP mit Blick auf die Haushaltslage in Baunatal. Man dürfe jetzt nicht den Plan durchziehen, „weil drei Millionen locken“.

Zehn Punkte nannte hingegen Lothar Rost von den Grünen, warum termingerecht beim Projektträger Jülich eine Förderung zu beantragen sei, der entsprechende Antrag wurde später von den anderen Fraktionen mit großer Mehrheit abgelehnt. Rost bemängelte, dass das Rathaus bis heute keine „seriösen Planungen und Kostenkalkulationen“ vorgelegt habe. „Ein Neubau wird in den nächsten Jahren nicht preisgünstiger.“

Und wie geht es nun weiter? Die großen Fraktionen bekannten sich eindringlich dazu, dass das alte Sportbad vorerst weiterbetrieben wird. „Mit uns wird es keine Schließung geben“, sagten Christian Strube (SPD) und Andreas Mock (CDU). Sollte die Technik versagen, gebe es mit einem Haushaltsansatz von 13,5 Millionen Euro genug Geld, um diese wieder auf Vordermann zu bringen. (Sven Kühling)

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