Aufgeheizte Stimmung bei Bürgerversammlung in Baunatal

Sportler wollen Bad behalten

Protest gegen drohende Badschließung: Die Schwimmer der SG ACT Baunatal hatten sich extra T-Shirts drucken lassen, vorne Laura Jacob (links) und Artur von Horn.
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Protest gegen drohende Badschließung: Die Schwimmer der SG ACT Baunatal hatten sich extra T-Shirts drucken lassen, vorne Laura Jacob (links) und Artur von Horn.

Baunatal – Bleibt das Sportbad in Baunatal erhalten? Das war für Wettkampfschwimmer, Taucher, Triathleten, Lehrer und DLRG-Retter die alles entscheidende Frage.

Baunatal - Eine Antwort auf die Frage zum Erhalt des Sportbades gab es am Donnerstagabend bei einer Bürgerversammlung in der Stadthalle zur Zukunft der Sportstadt von den politisch Verantwortlichen nicht. Aber rund 170 Sportler, Vereinsfunktionäre und andere interessierte Bürger zeigten mit ihrem Besuch trotz Corona-Vorgaben eindrucksvoll, wie wichtig ihnen das Sportangebot in Baunatal ist. Im Frühjahr war die Schließung des Sportbades als Sparvariante vom Rathaus ins Gespräch gebracht worden.

Die Schwimmer der SG ACT Baunatal setzten passend mit extra angefertigten grellgelben T-Shirts mit der Aufschrift „Gegen das Ende der Sportstadt“ einen leuchtenden Akzent gegen ein drohendes Aus des Sportbades.

Andrea Göbel, die bei dem Schwimmverein die Schwimmschule leitet, machte ihrem Ärger Luft und auf die Notwendigkeit der Sportstätte aufmerksam. „Wir brauchen unser Sportbad“, sagte Göbel. Es sei notwendig für eine solide Schwimmausbildung von Kindern und Jugendlichen. Hinzu komme eine riesengroße Gruppe an Freizeitschwimmern. „Wir leisten nicht nur soziale Arbeit für ein paar, die an Wettkämpfen teilnehmen.“

Wie gefragt die Schwimmschule ist, machte Göbel an einer Zahl deutlich: „Ich habe 300 Kinder für 2021 auf der Warteliste stehen.“ Für Göbel gab es kräftig Applaus.

Und SG-ACT-Vize Stefan Krämer hob die drohende Schließung des Bades auf die kommunalpolitische Ebene. Er werde die Entscheidungsträger jeden Tag bis zu Kommunalwahl im März auf die Bedürfnisse der Schwimmsportler aufmerksam machen, kündigte er an. Krämer fragte: „Wie lange wollen Sie uns mit einer solchen Planungsunsicherheit im Regen stehen lassen?“

Bürgermeisterin Silke Engler wandte sich in einer aufgeheizten Diskussion dagegen, die Drohgebärde aufzubauen: das Bad stehe vor der Schließung. „Das ist schlichtweg falsch“, sagte sie. Und: „Es gibt keinen Antrag, das Bad zu schließen.“

Stadtverordnetenvorsteher Henry Richter, der zu der Bürgerversammlung eingeladen hatte, widersprach dieser Darstellung. Es habe schließlich im Frühjahr eine Empfehlung der Betriebskommission der Stadtwerke gegeben, die Badschließung zum Septemeber 2021 zu prüfen. Ein solcher Antrag der Verwaltung sei schon für die Parlamentssitzung im Mai vorbereitet worden, erläuterte er im Gespräch mit der HNA.

Für die Stadtverordnetensitzung am 28. September liegen nun zwei neue Anträge zu dem Thema auf dem Tisch. Diesmal von zwei Fraktionen. Die CDU hält die Schließung des Sportbades für falsch. Sie setzt sich für ein Sanierungskonzept unter Prüfung von Fördermöglichkeiten ein. Die SPD will mit einem Antrag erreichen, dass eine Entscheidung erst nach dem Aufstellen eines Sportentwicklungsplanes erfolgt.

Bürgermeisterin Silke Engler machte in der Bürgerversammlung auf die schwierige Haushaltssituation aufmerksam. Dieselkrise bei VW und Folgen der Corona-Pandemie hätten zu drastischen Einbrüchen bei der Gewerbesteuer geführt. Von den für dieses Jahr angenommenen 34 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen blieben nur 8 Millionen übrig, so Engler.

„Wenn nicht viel reinkommt, kann man so nicht weiterleben“, warb sie für ein Umdenken nach den vielen guten Jahren in Baunatal. Die Bürgermeisterin rief alle Beteiligten zur Kooperation auf. Sparziele seien etwas, „das wir aushandeln müssen“.

Am Rand der Versammlung ging es auch nochmal um das Basketballfeld an der KSV Sportwelt. Dort hatte die Stadt nach Anwohnerprotesten über Lärm im Juli kurzerhand die Basketballkörbe abgebaut.

Ein Vertreter der jugendlichen Basketballer übergab eine Unterschriftenliste für den Erhalt der Anlage an Bürgermeisterin Silke Engler.

Auch über das Basketballfeld wird demnächst im Stadtparlament diskutiert. Die SPD favorisiert die Verlagerung ans Jugendzentrum. Die Opposition will hingegen den Erhalt der Basketballanlage an der Sportwelt. (Sven Kühling)

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