Viele Hallen sind sanierungsbedürftig

Sportplan für Baunataler Vereine auf nächstes Jahr verschoben

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In welche Richtung geht’s? Trainer Christoph Klein trainiert hier mit Dennis Siebrecht und Esther Ndongala in der neuen Fitness-Box „Kraftwerk“ auf dem Sportcampus des KSV. 

Sportvereine hängen in der Luft: Das Baunataler Rathaus nennt die Doppelbelastung der Bürgermeisterin als Grund, dass es noch keinen Sportentwicklungsplan gibt.

Wie sehen die Sportstätten der Stadt Baunatal in zehn bis 15 Jahren aus? Und wie sieht das Sportangebot bis dahin aus? Und wohin geht das Interesse der Menschen? Diese Fragen wollte die Stadt Baunatal eigentlich in einem Sportentwicklungsplan beantworten. 

Das Papier, so hatte es Bürgermeisterin Silke Engler beispielsweise Anfang Juni bei der Delegiertenversammlung des KSV Baunatal berichtet, sollte bis zum Herbst 2019 vorliegen. Doch daraus wird vorerst nichts.

Vor allem die Baunataler Vereine hängen wegen einer fehlenden Gesamtplanung seitens des Rathauses in der Luft. Wegen des hohen Sanierungsbedarfs zahlreicher Sportstätten, etwa der Kulturhalle Großenrtitte, der Max-Riegel-Halle und des Sportbades im Aqua-Park, stehen viele Fragezeichen hinter der eigenen Ausrichtung. Man benötige einen solchen Plan, sagt KSV-Vorstand Timo Gerhold, „damit wir eine Entscheidungsgrundlage für die nächsten 15 Jahre haben“.

Wegen der Doppelbelastung der Bürgermeisterin, die in den vergangenen 18 Monaten ohne einen hauptamtlichen Ersten Stadtrat habe auskommen müssen, sei das Thema Sportentwicklungsplanung auf das Jahr 2020 verschoben worden, sagt Baunatals Stadtsprecherin Susanne Bräutigam auf Anfrage. 

Das Thema habe Bürgermeister Manfred Schaub bis zu seinem Tod verfolgt, berichtet Bräutigam weiter. Engler habe den Vorgang dann übernommen. Mangelnder Zeit sei es geschuldet, die Planung auf das kommende Jahr zu verschieben.

Das Thema drängt: Viele Hallen müssen saniert werden

Nach Auffassung des KSV, mit über 7000 Mitgliedern der größte Sportverein in der Region, drängt das Thema allerdings. Mit in die Planung gehöre nicht nur die Sanierung der großen Hallen, sondern auch die Ausrichtung bei kleineren Anlagen, erklärt Gerhold. Da gehe es zum Beispiel um die Zukunft des Baunsberg-Sportplatzes in Altenbauna, die Zukunft der sanierungsbedürftigen Tennishalle und den Zuschnitt des gesamten Sportparks im Stadtpark.

Gerhold empfiehlt ein Verfahren zur Erstellung eines Sportentwicklungsplanes, wie es in den Jahren 2011 und 2012 in Kassel stattgefunden habe. Mit im Boot war dort das Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (IKPS) in Stuttgart. „An einem solchen kooperativen Verfahren werden alle Akteure beteilig“, unterstreicht der KSV-Vorstand. Das Ergebnis finde hohe Akzeptanz, „weil alle mitgewirkt haben“. Kirchturmdenken spiele keine Rolle.

„Wir haben die Sportvereine, die Schulen, die Kitas und die Bürger mit einbezogen“, erläutert Kassels Stadtsprecher Claas Michaelis. Es habe zunächst eine Bestandsaufnahme gegeben. Letztendlich seien Handlungsempfehlungen und Ziele erarbeitet worden. „Die sind nun Grundlage für eine strategische Ausrichtung.“

Michaelis bestätigt, dass die Erfahrungen mit dem Sportentwicklungsplan aufgrund der Beteiligung vieler positiv seien. Der Plan werde bis heute immer wieder für Entscheidungen herangezogen.

„Es sind nachhaltige Strukturen, die geschaffen werden“, sagt Wolfgang Schabert vom IKPS, der damals am Kasseler Plan mitgearbeitet hat. Betreut habe das Institut inzwischen 51 Kommunen in ganz Deutschland, darunter etwa die Städte Frankfurt und Stuttgart, aber auch Kommunen wie Wolfhagen und Felsberg. Schabert hebt noch einen wesentlichen Inhalt der Arbeit hervor. Es gehe darum, Angebote für möglichst alle Bürger zu schaffen, und nicht nur für die Vereine.

Das sagt das Institut für Sportentwicklung. Auch Schulen, Jugend- und Behindertenvertreter wurden befragt

Das Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung in Stuttgart erstellte für die Stadt Kassel einen Sportentwicklungsplan in den Jahren 2011 und 2012. Diplom-Sportwissenschaftler Wolfgang Schabert war bei dem Projekt dabei. Man beteilige immer die Sporttreibenden an der Planung, so Schabert. 

Befragt worden seien etwa die Schulen, die Vereine und andere Sportgruppen, die Volkshochschulen, Behindertenvertreter und die Jugendarbeit. Das Thema Freizeitsport nehme immer eine zentrale Rolle ein, sagt der Experte. 

„Muss es immer noch ein Kunstrasenplatz sein?“, fragt er beispielhaft. So sei es durchaus denkbar, dass Vereine ihre Sportanlagen künftig öffneten für die gesamte Bevölkerung. Der Trend gehe zu kleineren Räumen für Fitnessangebote, für Reha-Sport und Gesundheitssport. Schabert spricht von einer zukunftsorientierten Planung für acht bis zehn Jahre

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