Dürre-Patienten unter Beobachtung

Stadt Baunatal muss 13 Bäume fällen - Besonders Birken leiden unter Klimawandel

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Fällung zum Schutz von Passanten: Insgesamt 13 Birken haben Mitarbeiter des Bauhofs im unteren Abschnitt der Birkenallee absägen müssen.

Vergangenes Jahr hat die Dürre den Baunataler Bäumen stark zugesetzt. Die Folgen sind noch dieses Jahr, in dem es um einiges mehr geregnet hat, spürbar.

Vor Kurzem hat der städtische Bauhof an der Birkenallee 13 kranke Bäume fällen müssen. „Birken sind besonders anfällig“, sagt Tobias Kirchhoff, seit Anfang August neuer Gärtnermeister und Baumkontrolleur des Bauhofs. Der Bauhof nimmt seit zwei Jahren nicht nur die Dürre-Patienten unter den Bäumen unter die Lupe.

Baunatal ist eine sehr grüne Stadt. Nicht nur in den Parks, sondern auch entlang der Fußwege und Straßen sind großzügig Bäume gepflanzt worden. Doch das hat auch eine Kehrseite: Der Klimawandel und die früher nicht immer am günstigsten gewählten Standorte können dazu führen, dass Bäume krank werden, Äste verdorren oder gar umstürzen. „In den letzten Jahren sind einige Bäume umgefallen, von denen man es nicht erwartet hätte“, sagt Gerhard Reinbold, Leiter des Baubetriebshofs der Stadt Baunatal. 

Kontrolleure müssen zwischen 20.000 und 25.000 Bäume erfassen

Bisher glücklicherweise immer an Stellen, an denen sich kaum Menschen aufhalten. Die Vorfälle seien aber der Auslöser gewesen, ein Baumkataster anzulegen, berichtet Reinbold. Die Stadt hat dafür eigens zwei geprüfte Baumkontrolleure beauftragt, den Gärtnermeister Tobias Kirchhoff und Frank Hattwich eingestellt. Sie werden von Uwe Schmidt unterstützt, der Angaben zu Größe, Anzahl und Gesundheitszustand der Bäume in eine Datenbank einpflegt.

Das bedeutet eine Sisyphos-Arbeit. Zwischen 20.000 und 25.000 Bäume, so schätzt Reinbold, müssen erfasst werden. 4000 hat das Trio bisher geschafft, aktuell erfassen sie den Bestand in Altenritte. Priorität haben die Bäume an Kindergärten und Spielplätzen. Diese sind schon allesamt kontrolliert worden.

Technik erleichtert die Arbeit: Tobias Kirchhoff vermisst mit einem Lasergerät die Krone eines Baums.

Astfäule, Wipfel-Dürre, Pilzbefall und großflächig abblätternde Rinde sind Anzeichen dafür, dass ein Baum Gesundheitsprobleme hat. Mit einem Schall-Gerät können die Experten feststellen, ob das Innere eines Astes schon ausgehöhlt ist. Wir treffen das Team auf dem Hauptfriedhof, wo eine stattliche Stieleiche auf einer Seite fast nur noch tote Äste aufweist. Wahrscheinlich müsse der Baum aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden, sagt Reinbold. Der Baum steht unmittelbar am Gehweg, der ständig von Friedhofsbesuchern benutzt wird. „Jede Fällung tut weh“, sagt der Bauhofleiter. Man versuche deshalb, bedrohte Bäume etwa durch einen Pflegeschnitt, bei dem das tote Holz entfernt wird, zu retten.

780 Bäume haben die Prüfer bisher identifiziert, die sie in Zukunft engmaschiger als den übrigen Baumbestand kontrollieren wollen. Ob an den Standorten der gefällten Birken am Baunsberg Bäume nachgepflanzt werden, sei noch offen, sagt Reinbold. Denn möglicherweise komme der zusätzliche Platz auch den Nachbarbäumen zugute.

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