Baunataler VW-Werk baut Karosserieteile für Ersatzteilversand jetzt selbst

Tausende Lkw-Kilometer fallen weg

Frisch aus der Presse: Daniel Pfister, Leiter Planung Umform-Technik, hat ein Seitenteil für den Golf 7 unter den Händen. Die riesige Presse für diese Teile hatte VW gebraucht von Ford in Australien gekauft.
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Frisch aus der Presse: Daniel Pfister, Leiter Planung Umform-Technik, hat ein Seitenteil für den Golf 7 unter den Händen. Die riesige Presse für diese Teile hatte VW gebraucht von Ford in Australien gekauft.

Das VW-Werk Kassel in Baunatal hat ein neues Geschäftsfeld entwickelt. Die Fabrik baut ab sofort Karosserieteile für den Versand aus dem benachbarten Original-Teile-Center selbst.

Kassel/Baunatal - Das kennt jeder Autofahrer: Nach einem Blechschaden muss das Auto in die Werkstatt. Dort bekommt es etwa einen neuen Kotflügel, eine neue Tür oder eine neue Motorhaube verpasst. Doch wo kommen die Blechteile her, wenn ein Fahrzeug schon etwas älter ist und eigentlich nicht mehr gebaut wird. Das VW-Werk Kassel in Baunatal produziert seit Kurzem in der sogenannten Original-Teile-Fabrik in der Halle 2 genau diese Teile für Modelle der Konzernmarken, die es als Neuwagen schon nicht mehr gibt. 15 Jahre – so lautet das Versprechen von Volkswagen – liegen derartige Karosserieteile griffbereit im Baunataler Original-Teile-Center zum Versand in Werkstätten auf der ganzen Welt bereit.

So lange ein Modell noch gebaut werde, liefere das fahrzeugbauende Werk auch die Ersatzteile, erläutert Markus Daniels, Leiter der Halle 2. „Wir übernehmen die Teile dann.“ Sprich: Die neu Original-Teile-Fabrik im Werk Kassel springt mit Ende der Modellproduktion bei der Fertigung der Ersatzteile ein und beliefert selbst das benachbarte Original-Teile-Center. Das spare enorm bei den Logistikkosten, betont Daniels und rechnet vor: Bisher habe man beispielsweise für nur eine Heckklappe von einer Fremdfirma aus Spanien 18 Euro für den Transport nach Baunatal ausgegeben. „Jetzt liegen wir unter einem Euro.“

Tür an Tür: Tobias Kanngiesser blickt auf Reihen von Tiguan-Türen, die dann im OTC eingelagert werden.

Werkleiter Olaf Korzinovski hebt zudem die geringere Umweltbelastung hervor. „Neben den wirtschaftlichen Kriterien ist die Umsetzung der OT-Fabrik durch Einsparung von LKW-Verkehren zwischen den Standorten ein wertvoller Beitrag zur Erreichung unserer CO2- Ziele und damit für die Umwelt.“

Laut Daniels arbeitet die neue OT-Fabrik bereits auf vollen Touren. Gerade erst habe die Baunataler Mannschaft ein dickes Paket von Teilen für das alte Tiguan-Modell gefertigt. 2500 Satz Türen seien im benachbarten OTC abgeliefert worden, ergänzt Jan Ansuhn, technischer Sachbearbeiter im Karosseriebau.

Fertig: Markus Daniels, Leiter der Halle 2, und technischer Sachbearbeiter Jan Ansuhn zeigen, dass alle hier gefertigten Karosserieteile erst mal schwarz grundiert werden.

Der neue Geschäftszweig soll zudem zur Beschäftigungssicherung am Standort beitragen. „Die Beschäftigten der Halle 2, die durch einen hohen Automatisierungsgrad im Warmumform- und Laserpark ihren Arbeitsplatz verloren haben, werden nun sukzessive wieder in der OT-Fabrik eingesetzt“, erläutert Betriebsratschef Carsten Bätzold. „In der Endausbaustufe werden hier circa 300 Beschäftigte im Einsatz sein. Damit ist die neue Anlage aus wirtschaftlicher, ökonomischer und sozialer Sicht ein echter Gewinn.“

Übrigens: Kaum waren die Ersatzteile für das frühere Tiguan-Modell per Elektrotransporter im Original-Teile-Center auf der anderen Seite der Autobahn 49 abgeliefert worden, begannen in der OT-Fabrik bereits die Vorbereitungen für den nächsten Auftrag. Jetzt werden Teile für den Golf 7 gefertigt, der ja im Fahrzeugwerk Wolfsburg in diesen Tagen vom neuen Golf 8 abgelöst worden ist. (Sven Kühling)

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