Zu hohe Auflagen von VW

Traditions-Autohaus Bindschus in Baunatal schließt Werkstatt

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Haben sich für die Schließung der Werkstatt entschieden: Holger Bindschus und Christiane Bindschus-Hasper. 

Das Traditions-Autohaus Bindschuss schließt seine Werkstatt und macht als freier Autohändler in Altenbauna weiter. 

„Wir haben schon manche Träne verdrückt. Auch mit dem einen oder anderen Mitarbeiter, als er gegangen ist“, diese Sätze sagen Christiane Bindschus-Hasper (50) und Holger Bindschus (56) mit viel Wehmut in den Stimmen. Nach fast 50 Jahren schließen die Geschwister die Werkstatt des VW-Autohauses Bindschus in Altenbauna. Als freier Autohändler bleibt der Familienbetrieb an der Kirchbaunaer Straße bestehen.

Zunächst laufe die Werkstatt für alle Kunden des Autohauses noch ganz normal weiter, betont Holger Bindschus. Allen Verpflichtungen – etwa mit dem Räderwechsel – komme man selbstverständlich nach. „Wir informieren unsere Kunden noch schriftlich.“

Familienunternehmen: 2006 übernahmen Holger Bindschus (v. links) und seine Schwester Christiane Bindschus-Hasper den Betrieb von Wolfgang und Ute Bindschus. Der Audi 75 stammt von 1971.

33 Mitarbeiter sind laut Holger Bindschus bei den befreundeten VW-Autohäusern Klein (Fuldatal) und Ostmann (Wolfhagen) untergekommen. „Das war uns ein besonderes Anliegen.“ Einige Beschäftigte waren seit Jahrzehnten im Unternehmen. Die kennen die Geschwister schon aus Zeiten, als sie selbst noch als Kinder täglich auf dem Hof des Autohauses gespielt haben. Als Grund für die Aufgabe der Werkstatt geben die Geschäftsführer die neuen Verträge und Auflagen für die Service-Partner durch den VW-Konzern an. Die alten Serviceverträge waren 2018 gekündigt worden, berichtet Holger Bindschus. 

„Die neuen Verträge haben wir nicht mehr unterschrieben.“ Die Auflagen, etwa zum Bau von E-Ladestationen, zu Investitionen im digitalen Bereich und zum Design des Gebäudekomplexes, seien zu hoch gewesen. Einen hohen sechsstelligen Betrag hätte man investieren müssen, betont der 56-Jährige. Aufgrund der Forderungen durch Volkswagen und einer generellen schlechten Zukunftsperspektive der Automobilbranche habe man sich schließlich zu dem Schritt der Werkstattschließung entschieden. Der Firmenchef prognostiziert daraus „ein Sterben auf Raten“ für viele ähnliche mittelständische Betriebe.

So sah es in den 70er-Jahren aus: Die Autos standen aufgereiht an der Kirchbaunaer Straße.

Das Autohaus ist ein echter Familienbetrieb. Mit den Generationen ist die Firma in den vergangenen 49 Jahren kontinuierlich gewachsen. Bindschus ist ein Stück Altenbauna, ein Stück VW in Baunatal.

1971 hatte Vater Wolfgang Bindschus den Betrieb an der Kirchbaunaer Straße gegründet. Zuvor hatte er über zehn Jahre am selben Standort eine Aral-Tankstelle. Nach dem Start als Autohändler mit eigener Werkstatt 1974 – zeitgleich mit der Fusion von Volkswagen und Audi – wuchs das Unternehmen, das zunächst Autos beider Marken anbot, stetig. 

1982 wurde eine große Ausstellungshalle gebaut, zuvor standen die Fahrzeuge ausschließlich im Freien an der Kirchbaunaer Straße. 1998 gesellte sich noch die Marke Seat als weiteres Zugpferd hinzu. 2006 übergaben die Senioren Wolfgang und Ute Bindschus die Firma in die Hände der Kinder. Christiane Bindschus-Hasper bringt das jetzige Gefühl zum baldigen Ende der Werkstatt auf den Punkt: „Es tut schon sehr weh.“

Hintergrund

Im Jahr 2018 hat die Marke Volkswagen 3500 Händlerverträge in ganz Europa neu verhandelt. Die bestehenden Verträge waren zum Ende des ersten Quartals 2018 gekündigt worden. Die neuen Abschlüsse sollen ab April 2020 gelten. Inhalte der Anforderungen sind nach Angaben mehrerer Händler in der Region die Einrichtung von Ladestationen für E-Fahrzeuge im Bereich der Autohäuser. 

Auch der zunhemnde Einsatz digitaler Technik soll vorbereitet werden. Holger Bindschus befürchtet allerdings, dass damit der Kontakt zwischen dem örtlichen Autohändler und den Kunden immer weiter abnhemen werde. Inspektionsintervalle beispielsweise würden zunehmend von VW selbst kontrolliert.

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